Expertin: China profitiert nach Iran-Krieg von Imageverlust der USA
Der Iran und die USA haben ein Rahmenabkommen für ein Kriegsende unterzeichnet. Die USA scheinen nicht gut davonzukommen. Profitiert China davon?

Das Wichtigste in Kürze
- Die USA haben im Krieg mit dem Iran wenig erreicht.
- Das Image der USA als weltpolitische Supermacht leidet darunter.
- Eine Expertin ordnet gegenüber Nau.ch ein, inwiefern China davon profitieren könnte.
Was zuerst auf dem Bürgenstock geplant war, geschah am 17. Juni unerwartet und vor dem geplanten Termin im Schloss Versailles: Donald Trump unterzeichnete das Rahmenabkommen zur Beendigung des Iran-Kriegs.
Auch Irans Präsident Massud Peseschkian unterschrieb das Abkommen, das insgesamt 14 Punkte beinhaltet. Während das Abkommen diverse Punkte noch ungeregelt lässt, scheint sich eines zu bestätigen: Die USA und Israel haben mit ihrem Krieg wenig erreicht.
Aufgrund ungeklärter Punkte, etwa der Regelung der Durchfahrt der Strasse von Hormus, steht der Waffenstillstand nach wie vor unter Druck. Derweil könnte sich China die Hände reiben, wie eine Expertin gegenüber Nau.ch einordnet.
Eva Seiwert konzentriert sich auf Chinas Aussen- und Sicherheitspolitik. Die Senior Analystin des Mercator Institute for China Studies (MERICS) in Berlin sagt: «China kann vom Imageverlust der USA profitieren.» Dies führe jedoch nicht automatisch zu mehr geopolitischem Vertrauen.
Die USA begründeten die Angriffe unter anderem damit, Irans militärische Fähigkeiten zu schwächen. Irans Raketen, Marine und das Atomprogramm sollten dezimiert werden. Insbesondere bezüglich des Atomprogramms bestehen nach wie vor Fragezeichen, worunter das Image der USA als weltpolitische Supermacht leidet.
China stösst vor allem im globalen Süden auf Resonanz
Chinas Einfluss wachse in vielen Teilen der Welt. Das Land stosse in grossen Teilen des Globalen Südens auf Resonanz: «Unter anderem durch wirtschaftliche Verflechtungen und seine Vorstellungen einer reformierten internationalen Ordnung», erklärt Seiwert.
Gleichzeitig bleibe Vertrauen begrenzt: «Gerade im Indo-Pazifik wird China häufig als wirtschaftlich wichtig, aber sicherheitspolitisch zunehmend als herausfordernd oder bedrohlich wahrgenommen.»
Die USA bleiben in «vielen Schlüsselbereichen» führend
Laut der Expertin ist es aber zu früh, um von einer strukturellen Machtverschiebung zwischen den USA und China zu sprechen: «Die USA bleiben militärisch, finanziell und technologisch in vielen Schlüsselbereichen führend.»
Dies könnte sich jedoch nach und nach ändern. «Gleichzeitig wächst Chinas Macht in einzelnen Bereichen stetig und China holt in anderen deutlich auf.» Als Beispiele nennt Seiwert grüne Technologien, kritische Rohstoff-Lieferketten und zunehmend auch Teile der KI-Entwicklung.
Vieles spreche dafür, dass wir nicht nur kurzfristige Wahrnehmungsveränderungen sähen, sondern Elemente eines langfristigen Wandels im internationalen Machtgefüge. China verfolge seit Jahren das Ziel, seine wirtschaftliche, technologische und politische Gestaltungsmacht auszubauen.
China will zu einer «führenden Weltmacht» werden
So will China laut Seiwert «bis zur Mitte des Jahrhunderts wieder zu einer führenden Weltmacht» werden.

In vielen Regionen habe China seine wirtschaftliche Bedeutung und seinen politischen Einfluss deutlich ausgebaut. Dies «etwa durch Handel, Investitionen, Infrastrukturprojekte und technologische Präsenz».
Das bedeutet laut Seiwert jedoch nicht, dass China die USA insgesamt ablösen wird: «Wahrscheinlicher ist eine stärker umkämpfte und fragmentierte Welt.»
China kann an Einfluss gewinnen
Dabei könne China in strategisch wichtigen Bereichen weiter an Einfluss gewinnen, ohne in allen Dimensionen zur dominierenden Macht zu werden.
Ob China langfristig als glaubwürdige alternative Führungsmacht wahrgenommen wird, hängt laut Seiwert nicht nur von wirtschaftlicher Stärke ab. Auch die Frage, ob andere Staaten China politisch vertrauen und seine Führungsrolle akzeptieren, sei ausschlaggebend.
Die Expertin sieht dabei folgende Punkte als entscheidend: Die Attraktivität internationaler Angebote, die Bereitstellung globaler öffentlicher Güter und die Frage, wie verlässlich China seine Partner in Krisen unterstützt.
Laut Seiwert ist offen, «ob China überhaupt eine Führungsrolle nach amerikanischem Vorbild anstrebt».





















