Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz: Gute Jobs bald weg? Prognose sorgt für Panik

Simon Binz
Simon Binz

USA,

Produktiv wie nie, Jobs so unsicher wie lange nicht: Ein explosiver Bericht über Künstliche Intelligenz prophezeit einen sozialen Kahlschlag.

Künstliche Intelligenz
Die Maschine arbeitet – der Mensch verliert? Die KI-Debatte erreicht eine neue Eskalationsstufe. - Depositphotos

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine KI-Studie entwirft ein Krisenszenario ab 2026 und schockt Investoren.
  • Aktien reagierten sofort, Tech- und Finanzwerte haben deutlich an Wert verloren.
  • Experten warnen vor einem Strukturbruch statt eines klassischen Jobwandels.

Künstliche Intelligenz gilt als grösster Produktivitätsschub seit Jahrzehnten. Doch ein neuer Zukunftsbericht warnt nun vor der Kehrseite des Booms. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Citrini Research zeichnet das Szenario einer rasch heraufziehenden Jobkrise. Ausgelöst nicht durch eine Rezession, sondern durch zu schnelle technologische Fortschritte.

Die Analyse beschreibt eine Wirtschaft, in der Künstliche Intelligenz schneller produktiv wird als Arbeitskräfte sich anpassen können. Die Folgen wären massiv: Steigende Arbeitslosigkeit, sinkender Konsum und eine strukturelle Schieflage ganzer Branchen.

Macht dir der rasante KI-Fortschritt Sorgen um Ihren Job?

Die Studie mit dem Titel «2028 – Die globale Intelligenz-Krise» ist auf den 30. Juni 2028 datiert und blickt aus einer fiktiven Zukunft auf die Jahre 2026 und 2027 zurück. Sie versteht sich als Warnung vor einem Umbruch, der sich deutlich schneller vollziehen könnte als frühere technologische Revolutionen.

Anleger reagieren mit Panik auf den Bericht

Wie ernst die Wirtschaft diese Warnung nimmt, zeigte sich umgehend an den Finanzmärkten. Die Veröffentlichung des Citrini-Berichts löste an der US-Börse spürbare Nervosität aus, mehrere US-Softwarefirmen verloren deutlich an Wert. Datadog, CrowdStrike und Zscaler gaben jeweils über neun Prozent nach. IBM brach sogar um 13 Prozent ein.

Wall Street Coronavirus
An der Wall Street herrschte wegen der Studie «2028: Die globale Intelligenz-Krise» zu Wochenbeginn gross Nervosität (Archiv). - Keystone

Auch Finanzunternehmen wie American Express, KKR und Blackstone gerieten unter Druck, nachdem sie im Bericht als besonders gefährdet beschrieben wurden. Das Untergangsszenario war am Dienstag deshalb gar die Titelgeschichte beim «Wall Street Journal».

«Künstliche Intelligenz hat die Erwartungen nicht enttäuscht, sondern übertroffen»

Citrini bewirbt seine Analyse bewusst als Warnsignal. In einem vielbeachteten Post auf X heisst es rückblickend aus dem Jahr 2028:

«Der S&P ist um 38 Prozent gegenüber seinen Höchstständen gefallen. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 10,2 Prozent. Die private Kreditvergabe gerät ins Wanken. Erstklassige Hypotheken geraten unter Druck.»

Und weiter: «Was ist passiert?» «Künstliche Intelligenz hat die Erwartungen nicht enttäuscht, sondern übertroffen.» Das beschriebene Kernproblem: Die Künstliche Intelligenz verhilft vielen Firmen zwar zu einem beispiellosen Produktivitätsgewinn. Doch der sorgt nicht für beispiellosen Wohlstand, sondern für Einsparungen und Massenentlassungen.

