3 Tote – Passagiere dürfen Viren-Kreuzfahrtschiff nicht verlassen

Simon Binz
Simon Binz, Elena Hatebur

Cabo Verde,

Auf dem Kreuzfahrtschiff «MV Hondius» ist das Hantavirus ausgebrochen. Drei Tote, ein Brite kämpft in Südafrika ums Leben. Passagiere müssen an Bord bleiben.

Kreuzfahrtschiff Hantavirus
Das betroffene Polar-Kreuzfahrtschiff lag am Sonntag vor Praia, der Hauptstadt von Kap Verde (Archiv). - Screenshot/X

Das Wichtigste in Kürze

  • An Bord der «MV Hondius» sind 3 Personen an einer schweren Atemwegserkrankung gestorben.
  • Die WHO geht von sechs Verdachtsfällen aus, ein Hantavirus-Fall ist bereits bestätigt.
  • Ein 69-jähriger Brite liegt in einer Klinik in Johannesburg auf der Intensivstation.

An Bord eines Kreuzfahrtschiffes im Atlantik ist das Hantavirus ausgebrochen. Drei Personen sind bereits gestorben, ein Brite ringt in einem Spital in Südafrika um sein Leben.

Das teilten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das südafrikanische Gesundheitsministerium am Sonntag mit.

Würdest du nach so einem Vorfall noch auf Kreuzfahrt gehen?

Betroffen ist die «MV Hondius», ein auf Polarreisen spezialisiertes Kreuzfahrtschiff unter niederländischer Flagge. Das Schiff hatte Argentinien vor rund drei Wochen verlassen und war via Antarktis, Falklandinseln, Südgeorgien und St. Helena auf dem Weg zu den Kanarischen Inseln. Aktuell liegt es vor Praia, der Hauptstadt von Kap Verde.

Niederländisches Ehepaar und Brite betroffen

Wie die «Daily Mail» schreibt, handelt es sich bei zwei der Todesopfer um ein niederländisches Ehepaar. Das britische Boulevardblatt beruft sich dabei auf Informationen einer Quelle nahe an dem Fall.

Der 70-jährige Mann starb demnach zuerst an Bord, sein Leichnam wurde auf die Insel St. Helena gebracht. Seine 69-jährige Ehefrau erkrankte ebenfalls auf dem Schiff. Sie soll danach nach Südafrika ausgeflogen worden sein, wo sie in einer Klinik in Johannesburg verstarb.

Hantavirus
Das Hantavirus kann von einem grippeähnlichen Verlauf bis zu schweren Atemwegserkrankungen oder hämorrhagischem Fieber reichen. - Screenshot/X

Ein 69-jähriger Brite wurde nach Angaben des südafrikanischen Gesundheitsministeriums ebenfalls nach Johannesburg gebracht. Dort liegt er auf der Intensivstation. Erkrankt war er in der Nähe der entlegenen Atlantikinsel Ascension, nachdem das Schiff St. Helena verlassen hatte.

WHO bestätigt einen Fall von Hantavirus

Die WHO bestätigte am Sonntagabend: «Fälle einer schweren akuten Atemwegserkrankung auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik». Insgesamt würden sechs Verdachtsfälle untersucht, einer davon sei labormedizinisch als Hantavirus bestätigt.

Hantavirus
Die WHO untersucht insgesamt sechs Verdachtsfälle an Bord des Kreuzfahrtschiffes. - Screenshot/X

«Von den sechs betroffenen Personen sind drei verstorben, eine befindet sich derzeit auf der Intensivstation in Südafrika», so ein Sprecher. Untersuchungen und eine koordinierte internationale Reaktion seien im Gange. Auch eine Sequenzierung des Virus laufe – damit wollen die Forscher Übertragungswege und mögliche Mutationen verstehen.

Diskussion über Isolation der Erkrankten

Laut der Quelle der «Daily Mail» wird derzeit diskutiert, ob zwei weitere erkrankte Passagiere in Kap Verde in Spitalisolation müssen. Anschliessend soll die «MV Hondius» die Reise zu den Kanarischen Inseln fortsetzen.

An Bord befanden sich zum Zeitpunkt des Ausbruchs rund 150 Touristen sowie etwa 70 Crew-Mitglieder. Das Schiff wird von der niederländischen Reiseveranstalterin Oceanwide Expeditions betrieben.

Hantavirus Kreuzfahrtschiff
Auf der «MV Hondius» ist im Atlantik ein Hantavirus ausgebrochen – drei Passagiere starben. - Screenshot/X

Das südafrikanische Nationale Institut für übertragbare Krankheiten führt im Raum Johannesburg eine Kontaktverfolgung durch. So soll geklärt werden, ob weitere Personen mit den vom Hantavirus infizierten Passagieren in Kontakt waren.

Passagiere müssen an Bord bleiben und «Abstand halten»

Während die «MV Hondius» auf die Genehmigung zum Ausschiffen wartet, wurden die Passagiere offenbar angewiesen, das Schiff nicht zu verlassen. Das berichtet «Daily Mail».

Die Passagiere wurden mit einem entsprechenden Schreiben informiert. Die Besatzung bittet die Reisenden darin, die «Best Practices» zu befolgen. Das gehöre auch das Tragen einer «Gesichtsmaske».

Zudem solle man «Abstand halten und, wo möglich, den Kontakt zu Mitgästen minimieren». In einer von der Besatzung veröffentlichten Stellungnahme hiess es zudem, dass lokale Gesundheitsbehörden das Schiff aufgesucht hätten.

Die niederländischen Behörden hätten sich bereit erklärt, «die Organisation der Rückführung der beiden symptomatischen Personen» in die Niederlande zu leiten. Unter den verstorbenen Passagieren befindet sich auch ein niederländisches Ehepaar.

Übertragung durch Nagetiere

Hantaviren werden gemäss der US-Gesundheitsbehörde CDC vor allem durch Ratten und Mäuse übertragen. Die Ansteckung erfolgt typischerweise über den Kontakt mit Urin, Kot oder Speichel der Tiere. Erste Symptome sind Müdigkeit, Fieber, Muskelschmerzen und starke Kopfschmerzen.

Hantavirus
Hantaviren werden vor allem durch Ratten und Mäuse übertragen. - Keystone

Die Krankheit kann von einem grippeähnlichen Verlauf bis zu schweren Atemwegserkrankungen oder hämorrhagischem Fieber reichen. Eine spezifische Behandlung gibt es nicht – frühzeitige medizinische Hilfe erhöht jedoch die Überlebenschance.

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Kommentare

User #1212 (nicht angemeldet)

Wer hat die Ratten eingeschleppt? Die Passagiere? Wohl kaum.

User #3518 (nicht angemeldet)

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