Stadt Zürich

Landhus: Wie geht es nach Zwischennutzung weiter?

Pia Meier
Pia Meier

Zürich,

Für das Landhus in Seebach gibt es nach der Zwischennutzung noch keine Pläne der Stadt. Politiker wünschen sich einen Quartiertreff mit Gastronomie.

Das Landhus gehört zur Seebacher Quartieridentität.  Bild: Pia Meier
Das Landhus gehört zur Seebacher Quartieridentität. - Pia Meier

Das Landhus in Seebach war bis Anfang 2024 ein Hotel. Dazu kam ein Restaurant mit grossem Saal und ein Sitzungszimmer. Seither wird es zwischengenutzt. Seit Juni 2025 leben bis zu 80 «vulnerable Asylsuchende» – unbegleitete minderjährige Asylsuchende und junge Frauen – im Hotel.

Diese Nutzung soll gemäss Stadt bis 2029 dauern. Der Saal kann seit Oktober 2024 übers Gemeinschaftszentrum Seebach gemietet werden. Ein Gastroangebot gibt es aber nicht.

Im abgetrennten vorderen Teil des Raums konnte das GZ zudem den Jugendtreff eröffnen. Dieses Angebot wird gemäss GZ-Betriebsleitung bis mindestens März 2027 fortgeführt.

Zu dieser Zwischennutzung kam es bereits 2024 zu einem Vorstoss der SVP im Gemeinderat. Die Partei hinterfragte in einer schriftlichen Anfrage insbesondere die Planung, die Kosten, die Standortwahl und die Unterbringungsstrategie des Stadtrats für die Asylunterkunft im Hotel Landhus.

Hotel Landhus
Im ehemaligen Hotel Landhus in Zürich Seebach sind bis zu 80 vulnerable Asylsuchende untergebracht. - GoogleMaps

Das Landhus, argumentierte der Stadtrat in seiner Antwort, könne «seit vielen Jahren nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Die Kostenmiete war mit der bestehenden Hotel-, Restaurant- und insbesondere Saalnutzung nicht mehr zu erwirtschaften.»

Und weiter: «Die Liegenschaft verfügt zudem über einen gewissen Instandsetzungsbedarf. Eine Potenzialstudie soll Aufschluss über die mittel- bis langfristige Nutzung des Objekts und der städtischen Parzellen in der direkten Umgebung geben. Geprüft werden Wohnnutzung, Gewerbe, soziokulturelle Nutzungen und Gastronomie

Eine Hotelnutzung werde aufgrund der zu geringen Anzahl und Grösse der Zimmer nicht mehr in Betracht gezogen. Bis dahin werde die Liegenschaft zwischengenutzt.

«Keine konkreten Pläne»

Aktuell bestätigt Liegenschaften Stadt Zürich auf Anfrage: «Der Mietvertrag mit dem Staatssekretariat für Migration (SEM), beziehungsweise dem Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) für die Nutzung als Bundesasylzentrum, läuft bis Ende 2029. Die anschliessende Nutzung ist offen. Entsprechend gibt es noch keine konkreten Pläne.»

Seebacher Politiker wollen aber trotzdem wissen, wie es weitergeht. Christian Huser (FDP) und Reto Brüesch (SVP) haben im Gemeinderat ein Postulat eingereicht.

Darin weisen sie darauf hin, dass das Landhus über Jahrzehnte hinweg das gesellschaftliche Herz des Quartiers gewesen sei. Sie fordern den Stadtrat auf zu prüfen, wie die städtische Liegenschaft langfristig wieder als öffentlich zugänglicher Quartierbegegnungsort mit Gastronomie und Saalbetrieb genutzt werden kann.

Dabei sollen insbesondere die Bedürfnisse der Quartierbevölkerung, der ortsansässigen Vereine, von kulturellen Organisationen sowie weiteren Anspruchsgruppen angemessen berücksichtigt werden.

