Ex-SRF-Wetterfrosch Felix Blumer: Vom Leutschenbach nach Alaska!
Kolumnist Felix Blumer arbeitete als SRF-Meteorologe. Ende Mai war er auf der «Inside Passage» bis nach Alaska unterwegs. Er schreibt darüber in seiner Kolumne.

Das Wichtigste in Kürze
- Kolumnist Felix Blumer arbeitete von 2005 bis 2025 als Meteorologe bei «SRF Meteo».
- Heute berichtet er über seine Reise von British Columbia (Kanada) bis nach Alaska.
- «In Alaska ist von politischen Debatten wenig zu hören», schreibt Blumer.
Am 22. Mai startete ich zu meinem Nordamerika-Abenteuer von Vancouver nach Anchorage auf der sogenannten «Inside Passage».
Schon die erste Station war ein absolutes Highlight: Die Stadt Vancouver gilt als eine der schönsten Städte auf unserem Planeten. Direkt am Meer gelegen und nach Osten durch die Berge gut geschützt, hat sie ihren eigenen Charme.
Vancouver zählt momentan rund 650'000 Einwohner, die Grossregion gut 2,5 Millionen. Dies ist ziemlich genau die Hälfte des kanadischen Bundesstaates British Columbia, der mit einer Fläche von knapp 1 Million Quadratkilometern etwa 23 Mal so gross ist wie die Schweiz.
Das Wachstum ist aktuell die grösste Herausforderung der Stadt. Hochhäuser schiessen wie Pilze aus dem Boden.

Mit dem Schiff durch die «Inside Passage»
Von Vancouver geht die Fahrt nach Norden durch die zahlreichen Schären und Fjorde. Unser Schiff, die Roald Amundsen, hat zehn Zodiacs (motorisierte Schlauchboote) an Bord. So können wir näher ans Ufer fahren und Tierbeobachtungen machen.
Immer wieder sehen wir Fisch- und Seeotter, aber auch zahlreiche Seehunde und natürlich Seeadler. Zweimal treffen wir aus der Distanz auch Wale.

Die indigene Bevölkerung pflegt ihre Kultur
Entlang der Küste hat es den einen oder anderen kleineren Ort, teilweise auch mit indigenen Einwohnern.
Sie erklären uns ihre Kultur, die komplizierten Familienstämme, und selbstverständlich sind die Totem-Pfähle auch ein Thema.

Mount Saint Elias der Überflieger
Nördlich der Stadt Juneau, der Hauptstadt von Alaska, erreichen wir auf unserer Fahrt die St. Elias Mountains.
Der Anblick ist gewaltig: Wir sehen vom Schiff ein Gebirge und darüber Wolken. Erst beim zweiten Blick entdecken wir viel weiter oben nochmals Bergspitzen. Es wirkt völlig surrealistisch.

Der namensgebende Berg Mount Saint Elias ist 5489 Meter hoch. Das absolut Faszinierende ist der Höhenunterschied von der Meeresoberfläche bis auf die Bergspitze.
Die imposante Höhendifferenz stellt aber noch keinen Weltrekord dar. Noch grösser ist die Höhendifferenz am Mount Rakaposhi in Pakistan mit fast 6000 Metern.

Valdez bekannt wegen Ölkatastrophe
Einer unserer Besuche gilt der Stadt Valdez. Valdez liegt weder in Spanien noch in Kolumbien, sondern im Süden Alaskas. Allerdings war sein Entdecker Spanier: Oliver Fidalog. Er benannte 1790 den Ort nach dem spanischen Marineminister Antonio Valdes y Fernandez Bazan.
Mit seinen knapp 4000 Einwohnern ist Valdez eigentlich nicht der Rede wert. Allerdings machte der Ort 1989 negative Schlagzeilen, als es im Valdez-Fjord zur schlimmsten Ölkatastrophe kam.
Der einwandige Tanker Exxon Valdez lief dort auf Grund und verlor 42'000 Kubikmeter Rohöl. Die Natur war und ist über Jahrzehnte geschädigt.

Rohöl ist heute die grösste Einnahmequelle der Stadt. Hier endet die Trans Alaska Pipeline. Durch sie wird von Nordalaska (Prudhoe Bay) Rohöl nach Süden gepumpt.
Der Vorteil von Valdez: Der Hafen ist auch im Winter eisfrei, keine Selbstverständlichkeit für Alaska.
Gletschergiganten
Je weiter wir nach Norden vorstossen, desto gigantischer werden auch die Gletscher. Dem Harvard-Gletscher statten wir einen längeren Besuch ab. Er ist 40 Kilometer lang und damit fast doppelt so lang wie der Aletschgletscher.
Die Spezialität des Harvard-Gletscher ist, dass er seit 1909 um 1,25 Kilometer vorgestossen ist. Allerdings befindet sich heute der Grossteil der 2,5 Kilometer breiten Gletscherzunge wieder auf dem Rückzug.
Der temporäre Vorstoss des Gletschers hat primär mit der zwischenzeitlichen Zunahme des Niederschlages und der Gletscherdynamik zu tun. Gletscher, die ihre grösste Masse im steilsten Abschnitt haben, stossen aus gravitativen Gründen in der Regel vor.

Abschluss in «the middle of nowhere»
Nach 10 Tagen ging unsere Schifffahrt in Whittier zu Ende. Von dort aus führte uns die Reise per Bus nach Anchorage. Anchorage ist die grösste Stadt von Alaska mit rund 300'000 Einwohnern. Allerdings wirkt die Stadt wie ein grosses Dorf mit einer Handvoll Hochhäusern.
Der internationale Flughafen ist dagegen eine gigantische Frachtdrehscheibe zwischen den USA und Asien. Unmittelbar neben dem Flughafen liegt der Flugplatz für die Wasserflugzeuge, eine wichtige Fortbewegungsmöglichkeit in Alaska. Platz ist in Alaska kein Thema.

Zur Person
Felix Blumer (65) ist promovierter ETH-Abgänger. Schon seit 2005 führt er seine eigene Firma, die Blumer Communication & Consulting GmbH. Heute begleitet er hauptsächlich geführte Reisen von Cotravel als Fachreferent. Seine Hauptreisegebiete sind arktische Destinationen. Nebst Alaska weilt Felix Blumer oft an der norwegischen Küste, in Finnisch Lappland, in Patagonien und in diesem Sommer auch in Grönland, wo er am 12. August die totale Sonnenfinsternis verfolgen wird.












