Syriens Armee erklärt Kontrolle über weitere Orte bei Aleppo
Die syrische Armee hat nach eigenen Angaben die Kontrolle über wichtige Orte nahe der nordsyrischen Stadt Aleppo von kurdischen Kräften übernommen.

Nach tödlichen Gefechten in der Stadt Aleppo war es auch in den Gebieten um Deir Hafir und Maskana in den vergangenen Tagen zu Spannungen und Angriffen gekommen. In der Nacht hatten die kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) schliesslich angekündigt, sich von den Frontlinien östlich von Aleppo zurückzuziehen.
Regierungstruppen seien nun in Deir Hafir im Einsatz, um die Lage zu sichern und Landminen zu räumen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana.
SDF: «Äusserst gefährliche Situation»
Die SDF kritisierten jedoch das Vorgehen der Armee. Regierungstruppen seien in beide Orte eingedrungen, bevor der Abzug der SDF abgeschlossen gewesen sei, hiess es in einer Erklärung auf X. Sie warfen der Übergangsregierung vor, eine «äusserst gefährliche Situation mit möglicherweise ernsten Folgen» geschaffen zu haben.
Die syrische Armee hatte in den betroffenen Gebieten zuvor SDF-Stellungen angegriffen. Anwohner in der Nähe von Deir Hafir berichteten von heftigem Artillerie- und Raketenbeschuss. Die angegriffenen Orte seien als Militärbasen anzusehen, die von den SDF und ihren Verbündeten genutzt würden, hiess es als Erklärung von der Armee.
Nach Angaben von SDF-Anführer Maslum Abdi sei die Entscheidung zum Rückzug eine «Geste des guten Willens» im Rahmen des Abkommens zur Eingliederung der SDF in die syrischen Streitkräfte gewesen. Die Entscheidung sei auf Bitten «befreundeter Länder und Vermittler» erfolgt. Um weiteren Kämpfen zu entkommen, waren nach Behördenangaben bereits Tausende Menschen aus Deir Harfa und Maskana geflüchtet.
Gegenseitiges Misstrauen
Hintergrund ist ein Streit über die geplante Eingliederung der bisher autonom geführten kurdischen Verwaltungen in die staatliche Ordnung. Die von Interimspräsident Ahmed al-Scharaa geführte Übergangsregierung wirft den SDF vor, Anhänger der gestürzten Assad-Regierung sowie Mitglieder der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) in ihren Reihen zu dulden.
Kurdische Vertreter wiederum fürchten weitere Diskriminierungen und den Verlust ihrer Rechte unter der neuen Führung in Damaskus. Im syrischen Bürgerkrieg hatten sie eine führende Rolle beim Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat und sind im Kampf gegen die Dschihadisten bis heute ein enger Verbündeter der USA. Sie warnen vor einem möglichen Wiedererstarken des IS.














