Leichnam der letzten Geisel (†24) identifiziert
Alle von der Hamas entführten Geiseln sind zurück in Israel: Das israelische Militär hat die Identifizierung der letzten verstorbenen Geisel bestätigt.

Das Wichtigste in Kürze
- Israel hat die letzte verstorbene Geisel identifiziert.
- Im Gegenzug soll Israel Leichen von 15 Palästinensern übergeben.
- Dann wären die Voraussetzungen für die zweite Phase des Friedensplans erfüllt.
Die Leiche des Polizisten Ran Gvili sei identifiziert und nach Israel gebracht worden, teilte Israels Armee mit. Das israelische Militär hatte zuvor auf einem Friedhof im Gazastreifen nach der letzten toten Geisel gesucht. Die Terrororganisation Hamas hatte eigenen Angaben zufolge den Vermittlern des Gaza-Abkommens alle zur Auffindung der Leiche nötigen Informationen übermittelt.

Sobald Israel im Gegenzug die Leichen von 15 Palästinensern übergeben hat, sind die Voraussetzungen zum Eintritt in die zweite Phase des von den USA vorangetriebenen Gaza-Friedensplans offiziell erfüllt.
Die US-Regierung hatte die zweite Phase, die zu einem endgültigen Ende des Gaza-Kriegs führen soll, bereits ausgerufen. Die israelische Regierung sagte dagegen, erst dann in die nächste Phase des Friedensplans einzutreten, wenn der Leichnam der letzten Geisel nach Israel zurückgebracht worden sei. Auslöser des Gaza-Kriegs war das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 in Israel.
Das war die erste Phase des US-Friedensplans
In einem ersten Schritt trat im Rahmen des US-Friedensplans am 10. Oktober 2025 bereits eine Waffenruhe zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas in Kraft. Zudem liessen islamistische Gruppen im Gazastreifen die letzten 20 noch lebenden, aus Israel entführten Geiseln frei, darunter auch Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft. Im Gegenzug dafür entliess Israel knapp 2.000 palästinensische Häftlinge aus Gefängnissen.

Die Hamas übergab zudem die letzten 28 Geisel-Leichen – allerdings anders als vereinbart nur sehr schleppend. Unter den Toten waren auch mehrere aus Israel entführte Ausländer. Israel übergab für jede tote israelische Geisel die sterblichen Überreste 15 verstorbener Bewohner Gazas, insgesamt bislang 360. Die genauen Todesumstände der Palästinenser sind nicht bekannt.
Im Rahmen der mühsam errungenen Einigung kommt auch mehr Hilfe in den Gazastreifen. Israelische Soldaten zogen sich in dem Küstenstreifen zudem hinter die sogenannte «gelbe Linie» zurück. Israels Armee kontrolliert damit noch immer etwas mehr als die Hälfte des Palästinensergebiets.
Zweite Phase: Entwaffnung der Hamas
Die von den USA bereits ausgerufene zweite Phase des Abkommens sieht nun die Entwaffnung der Hamas vor, was die Islamistenorganisation aber bislang ablehnt. Laut Beobachtern ist ein Kompromiss denkbar, so dass die Islamisten etwa auf Raketen verzichten könnten.

Hamas-Mitglieder, die sich zu einer friedlichen Koexistenz mit Israel zur Niederlegung ihrer Waffen verpflichten, sollen Amnestie erhalten. Sollte es in dieser schwierigen Frage keine Einigung geben, könnte der Krieg wieder ausbrechen.
Vor kurzem wurden als Teil der zweiten Phase bereits die 14 Mitglieder einer palästinensischen Übergangsregierung bekanntgegeben, die den in zwei Kriegsjahren weitgehend zerstörten Gazastreifen verwalten soll.
«Gaza Executive Board» ins Leben gerufen
Zur Unterstützung dieser Regierung von Fachleuten, die keine Verbindung zur islamistischen Hamas haben sollen, wurde ein Gremium namens «Gaza Executive Board» ins Leben gerufen. Diesem gehören unter anderem der US-Sondergesandte Steve Witkoff, der britische Ex-Premier Tony Blair, der türkische Aussenminister Hakan Fidan und der ranghohe katarische Diplomat Ali Thawadi an.
Die Aufnahme der prominenten Vertreter aus Katar und der Türkei ärgert Israel. Beide Länder gelten als Unterstützer der Hamas. Berichten zufolge haben sie die Hamas aber dazu gebracht, dem Gaza-Abkommen zuzustimmen.
Ein weiteres neues Gremium, das Exekutivkomitee, soll darüber hinaus die neue palästinensische Übergangsregierung beaufsichtigen und ausserdem den Wiederaufbau im zerstörten Gazastreifen steuern. Dem sogenannten «Founding Executive Board» gehören unter anderem US-Aussenminister Marco Rubio, Weltbank-Präsident Ajay Banga, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sowie Witkoff und Blair an.
Trumps-Friedensrat soll den Friedensprozess im Gazastreifen überwachen
All diese Gremien sind dem sogenannten «Friedensrat» unterstellt, der sich aus führenden Politikern aus aller Welt zusammensetzen und von US-Präsident Donald Trump geleitet werden wird. Dieser «Friedensrat» soll den Friedensprozess im Gazastreifen überwachen.
Er wird sich – anders als zunächst erwartet – aber auch um andere internationale Konflikte kümmern. Beobachter sehen ihn als Konkurrenz zu den Vereinten Nationen. Viele europäische Staaten, darunter Deutschland, lehnen einen Beitritt ab. Mit dabei sind unter anderem Ungarn, Israel, Belarus, Katar, Saudi-Arabien und die Türkei.

Der «Friedensrat» soll auch eine internationale Stabilisierungstruppe (ISF) aufbauen, die im Gazastreifen für Ordnung sorgen soll. Ihre genaue Zusammensetzung ist allerdings noch offen. Mehrere mehrheitlich muslimische Länder hatten aber bereits Bereitschaft signalisiert, Soldaten zu stellen, so etwa Indonesien und Pakistan. Deutschland beabsichtigt nicht, sich militärisch an der ISF zu beteiligen.
Israels Armee soll sich aus dem Gazastreifen zurückziehen und bislang gehaltene Gebiete schrittweise an die ISF übergeben. Einen konkreten Zeitplan für all diese Punkte gibt es noch nicht.
Ob der Übergang zur zweiten Phase tatsächlich gelingt, ist ungewiss. Die Differenzen zwischen den Kriegsparteien sind riesig. Die Waffenruhe im Gaza-Krieg hatte zudem bereits in der ersten Phase mehrfach gewackelt.














