Eine Nacht im «Graffiti-Schloss» Castello di Issogne im Aostatal

    Im Castello di Issogne sind nebst perfekt erhaltenen Fresken mehr als 600 Kritzeleien aus dem Mittelalter in fünf Sprachen zu bestaunen.

    Altes Hotel
    Von aussen eher unscheinbar, überrascht das Castello di Issogne innen die Besucher. - Enrico Romanzi

    Das Wichtigste in Kürze

    • Schon vor hunderten von Jahren verewigten sich die Besucher und Gäste der Burg mit «Tags».
    • Es sind insgesamt mehr als 600 inschriftliche Graffiti zu finden.
    • Sie berichten von Gedanken über Geld, Besitz sowie die Liebe und das Leben.

    Monumental-architektonische Zeitzeugen sind im Aostatal ständige Wegbegleiter. Zu entdecken sind zahlreiche urige Dörfer und Weiler, Dorfkirchen, Burgen und Castelli.

    Ohnehin ist das Aostatal im Norden Italiens ein Tal der Burgen und Schlösser – über 100 mittelalterliche Bauten zählt es. Trutzig und mächtig thronen sie auf jedem Felsvorsprung und wachen über das Tal hinter der Schweizer Grenze.

    Viele sind öffentlich zugänglich, einige befinden sich im Privatbesitz. Manche sind renoviert, andere fallen in sich zusammen.

    Künstlerische Fresken

    Das Castello di Issogne ist eine Burg in der Gemeinde Issogne am rechten Ufer der Dora Baltea. Von aussen wirkt es ziemlich unscheinbar, ohne besondere Verzierungen und mit Ecktürmen, die nur unwesentlich höher sind als der Rest der Gebäude.

    Unspektakulär, könnte man meinen.

    Doch innen überrascht es die Besucher mit wunderschönen mittelalterlichen Fresken, die perfekt erhalten sind. Das Beeindruckende daran: Hier wurde nichts renoviert.

    Wandmalereien
    Die Fresken sind extrem gut erhalten. - Enrico Romanzi

    Die bunten Wandbilder zeigen das Leben in der Schenke, die Bäckerei sowie die Apotheke. Und durchaus mit einer Prise Humor: So zeigt die Lünette der Wachmannschaft Soldaten, die entspannt an einer Tafel sitzen und zusammen mit einigen Prostituierten lieber Karten spielen wollen, als Wache zu schieben.

    Für Erstaunen sorgen derweil auch die historischen Kritzeleien – quasi Graffitis aus dem Mittelalter.

    Historische «Tags»

    Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese «Graffitis» von den Besuchern und Gästen der Burg, der Dienerschaft oder Burgbewohnern selbst hinterlassen.

    Beinahe so wie heute, wenn zumeist Jugendliche ihre «Tags» an Wänden hinterlassen. Die Kritzeleien in der Burg sind ebenfalls Zeugen des täglichen Lebens, das sich um das Herrenhaus in Issogne herum ereignete.

    Wandkritzelei
    Im Mittelalter haben Besucher wie Bewohner ihre «Tags» hinterlassen – sprich: sich verewigt. Graffitis aus dem Mittelalter. - Enrico Romanzi

    So berichten sie von Gedanken über Geld und Besitz, generellen Betrachtungen über das Leben, Liebesgeständnissen oder ironisch-frechen Kommentaren. Sie blieben dank der Tatsache erhalten, dass die Burg nie wirklich tiefgreifende Veränderungen und somit keine Generalsanierung erfahren hat.

    Betrachtungen über das Leben

    Diese Graffiti, mithilfe von Metallspitzen tief in die Wände eingeritzt, findet man in der gesamten Burg, aber vornehmlich in der Vorhalle im Innenhof, in den Gängen und in den Türen und Fensterrahmen.

    Insgesamt sind mehr als 600 inschriftliche Graffiti zu finden, meist in die Fresken eingeritzt.

    Dass diese Kommentare gleich in fünf Sprachen verfasst wurden (Spanisch, Italienisch, Französisch, Lateinisch und Deutsch) ist umso beeindruckender. Graffitis sind also keineswegs eine Erfindung der Neuzeit.

    Für Besucher geöffnet

    Im Mittelalter, als die Erhebung von Wegzöllen eine beliebte Einnahmequelle darstellte, war das Aostatal eine unumgängliche Etappe auf dem Weg über die Alpen in Richtung Norden oder Süden.

    Erstmals wurde das Castello di Issogne bereits 1151 urkundlich erwähnt. Abgesehen von den Fresken und Graffitis ist sie allerdings auch für ihren Granatapfelbrunnen bekannt – eine achteckige Steinwanne, aus der sich Granatapfelbaum erhebt, aus dem Wassersprudel entspringen.

    Nach etlichen Besitzerwechseln ging die Burg 1872 in den Besitz des Malers Vittorio Avondo über, der sie restaurierte und 1907 dem Staat schenkte. Heute gehört das Schloss der Regionalverwaltung und ist täglich von 09.00 bis 19.00 Uhr besuchbar.

    ***

    Artikel verfasst von Elisha Nicolas Schuetz, Tourismus Lifestyle Verlag

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