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Die Studie mit dem Titel «2028: Die globale Intelligenz-Krise» ist datiert auf den 30. Juni 2028 und wirft einen Blick aus der Zukunft zurück auf die Jahre 2026 und 2027. - Screenshot/X

Laut der Analyse geraten Unternehmen in einen selbstverstärkenden Zyklus. Sie ersetzen Angestellte durch günstigere KI-Systeme, senken dadurch Kosten und investieren die Gewinne erneut in Automatisierung. Entlassungen drücken gleichzeitig die Konsumnachfrage, was weitere Rationalisierung auslöst.

Für Büro-Gummis sieht es schlecht aus – stabile Jobs auf dem Bau

Wie bei früheren Technologie-Schüben – wie etwa der industriellen Revolution – wird zwar auch die KI-Revolution neue Jobs schaffen. Doch die Umwälzung geschieht so schnell, dass die wegfallenden Jobs bei weitem nicht ausgeglichen werden können.

«Für jede neue Stelle, die KI geschaffen hat, sind Dutzende alte überflüssig geworden», schreiben die Autoren. Die neu entstehenden Jobs seien zudem schlechter bezahlt und könnten die Verluste nicht ausgleichen.

ki deepseek
Auch die KI-Revolution wird neue Jobs schaffen. Doch die Umwälzung geschieht so schnell, dass die wegfallenden Jobs bei weitem nicht ausgeglichen werden können. - Depositphotos

Besonders betroffen seien ausserdem diesmal nicht klassische Industriearbeitsplätze, sondern qualifizierte Büro- und Dienstleistungsjobs. Die Nachfrage nach sogenannten White-Collar-Tätigkeiten breche ein, während Stellen im Bau, Handwerk oder Gesundheitswesen stabil blieben.

«Geister-BIP» zerstört die oberen 10 Prozent

Die Studie beschreibt zudem das Phänomen «Geister-BIP». Citrini schreibt dazu: «Als erste Risse in der Konsumwirtschaft auftraten, prägten Wirtschaftsexperten diesen Begriff.» Die Erklärung dazu: Unternehmen erwirtschafteten weiterhin hohe Gewinne, die zwar in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auftauchen würden.

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Vor allem die einkommensstärksten zehn Prozent verlieren laut einer Zukunftsstudie durch KI ihre Existenzgrundlage – ausgerechnet jene Gruppe, die einen Grossteil der Konsumausgaben trägt. - Unsplash

Doch diese Wirtschaftsleistung zirkulierte immer weniger über Löhne zurück in die Realwirtschaft. Vor allem die einkommensstärksten zehn Prozent verlieren ihre Existenzgrundlage – ausgerechnet jene Gruppe, die einen Grossteil der Konsumausgaben trägt.

Der Staat greift zu spät ein

Langfristig erwarten die Autoren staatliche Gegenmassnahmen wie eine Umverteilung von KI-Gewinnen – also eine sogenannte «KI-Dividende» für die KI-Verlierer. Doch politische Prozesse seien zu langsam. «Während die Politiker streiten, zerfällt das soziale Gefüge schneller, als der Gesetzgebungsprozess voranschreiten kann.»

Volkswagen ,KI
Übergangsweise könnten Entlassene etwa als Lkw- oder Uber-Fahrer arbeiten – für etwa die Hälfte ihres früheren Gehalts und auch nur so lange, bis auch diese Tätigkeiten automatisiert werden. - Volkswagen

Für viele entlassene Fachkräfte sieht das Szenario einen drastischen sozialen Abstieg vor. Übergangsweise könnten sie etwa als Lkw- oder Uber-Fahrer arbeiten. Für etwa die Hälfte ihres früheren Gehalts und auch nur so lange, bis auch diese Tätigkeiten automatisiert werden.

Kommentare

User #6366 (nicht angemeldet)

Alle outsourcen ausser die Handlanger, damit hat das Management nicht gerechnet. So geldgeil das es sich selber abschafft

User #6366 (nicht angemeldet)

vor allem in länder ohne mehrwert wie die Schweiz, die sich hauptsächlich aufs verwalten konzentriert, wird es eng...

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