«Angesichts der zu erwartenden Dauer der Planungs- und Konzeptarbeiten ist die Stadt gefordert, die notwendigen Grundlagenarbeiten frühzeitig aufzunehmen. Die Quartierbevölkerung, Vereine und Organisationen haben ein berechtigtes Interesse daran, möglichst rasch Klarheit über die zukünftige Ausrichtung und Nutzung des Landhus zu erhalten», betonen die Gemeinderäte.

Die Stadt Zürich.
Die Stadt Zürich. - keystone

Anders sieht es Grünen-Gemeinderätin Julia Hofstetter. «Mich hat am Vorstoss gestört, dass er ausgerechnet da, wo jetzt ein Ort für vulnerable, geflüchtete Menschen entstanden ist, ausschliesslich einen Begegnungsort für die Menschen in Seebach fordert und die geflüchteten Menschen keine Option für die Zukunft sind.»

Christian Huser und Reto Brüesch würden die Lage so darstellen, «als wäre das Landhus heute kein Begegnungsort mehr, wie ihn Seebach will», so Julia Hofstetter. Das sei nicht richtig.

«Man kann den Saal vom Landhus über das GZ reservieren. Man kann sich im Landhus treffen. Auch in Zukunft, vielleicht zusammen mit den Menschen im Asylzentrum.» Das GZ sei übrigens ein weiterer Begegnungsort im Herzen von Seebach.

«So zu tun, als gäbe es gar keine Treffpunkte, nur weil jetzt geflüchtete Menschen im Landhus sind, hinterlässt bei mir einen fahlen Nachgeschmack. Man muss diese für die Zukunft mitdenken. Dass die Postulanten das nicht tun, stimmt mich nachdenklich», sagt Julia Hofstetter.

Dass sie nicht gegen einen Begegnungsort im Herzen von Seebach sei, zeige sich darin, dass sie in einem über zehnjährigen, ehrenamtlichen Engagement mit den Stadtgeissen genau einen solchen Begegnungsort geschaffen habe, an dem sich alle Menschen und Generationen treffen und langjährige Freundschaften entstanden seien.

Szenarien aufzeigen

Das Landhus ist nicht das einzige ehemalige Restaurant, das jetzt als Zwischennutzung betrieben wird. Gemeinderat Reto Brüesch nennt als weiteres Beispiel das Restaurant Mühlehalde in Höngg.

«Für uns aus den Quartieren ist es wichtig, dass es eine langfristige Lösung für die Begegnungsorte gibt und diese nicht einfach umgenutzt werden, sondern wieder dafür da sind, dass sich die Quartierbevölkerung austauschen kann.»

Sollte das Landhus nach der Zwischennutzung als Quartiertreff erhalten bleiben?

Ohne etwas Druck aus der Politik und den Quartieren gehe leider wenig bei der Verwaltung.

«Es ist ja schon mal gut, dass der Stadtrat den Vorstoss Landhus entgegennehmen will. So kann er Liegenschaften Stadt Zürich den Auftrag geben, dies zu prüfen und mögliche Szenarien aufzuzeigen und dabei die Quartiernutzenden abholen. Da hilft es sicher, das Thema aufrechtzuerhalten und die Interessen aus den Quartieren anzumelden.»

Im Kontext

Das heutige Gebäude des ehemaligen Hotel-Restaurants Landhus an der Katzenbachstrasse stammt aus dem Jahr 1951 und wurde damals von Leander und René Mühlebach geführt. Die Liegenschaft gehörte der Immobiliengesellschaft der Schweizerischen Metall- und Uhrenarbeitnehmerverbands (SMUV).

1978 wurde sie modernisiert. Seit 1979 befindet sich das Landhus im Besitz der Stadt. 1996 kam es zu einer neuerlichen grossen Renovation.

Betrieben wurde das Landhus in den 1990er-Jahren bis 2002 vom Zürcher Hotelier Peter Horneck. Sein Grundsatz: «Ein gepflegtes Hotelbett auf für ein mittleres Budget.»

Hornecks Vision war die Schaffung eines «Kulturzentrums für Zürich Nord samt Agglomeration» im grossen Landhus-Saal.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.

Kommentare

User #3177 (nicht angemeldet)

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