«Völlig falsch»: Politik kritisiert SRF wegen Lehrstellen-Kürzung
Bei allem Verständnis für betriebliche Prozesse: SRF habe bei der Berufsbildung auch eine Vorbildfunktion, urteilt die Politik.

Das Wichtigste in Kürze
- SRF stellt keine neuen Schreiner- und Apparatebauer-Lehrlinge mehr an.
- Dies wird von Kritikern und Unterstützern des gebührenfinanzierten Fernsehens bedauert.
- Bei allen betrieblichen Zwängen: SRF habe bei der Berufsbildung auch eine Vorbildfunktion.
SRF bietet in Zukunft keine Ausbildung zum Schreiner und zum Apparatebauer mehr an. Bei der Wartung von Maschinen und Metallkonstruktionen sowie beim Bau von Kulissen wird im Rahmen von «SRF 4.0» gekürzt. Man könne nicht mehr gewährleisten, die vorgeschriebenen Lernziele und Kompetenzen in diesen Berufen umfassend zu vermitteln, sagt SRF zu Nau.ch.
Stirnrunzeln bei Mitte und SVP
Das Umbau- und Sparprojekt läuft seit längerem und ist politisch grösstenteils akzeptiert. Doch wird hier am richtigen Ort der Rotstift angesetzt? Müsste nicht gerade ein gebührenfinanzierter Betrieb auch eine Vorbildfunktion bei der Förderung des dualen Bildungssystems einnehmen?
In der Tat sorgen diese Lehrstellenstreichungen bei SRF sowohl bei SRG-Kritikern wie -Freunden zumindest für Stirnrunzeln.

Nau.ch hat mit Nationalrat Markus Schnyder (SVP/GL) geredet: Er war zwar gegen die Halbierungs-Initiative, doch die Unternehmensabgabe ist ihm ein Dorn im Auge. Und mit dem Bündner Mitte-Nationalrat Martin Candinas, der sich an vorderster Front für den Service public einsetzt: Nicht nur bei der SRG, sondern etwa auch bei Post und ÖV.
Erwartung an SRG: Lehren anbieten
Beide Politiker sind sich grundsätzlich einig: Bei SRF sollten andere Massstäbe gelten. Auch wenn er die organisatorischen Prozesse nicht kenne, habe er wenig Verständnis für diese Sparmassnahme, sagt SVPler Schnyder.
«Es scheint doch etwas kleinlich, bei einem Budget von über einer Milliarde genau dort zu sparen, wo der Hebel sehr gering sein dürfte», findet er. Gleichzeitig liege ein gesellschaftlicher Nutzen durch die Lehrlingsausbildung vor.
Ähnlich tönt es bei Mitte-Candinas: Auch er schränkt ein, es sei nicht Sache der Politik zu beurteilen, in welchen Berufen die SRG Lehren anbieten solle. Und immerhin war er auch persönlich überrascht, dass ein Medienhaus überhaupt Schreinerlehren anbietet.
Aber: Weniger Lehrstellen sollten es trotzdem nicht. «Die SRG muss bei der Ausbildung von jungen Menschen, entsprechend auch beim Anbieten von Lehrstellen, eine Vorbildfunktion einnehmen. Dies ist eine klare Erwartung meinerseits an die SRG», hält Candinas klipp und klar fest.
Am falschen Ort gespart
Dass die SRG beziehungsweise SRF sparen müsse, sei unbestritten, sagt Nationalrat Markus Schnyder. Aber klar sei auch, wo: «SRF sollte primär Angebote streichen, welche im Wettbewerb angeboten werden und/oder keinen erkennbaren Service-Public darstellen.»
Ein zwingendes «Muss» sei es wohl nicht, aber er erwarte, dass sich SRF auch um die Berufsbildung kümmere: «Die Wirtschaft braucht solche Fachkräfte.» Dass nun mit organisatorischen Massnahmen gespart und dadurch Lehrstellen abgebaut werden, findet Schnyder «sehr bedauerlich».
Nicht nur bedauerlich, sondern gar «völlig falsch» findet dies Nationalrat Martin Candinas. Er schränkt aber in einem entscheidenden Punkt ein: «Auch die SRG muss, wie andere Unternehmen, frei entscheiden können, in welchen Bereichen sie die notwendigen und umfassenden Kompetenzen für Lehrstellen hat.» Dass dies nicht zwingend im Bereich Holz der Fall sei, könne er nachvollziehen.















