Iran-Krieg: USA greift erneut Ziele an – Raketen auf Kuwait
Raketen auf Kuwait, Drohnen nahe Bandar Abbas, israelische Angriffe im Libanon: Trotz Waffenruhe eskaliert die Lage im gesamten Nahen Osten erneut massiv.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Lage im Nahen Osten bleibt trotz Waffenstillstands-Abkommen unsicher.
- Kuwait meldete in der Nacht Raketen- und Drohnenangriffe – die Luftabwehr war im Einsatz.
- Die USA griffen eine Drohnenstellung im Iran an, die zuvor US-Schiffe angegriffen hätten.
- Auch die israelische Armee startete erneut Angriffe im Süden Libanons.
Zwischen dem Iran und den USA gilt offiziell weiterhin eine Waffenruhe. Diese scheint aktuell jedoch auf der Kippe zu stehen. In der Nacht auf Donnerstag kam es sowohl im Iran als auch in Kuwait und im Libanon zu Angriffen.
Die Waffenruhe wurde zuletzt bis ende Juni verlängert. Vor allem die blockierte Strasse von Hormus und die Zukunft des iranischen Atomprogramms sorgen weiterhin für Diskussionen.
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Das ist in der Nacht auf Donnerstag passiert
08.25: Erste Anzeichen für eine neue Eskalation kamen aus dem Süden des Irans: Die iranische Nachrichtenagentur Fars meldete in der Nacht drei Explosionen östlich von Bandar Abbas an der Strasse von Hormus. Der Grund sei zunächst unklar gewesen, die Luftverteidigung sei aktiviert worden.
Kurz darauf bestätigten US-Medien die Ursache. Laut «Wall Street Journal» feuerte der Iran zunächst vier Drohnen auf amerikanische und zivile Schiffe ab. US-Kampfjets schossen die Drohnen ab, anschliessend griff ein F/A-18-Kampfflugzeug die Abschussstellung nahe Bandar Abbas an.
Das US-Militär erklärte, die angegriffene Stellung sei dabei gewesen, eine fünfte Drohne abzufeuern. «Diese Massnahmen waren zurückhaltend, rein defensiv und darauf ausgerichtet, die Waffenruhe aufrechtzuerhalten», hiess es von amerikanischer Seite.
Bandar Abbas gilt als eines der wichtigsten militärischen Zentren des Iran
Die Revolutionsgarden meldeten ihrerseits, sie hätten die US-Luftwaffenbasis attackiert, von der aus das amerikanische Militär auf das Gebiet nahe dem Flughafen von Bandar Abbas gefeuert hatte. Keine der Angaben beider Seiten liess sich zunächst unabhängig überprüfen.
Zudem soll ein amerikanischer Öltanker versucht haben, die Strasse von Hormus mit abgeschaltetem Radarsystem zu passieren. Laut einer iranischen Militärquelle, zitiert von der Nachrichtenagentur Tasnim, hätten die Revolutionsgarden das Schiff beschossen und zum Umkehren gezwungen.

Bandar Abbas ist die Hauptstadt der Provinz Hormusgan und gilt als eines der wichtigsten militärischen Zentren des Irans im Golfraum. Erst vor wenigen Tagen hatte es in der Region bereits gegenseitige Angriffe gegeben – die USA hatten Ziele auf iranischem Festland angegriffen, der Iran attackierte US-Schiffe mit Raketen und Schnellbooten.
Kuwait meldet Raketen – Israel greift wieder im Libanon an
Noch während die Nacht andauerte, meldete auch Kuwait einen Angriff mit Raketen und Drohnen. Die Luftabwehr des Golfstaats sei im Einsatz, teilte das kuwaitische Militär auf X mit. Zu Schäden oder Opfern gab es zunächst keine Angaben, auch über die Herkunft des Beschusses wurde vorerst nichts mitgeteilt.
Nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe gegen den Iran Ende Februar hatte Teheran bereits Raketen und Drohnen auf Kuwait und andere mit den USA verbündete Golfstaaten abgefeuert. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten zuletzt vereinzelt erneuten Beschuss.
Doch nicht nur im Persischen Golf brodelt es: Die israelische Armee griff in der Nacht erneut Stellungen der proiranischen Hisbollah im südlibanesischen Tyrus an. Auch ein mutmasslicher Drohnenangriff auf israelische Truppen im Libanon wurde nach Armeeangaben abgewehrt. Eigentlich gilt seit Mitte April eine Waffenruhe – faktisch läuft der Krieg weiter.
Urananreicherung ist für Iran eine «rote Linie»
Noch vor den Angriffen hatte sich ein iranischer Politiker zu den laufenden Verhandlungen geäussert. Ebrahim Azizi, Vorsitzender des Ausschusses für Nationale Sicherheit des iranischen Parlaments, schrieb auf X, der Iran lasse sich durch Trumps Rhetorik nicht von seinen «roten Linien» abbringen.
Als solche nannte er das Recht auf Urananreicherung, die Kontrolle über die Strasse von Hormus sowie die Aufhebung der Sanktionen. Azizi schrieb: «Offensichtlich sucht Trump nach einem Ausweg aus dieser strategischen Sackgasse und wechselt dabei zwischen Drohungen und Appellen zu einer Einigung.»
Trump: «Niemand wird Strasse von Hormus kontrollieren»
Zuvor hatte Trump in einer Kabinettsitzung klargemacht, dass er mit dem Verhandlungsstand nicht zufrieden sei – auch wenn der Iran «unbedingt ein Abkommen schliessen» wolle. Er erneuerte seine Drohung: Entweder komme es zu einem Deal, oder man werde «die Sache zu Ende» bringen.

Sanktionslockerungen schloss Trump klar aus: «Nein, wir sprechen nicht über irgendeine Lockerung.» Auch die Kontrolle über eingefrorene iranische Vermögenswerte behalte man. Die Strasse von Hormus werde niemand kontrollieren, sagte Trump – die USA würden darauf achten.
US-Sanktionen gegen Irans Behörde zur Kontrolle der Strasse von Hormus
Parallel dazu hat die US-Regierung die vom Iran neu geschaffene Behörde zur Kontrolle und Mauterhebung in der Strasse von Hormus mit Sanktionen belegt. Der Plan, eine Durchfahrtsgebühr für die Meerenge zu erheben, verstosse gegen internationales Recht, erklärte das Finanzministerium in Washington. Reeder, die mit der Behörde kooperieren, riskieren ebenfalls Sanktionen – da dies als Unterstützung der iranischen Revolutionsgarden gewertet werden könnte.
Westliche Regierungen, Golfstaaten und Schiffsbetreiber lehnen die Maut-Pläne ab. Teheran hatte die für den globalen Handel zentrale Meerenge seit Kriegsbeginn Ende Februar faktisch blockiert und den Schiffsverkehr fast zum Erliegen gebracht. Die Kontrolle über die Strasse von Hormus bleibt einer der strittigsten Punkte in den laufenden Friedensverhandlungen.
















