Ex-Weggefährte: «Ben-Gvir sieht Palästinenser nicht als Menschen»
Israel-Minister Ben-Gvir fordert, dass jede Nacht 30 bis 40 Palästinenser getötet werden. Ein einstiger Weggefährte erklärt, warum die Aussage nicht überrascht.

Das Wichtigste in Kürze
- Laut einem einstigen Weggefährten sieht Itamar Ben-Gvir Palästinenser nicht als Menschen.
- Der Minister sei ein «rassistischer Influencer», der eine «religiöse Diktatur» anstrebe.
- Als Jugendlicher schloss sich Ben-Gvir der Siedlerbewegung an und vertritt diese heute in der Knesset.
«30 bis 40 Palästinenser pro Nacht» sollen im Gazastreifen getötet werden, sagte Itamar Ben-Gvir in einem Podcast. Die Aussage des israelischen Ministers für Nationale Sicherheit sorgte weltweit für Aufsehen und viel Kritik. Überraschend kommt sie aber nicht, sagt ein einstiger Weggefährte gegenüber dem «Spiegel».
«Für Ben-Gvir sind Palästinenser keine Menschen, sondern Monster», sagt Gilad Sade. Und: «Je mehr Menschen in Gaza sterben, desto besser finden die Siedler das.»
Gilad Sade kam in Kiryat Arba, einer Siedlung im besetzten Westjordanland, zur Welt. Später distanziert er sich von der Siedlerbewegung. Heute lebt er an einem geheimen Ort ausserhalb von Israel.
Als Jugendlicher zog auch Ben-Gvir nach Kiryat Arba und schloss sich dem sogenannten Kahanismus, einer rechtsextremen, religiös-fundamentalistischen Ideologie, an.
Ben Gvir wegen Anstiftung zu Rassismus verurteilt
Schon bald darauf fiel er mit provokanten Aussagen auf: Er verherrlichte einen Extremisten, der 29 Muslime erschossen hatte, als «Helden». Bei einer Demonstration zeigte er ein Schild mit der Aufschrift «Vertreibt den arabischen Feind». Dafür wurde er 2007 wegen Anstiftung zu Rassismus verurteilt.
Ben-Gvir arbeitete lange als Anwalt. Er verteidigte vor allem Aktivisten, die palästinensisches Land besetzten, oder Siedler, denen Gewalt vorgeworfen wurde.

2012 wurde die Partei «Otzma Jehudit» («Jüdische Stärke») gegründet. Von Anfang an war Ben-Gvir Teil davon. Lange Zeit blieb die Partei eine extremistische Randerscheinung – bis 2022.
Ben-Gvir fordert Siedlungen im Gaza-Streifen
Benjamin Netanjahu brauchte die Unterstützung der Extremisten, um eine Mehrheit für seine Regierung zu erreichen. Im Gegenzug erhielt Ben-Gvir den Ministerposten.
In der Folge mässigte er sich etwas, seine Aussagen in der Öffentlichkeit wurden weniger extrem. Doch nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober änderte sich das wieder.
Ben-Gvir forderte Siedlungen in Gaza, das Gebiet gehöre Israel, sagte er. Er lobte, dass die Polizei die Extremisten unter den Siedlern nicht mehr «belästigt».
Ben Gvir sei ein «rassistischer Influencer»
Gilad Sade distanzierte sich von der Siedlerbewegung und zog aus Kiryat Arba weg. Heute kritisiert er Ben-Gvir scharf. Dieser sei kein Politiker, «sondern ein rassistischer Influencer».
Der Minister nutze die Demokratie, um sie zu zerstören. Das Ziel sei eine «religiöse und ethnische Diktatur».
Deshalb fordert Sade, dass der Westen Sanktionen gegen die israelische Regierung erlässt, solange Ben-Gvir Teil davon sei. Frankreich und Spanien haben bereits Einreiseverbote gegen ihn erlassen. Deutschland äusserte nach den jüngsten Aussagen Kritik.
Siedler-Aussteiger Sade hofft auf die Wahl im Oktober und darauf, dass es dann gelingt, eine Regierung ohne Ben-Gvirs Radikale aufzustellen. Denn: «Andernfalls sind wir verloren.»



















