Sainte-Croix, die Wiege der Musikautomaten

    Wunderwerke der Feinmechanik, die sich bewegen und die klingen, kann man in Sainte-Croix bewundern. Die Lust am Tüfteln wurde über Jahrhunderte perfektioniert.

    Spielteile
    Bestandteile einer Schnupftabakdose mit singendem Vogel von Charles Reuge, einem bekannten Uhrmacher und Automatenhersteller aus Sainte Croix. - Regula Zellweger

    Das Wichtigste in Kürze

    • In Sainte-Croix bestimmte die Feinmechanik über Jahrhunderte das Leben der Menschen.
    • Im 18. Jahrhundert wurde hier die Musikdose mit Zungenkamm und Stachelrad erfunden.
    • In den Museen in und um Sainte-Croix werden die musikalischen Schmuckstücke ausgestellt.

    Bei den aktuellen Umweltproblemen schiebt man oft der Technik den Schwarzen Peter zu. Falsch – verursachend ist die verantwortungslose Anwendung von Technik durch Menschen.

    Technik ist nicht per se schlecht. Sie kann auch Freude bereiten. Dies erlebt man im Waadtländer Jura auf der Spur der Musikdosen und Musikautomaten.

    Beginnend mit Glockenspielen im Mittelalter führte die Entwicklung über Spieldosen, Musikautomaten, mechanische Singvögel, Jahrmarktsorgeln und Orchestrien schliesslich in die heutige elektronische Musikindustrie.

    Im Centre International de Mécanique darf (CIMA) kann man diese Entwicklung sehen und hören.

    Urgrossmutter des Grammophons

    Spieldosen funktionieren mittels Stahlzungen, die mit Stahlstiften einer sich drehenden Walze kurz zum Schwingen gebracht werden. Später wurden die Walzen durch Scheiben ersetzt, in die Haken gestanzt wurden.

    Scheiben konnte man leicht auswechseln – die Plattenspieldose war die Urgrossmutter des Grammophons.

    Musikdosenwalzen
    Es brauchte Spezialisten, um Musikstücke umzuschreiben, sodass Vorlagen für das Einsetzen der Stifte in Walzen oder Löcher in Scheiben erstellt werden konnten. - Regula Zellweger

    Bald wurden in die Musikdosen Zusatzinstrumente eingebaut, beispielsweise ein Glockenwerk. Die Glocken wurden von einem separaten Kamm auch über die Walzenstifte gesteuert.

    Mozart für die Spieldose

    Erfolgreich war auch die Kombination mit der Technik der Flötenuhren, mit einer kleinen Orgel. Dazu war ein spezielles Gebläse nötig, Schöpfbälge, das durch dasselbe Federwerk angetrieben wurde, das auch die Stiftwalze drehte.

    Ein Beispiel für einfache Flötenuhren sind die Kuckucksuhren. Namhafte Komponisten haben für Spieldosen und Flötenuhren komponiert: Beethoven, Mozart, Salieri, Bach, Haydn und Händel.

    Vorstufe der Roboter

    Das Museum Baud in L’Auberson zeigt ähnliche Exponate wie das CIMA. Erstaunlich sind Automaten, die in Form von Menschen Bewegungen ausführen – eine Vorstufe von Robotern.

    Clown mit Gitarre
    Automaten in unterschiedlichsten Formen wurden hergestellt: Menschen, Tiere Landschaften. Der Pierrot singt und spielt die Gitarre. - Regula Zellweger

    So schreibt ein Pierrot seiner Geliebten einen Brief oder ein schwarzer Mann lockt Gäste mit Gesten, Lächeln und Augenrollen in ein Restaurant.

    Wert der Zeitzeugen

    Als während der Quarzkrise in den 1970er Jahren schweizweit zwei Drittel der Uhrenarbeitsplätze verloren ging, wurden Werkzeuge und Maschinen verschrottet.

    Der Arzt Jürg Wyss eröffnete 1977 seine Allgemeinpraxis in Sainte-Croix und bekam die Auswirkungen der Krise hautnah mit. Er erkannte den Wert dieser Zeitzeugen und sammelte Dokumente, Maschinen und Werkzeuge von Uhrmachern und Herstellern von Musikautomaten.

    Er mietete Räume, um dort Werkstätten wieder aufzubauen, um sie der Nachwelt zu erhalten. Bei Führungen erlebt man, wie die teils über hundertjährigen Maschinen funktionieren.

    Musikautomat
    Musikautomaten mit Walzen wurden mit anderen Klanginstrumenten ergänzt, bis kleine automatische Orchester erklangen. - Regula Zellweger

    Besucher erhalten Einblick in den Mechanismus der Spieldose und ihre historische Entwicklung. 2009 schenkte Dr. Wyss seine Sammlung dem Sainte-Croix Museum of Arts and Sciences.

    Ein Ausflug in die Welt der Musikautomaten ist sowohl für technisch interessierte Erwachsene als auch für Kinder geeignet.

    ***

    Artikel verfasst von Elisha Nicolas Schuetz, Tourismus Lifestyle Verlag

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