So entscheiden sich Zuger Jugendliche nach der Schule
Fast alle Zuger Jugendlichen haben nach der obligatorischen Schule eine Anschlusslösung. Die berufliche Grundbildildung bleibt der häufigste Weg.

Für die meisten Zuger Jugendlichen ist der nächste Schritt nach der obligatorischen Schulzeit bereits klar. Eine aktuelle Befragung des BIZ Amt für Berufsberatung (BIZ Zug) zeigt: Fast alle Schülerinnen und Schüler, die im Juli die obligatorische Schule beendet haben, wissen, wie es für sie weitergeht.
Die Mehrheit beginnt eine berufliche Grundbildung, viele wechseln an eine Mittelschule. Nur eine kleine Minderheit ist noch ohne konkrete Anschlusslösung.
Befragt wurden die Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen der Oberstufen in den Zuger Gemeinden, aber auch Jugendliche aus Gymnasien und Brückenangeboten.
Die Mittelschule holt weiter auf
47,2 Prozent der Jugendlichen treten nach neun Schuljahren eine berufliche Grundbildung an. Damit bleibt die Lehre der häufigste direkte Anschluss, allerdings ist ihr Anteil rückläufig: Im Vorjahr waren es noch 51 Prozent.
Gleichzeitig setzt sich der Trend zur Mittelschule fort. 39,6 Prozent der Jugendlichen entscheiden sich für diesen Weg, gegenüber 38,6 Prozent im Vorjahr.

Die Entwicklung ist nicht dramatisch, aber kontinuierlich: Die schulische Ausbildung gewinnt gegenüber der klassischen Lehre weiter an Bedeutung.
Eine weitere Gruppe braucht für die berufliche Orientierung etwas mehr Zeit. 11,4 Prozent besuchen ein Brückenangebot. Im vergangenen Jahr waren es 10,1 Prozent.
Für viele ist dies eine Zwischenstation: 74 Prozent der Jugendlichen beginnen danach eine berufliche Grundbildung. Nur vier Prozent wechseln anschliessend an eine Mittelschule.
Bemerkenswert ist zudem die kleine Zahl jener Jugendlichen, die noch keine Lösung gefunden haben. 23 Jugendliche oder 1,9 Prozent waren Ende Juni noch unentschieden. 2025 waren es vier, 2024 noch 14 und 2023 sogar 25.
Berufsmaturität wird attraktiver
Auch innerhalb der Berufslehre verändert sich das Bild. Rund 13 Prozent der Jugendlichen, die eine Lehre beginnen, tun dies mit Berufsmaturität. Vor einem Jahr waren es zwölf Prozent.
Werden auch schulische Berufsausbildungen wie etwa die Wirtschaftsmittelschule berücksichtigt, liegt der Anteil bei 17 Prozent.
Die Berufsmaturität verbindet zwei Welten: Jugendliche erwerben einen Berufsabschluss und gleichzeitig einen Mittelschulabschluss. Damit erhalten sie unter anderem Zugang zu den Fachhochschulen.
Der Weg ist besonders für jene attraktiv, die praktische Ausbildung und weiterführende Bildung miteinander verbinden wollen.
Frauen wählen weniger verschiedene Berufe
Ein Muster hält sich allerdings hartnäckig: Bei der Berufswahl unterscheiden sich Mädchen und Knaben deutlich. Die jungen Männer der Befragung entschieden sich für 82 verschiedene Berufe, bei den jungen Frauen waren es lediglich 46.
Die Auswahl ist bei den Mädchen damit deutlich stärker konzentriert. Ganz verschwunden sind geschlechtsuntypische Berufswahlen allerdings nicht. Auch in diesem Jahr finden sich beispielsweise eine Sanitärinstallateurin und eine Unterhaltspraktikerin EBA unter den Absolventinnen.

An der Spitze stehen bei beiden Geschlechtern Kaufleute EFZ. Bei den jungen Frauen folgen Fachfrau Gesundheit und Fachfrau Betreuung, der Detailhandel liegt auf Rang vier. Bei den jungen Männern ist der Detailhandel sogar die Nummer zwei.
Danach folgen Elektroinstallateur, Logistiker und Informatiker. Letzterer lag im Vorjahr noch auf Rang zwei. Auch bei der Wahl zwischen Lehre und Mittelschule zeigen sich Unterschiede.
66 Prozent der Knaben entscheiden sich nach der Volksschule oder einem Brückenangebot für eine betriebliche berufliche Grundbildung, bei den Mädchen sind es 58 Prozent. Umgekehrt wählen 19 Prozent der Mädchen eine Mittelschule, bei den Knaben sind es acht Prozent.
Besonders aufmerksam verfolgt das BIZ Zug einen weiteren Trend: Jugendliche erhalten Lehrstellenzusagen immer früher – obwohl der Lehrstellenmarkt derzeit vergleichsweise günstig ist. Fast jeder fünfte Jugendliche, nämlich 19,8 Prozent, hatte bereits während der zweiten Oberstufe eine Lehrstellenzusage.
Vor 16 Jahren waren es gerade einmal vier Prozent. Was auf den ersten Blick erfreulich wirkt, bereitet dem BIZ Sorgen. Denn eine frühe Zusage schafft zwar Sicherheit, kann aber auch dazu führen, dass Jugendliche ihre Entscheidung treffen, bevor sie sich ausreichend mit ihren Möglichkeiten auseinandergesetzt haben.
Gerade bei der Berufswahl ist das entscheidend. Wer mit 14 oder 15 Jahren eine Lehrstelle zugesagt bekommt, hat zwar einen Platz auf sicher, möglicherweise aber noch nicht herausgefunden, ob der gewählte Beruf tatsächlich zu den eigenen Interessen, Fähigkeiten und Erwartungen passt.
Das BIZ Zug weist deshalb auf einen scheinbaren Widerspruch hin: Obwohl Jugendliche heute gute Chancen auf eine Lehrstelle haben, steigt der Druck, sich früh festzulegen.
Dabei wäre gerade eine günstige Ausgangslage eine gute Gelegenheit, verschiedene Berufe kennenzulernen, Schnupperlehren zu absolvieren und Alternativen zu prüfen. Der häufigste Grund für einen Lehrabbruch ist nach Angaben des BIZ eine nicht passende Berufswahl.
Eine möglichst frühe Zusage ist deshalb nicht automatisch eine möglichst gute Lösung.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «Zuger Woche» erschienen.








