Drogenboss «El Mencho» tot - Autos brennen
Mexikos mächtigster Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes, «El Mencho», ist getötet worden. Als Reaktion zündeten Bandenmitglieder Autos an.

Das Wichtigste in Kürze
- Mexikos mächtigster Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes, «El Mencho» ist tot.
- Als Reaktion haben Bandenmitglieder Strassen mit brennenden Autos, gesperrt.
- Die USA hatten eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar auf ihn ausgesetzt.
Mexikos mächtigster Drogenboss Nemesio Oseguera Cervantes, aka «El Mencho», ist von mexikanischen Sicherheitskräften getötet worden. Bei einem Militäreinsatz sind neben dem mächtigen Kartellanführer weitere sechs Menschen ums Leben gekommen. Dies bestätigte das mexikanische Verteidigungsministerium. Die US-Behörden hätten im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit mit Informationen beigetragen.
«El Mencho» wurde bei der Operation schwer verletzt und starb, als er auf dem Luftweg nach Mexiko-Stadt transportiert wurde, hiess es in der offiziellen Mitteilung. Bei dem Einsatz in der Gemeinde Tapalpa im westlichen Bundesstaat Jalisco seien zudem zwei mutmassliche Mitglieder des Kartells Jalisco Nueva Generación festgenommen worden.
Drei Soldaten wurden demnach verletzt und mussten dringend in ein Krankenhaus gebracht werden.
USA hatte 15 Mio. Dollar Belohnung auf «El Mencho» ausgesetzt
Die USA hatten eine Belohnung von 15 Millionen US-Dollar (rund 11,6 Millionen Franken) auf «El Mencho» ausgesetzt. Washington reagierte auf die Nachricht seiner Tötung über den stellvertretenden US-Aussenminister Christopher Landau.
Einer der «blutigsten und rücksichtslosesten Drogenbosse» sei getötet worden, schrieb er auf der Plattform X. «Das ist eine grossartige Entwicklung für Mexiko, die USA, Lateinamerika und die ganze Welt. Die Guten sind stärker als die Bösen».
Bandenmitglieder zünden als Reaktion Autos an
Der Einsatz löste eine gewalttätige Reaktion des von «El Mencho» angeführten Drogenkartells Jalisco Nueva Generación (CJNG) aus. Sicherheitskräfte führten eine Operation in Tapalpa im Bundesstaat Jalisco durch, die eine starke Reaktion von mutmasslichen Bandenmitgliedern auslöste, wie Gouverneur Pablo Lemus auf X mitteilte.
In mehreren Bundesstaaten, darunter in Jalisco, Michoacán, Aguascalientes, Tamaulipas und Guanajuato, wurden Strassen mit brennenden Autos, Lastwagen und Bussen gesperrt.

Auch wurden Feuer in Apotheken und kleinen Einzelhandelsgeschäften gelegt. In der von Touristen beliebten Stadt Puerto Vallarta an der Pazifikküste waren in Videos brennende Autos und grosse schwarze Rauchwolken zu sehen, die zwischen den Gebäuden aufstiegen. Die Behörden riefen die Menschen dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen.
Auch die US-Botschaft in Mexiko gab eine Sicherheitswarnung für US-Bürger aus. Aufgrund laufender Sicherheitsoperationen und Strassensperren sollten US-Bürger an den betroffenen Orten bis auf weiteres in ihren Unterkünften bleiben, hiess es.
Der Drogenboss mit einer Vorliebe für Hahnenkämpfe
«El Mencho» wurde 59 Jahre alt. Er wurde am 17. Juli 1966 in Aguililla geboren, einer armen Gemeinde im westlichen Bundesstaat Michoacán. In der mexikanischen Unterwelt wurde er wegen seiner Vorliebe für Hahnenkämpfe der «Herr der Hähne» genannt.
Sein weiterer Spitzname, «El Mencho», soll eine Ableitung seines Vornamens Nemesio sein. Zahlreiche Narco-Lieder, «narcocorridos» genannt, feiern seine kriminellen Machenschaften.

Die US-Regierung hatte das extrem gewalttätige Drogenkartell von «El Mencho» als ausländische Terrororganisation eingestuft. Das von ihm geführte Verbrechersyndikat ist nach Angaben der US-Behörden eine transnationale Organisation mit Verbindungen bis nach China und Australien.
Neben dem Handel mit Fentanyl ist sie demnach auch in Erpressung, Schleusung von Migranten, Diebstahl von Öl und Mineralien sowie Waffenhandel verwickelt.
Von Polizist zum gefährlichen Kartell-Anführer
Nach Angaben des US-Finanzministeriums ist Oseguera seit den 1990er Jahren in den Drogenhandel verwickelt. 1994 wurde er in Sacramento im US-Bundesstaat Kalifornien wegen Heroinschmuggels verhaftet.
Nach drei Jahren Gefängnis wurde er nach Mexiko abgeschoben – und heuerte im westlichen Bundesstaat Jalisco als Polizist an.
Später schloss er sich dem Milenio-Kartell an, eines der ersten mexikanischen Verbrechersyndikate, die mit synthetischen Drogen handelten. Er arbeitete dabei mit dem Sinaloa-Kartell des Drogenbosses Joaquín «El Chapo» Guzmán zusammen.
Später kam es zur Abspaltung und Gründung des CJNG-Kartells. Unter Osegueras Führung entwickelte es sich rasch zu einer der mächtigsten kriminellen Organisationen Mexikos.
CJNG: Die Vier-Buchstaben
Das «Unternehmen mit den vier Buchstaben», wie das Kartell von seinen Mitgliedern genannt wird, verfügt über ein grosses Waffenarsenal und gepanzerte Fahrzeuge.
In Mexiko verübte es blutige Anschläge auf Sicherheitskräfte, hängte Leichen an Brücken auf und schoss einmal sogar einen Militärhubschrauber ab, wobei neun Menschen ums Leben kamen. Dem Kartell wird vorgeworfen, junge Menschen auch mit falschen Jobangeboten anzulocken, um sie zwangsweise zu rekrutieren.

«El Mencho», der ein unauffälliges Leben führte, soll ein Milliardenvermögen besitzen und Geld mit Immobilien, Viehzucht und Musikgeschäften gewaschen haben. Regionale Musikgruppen haben Lieder über ihn komponiert.
In den sozialen Netzwerken kursieren immer wieder mutmassliche Propagandavideos des Kartells. Darin sind schwer bewaffnete Männer in Kampfuniformen zu sehen, die sich als «Leute von Señor Mencho» bezeichnen.












