Näfelser Fahrt: «...dann wären wir heute alle Österreicher!»

Felix Blumer
Felix Blumer

Glarus,

Kolumnist Felix Blumer schreibt für die Glarner Landsgemeinde und die Näfelser Fahrt jeweils das Festwetter. Von der Näfelser Fahrt ist er besonders angetan.

Näfelser Fahrt
Angeführt von der Harmoniemusik Glarus trifft die Prozession im Schneisingen ein. - Felix Blumer

Das Wichtigste in Kürze

  • Ex-SRF-Meteorologe Felix Blumer begleitet die Grossanlässe im Kanton Glarus.
  • In diesem Jahr herrschte Kaiserwetter an der Näfelser Fahrt.
  • Nicht nur der ganze Kanton feierte, auch Bundesrat Albert Rösti war dabei.

Am 9. April 1388 zogen 6000 habsburgische Krieger Richtung Glarnerland. An der Bergflanke des Rautibergs bei Näfels wurden sie von rund 600 Glarnern, Schneegestöber und matschigem Boden gestoppt und in die Flucht geschlagen.

Seither wird am ersten Donnerstag im April der Schlacht bei Näfels gedacht. Es sei denn, der Feiertag würde wie in diesem Jahr auf den Gründonnerstag fallen.

Näfelser Fahrt
Die Regierung fährt im Schneisingen mit zwei Kutschen vor. - Felix Blumer

Oft sorgte Petrus an der sogenannten «Fahrt» mit unbeständigem und manchmal sogar garstigem Wetter für eine historisch korrekte Wetterkulisse. Schon letztes Jahr besann sich Petrus eines Besseren. Es war ziemlich sonnig und mild. In diesem Jahr kam es noch besser.

Schon zu Wochenbeginn war klar, dass der Glarner Feiertag nicht nur sonnig, sondern schon fast sommerlich warm werden würde.

Am Nachmittag zeigte das Thermometer 21 Grad. Da wollte sich praktisch niemand im Kanton die Feier entgehen lassen.

Fakt ist aber auch: Wäre es 1388 so sonnig gewesen, hätte die Schlacht wohl einen anderen Verlauf genommen. Dann wären wir heute alle Österreicher.

Felix Blumer
Ex-SRF-Wetterfrosch und Nau.ch-Kolumnist Felix Blumer. - zvg

Ein Fest für alle

Im Gegensatz zur Schlachtfeier am Morgarten und in Sempach, wo nur wenige Interessierte an den jährlichen Feierlichkeiten teilnehmen, feiert an der «Fahrt» ein ganzer Kanton – sich und die Helden von damals!

Schon um Viertel nach sieben am Morgen geht es beim Zeughaus Glarus los. Begleitet von einer militärischen Ehrenformation und der Harmoniemusik Glarus zogen dieses Jahr mehrere hundert Teilnehmer zu Fuss nach Näfels.

Dort trifft jeweils um 9 Uhr, per Kutsche, auch die Glarner Regierung ein. Im Schneisingen hielt dieses Jahr Landammann Kaspar Becker, die Fahrtsansprache.

Glarner Pfarrer-Ehepaar hält Predigt

Es folgt die Predigt. In geraden Jahren hält ein protestantischer Pfarrer die Predigt, in ungeraden Jahren ein katholischer Pfarrer.

Feierst du gerne historische Ereignisse?

Als Novum wurde in diesem Jahr die Predigt von einem Glarner Pfarrer-Ehepaar gehalten. Aufmerksam verfolgten die Glarner Regierung und die geladenen Ehrengäste, darunter Bundesrat Albert Rösti, die Predigt.

Näfelser Fahrt
Ein Platz in der ersten Reihe am Fahrtsplatz: die Glarner Regierung und rechts Bundesrat Albert Rösti mit Peter Staub. - Felix Blumer

Zum Abschluss folgt das Hochamt

Vom Fahrtsplatz ging die riesige Prozession quer durch Näfels zum Schlachtdenkmal, wo Musik- und Gesangsverein musikalische Darbietungen gaben.

Wie jedes Jahr fand das Ende der Prozession in der katholischen Pfarrkirche St. Hilarius in Näfels mit dem feierlichen Hochamt statt.

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Die Näfelser Fahrt gilt als einer der höchsten Glarner Feiertage. - Felix Blumer

Nebst der kirchlichen Messe ist dort aber auch der Auftritt des Cäcilienchores ein Höhepunkt. Danach wird an verschiedenen Orten das Mittagessen eingenommen. Dazu gehört meist die Glarner Chalberwurst.

Feier der Ökumene und des Gleichgewichtes zwischen Kirche und Staat

Für Aussenstehende sind zwei Punkte sehr beeindruckend. Die Näfelser Fahrt ist sowohl ein klerikales Fest als auch eine sehr weltliche Veranstaltung.

Entsprechend ist die Glarner Regierung immer in coporé vertreten, aber auch die kirchlichen Würdenträger sind mit von der Partie.

Näfelser Fahrt
Das Hochamt in der Pfarrkirche Näfels. - Felix Blumer

Gleichzeitig wird auch streng auf den Ausgleich zwischen den Konfessionen geachtet. Dieses Gleichgewicht ist typisch für den Kanton.

So steht doch primär das Individuum im Mittelpunkt und nicht Gruppierungen.

Entsprechend ist auch die direkte Demokratie nirgends direkter als an der Glarner Landsgemeinde, die wie immer am ersten Mai-Sonntag folgt.

srf
Wer kennt ihn nicht? Ex-SRF-Wetterfrosch Felix Blumer. - SRF

Zur Person

Felix Blumer (65) ist promovierter ETH-Abgänger. Mehr als 20 Jahre war er für SRF als Meteorologe tätig. Schon seit 2005 führt er seine eigene Firma, die Blumer Communication & Consulting GmbH. Diese erstellt seit mehr als einem Jahrzehnt die Prognosen für die Glarner Landsgemeinde und die Näfelser Fahrt.

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