Weiterbildung: Mit fünf Tipps Prokrastination bekämpfen
Immer wieder verschieben wir Wichtiges auf morgen, obwohl wir es besser wissen. Was steckt dahinter und wie kommt man endlich aus dieser Falle heraus?

Das Wichtigste in Kürze
- Prokrastination betrifft viele Menschen in der Schweiz und kostet Zeit und Nerven.
- Es gibt fünf Strategien, die dabei helfen, das ständige Aufschieben zu durchbrechen.
- Kleine Schritte können bereits viel bewirken.
Kennen Sie das Gefühl, eine wichtige Aufgabe wieder und wieder auf morgen zu verschieben? Prokrastination ist keine Faulheit. Fachleute verstehen darunter das bewusste Aufschieben von Tätigkeiten, obwohl klare Nachteile absehbar sind.
Betroffen sind Lernende, Berufstätige und Menschen mitten in einer Weiterbildung gleichermassen. Der Druck wächst mit jedem Tag, und häufig leidet auch die Psyche darunter.

Wie das Bundesamt für Statistik 2023 veröffentlichte, berichteten 18 Prozent der Bevölkerung von einer mittleren oder hohen psychischen Belastung. In der vorangehenden Erhebung aus dem Jahr 2017 lag dieser Anteil noch bei 15 Prozent.
Gerade in einer leistungsorientierten Arbeitswelt wiegt chronisches Aufschieben deshalb doppelt schwer. Doch es gibt einen Ausweg. Prokrastination ist keine Frage von Charakterschwäche oder Faulheit, sondern ein erlerntes Muster. Wer das versteht, kann auch was dagegen tun.
Tipp eins: Grosse Aufgaben in kleine Schritte zerlegen
Der häufigste Auslöser fürs Aufschieben ist eine Aufgabe, die zu gross und unübersichtlich wirkt. Unser Kopf sträubt sich gegen ganze Berge, nicht gegen einzelne Schritte. Zerlegen Sie ein Vorhaben deshalb in kleine, konkrete Teilaufgaben mit klarem Anfang und Ende.

Aus Steuererklärung erledigen werden dann Belege sortieren, Formular öffnen und die erste Seite ausfüllen. Notieren Sie diese Schritte am besten schriftlich und haken Sie jeden einzelnen sichtbar ab. Jeder erledigte Schritt schenkt ein kleines Erfolgserlebnis und neuen Schwung.
Tipp zwei: Feste Zeitfenster verbindlich einplanen
Wer auf den perfekten Moment wartet, wartet meistens ewig. Deutlich wirksamer sind feste Zeitfenster, die Sie sich reservieren. Viele Menschen arbeiten hochkonzentriert, wenn sie sich rund 25 Minuten am Stück einer einzigen Sache widmen.

Danach folgt eine kurze Pause, dann der nächste Block. Solche Rituale senken die Hürde, überhaupt zu beginnen. Wichtig ist, das Fenster wirklich einzuhalten und Ausreden gar nicht erst zuzulassen.
Tipp drei: Ablenkungen konsequent ausschalten
Das Smartphone ist der grösste Gegner unserer Konzentration. Eine einzige Benachrichtigung genügt, und der rote Faden ist gerissen. Legen Sie das Gerät ausser Sichtweite oder aktivieren Sie den Flugmodus.
Schliessen Sie am Computer alle Fenster, die nichts mit der Aufgabe zu tun haben. Manche Menschen hören zudem ruhige Musik ohne Text, um Störgeräusche auszublenden. Auch ein aufgeräumter Arbeitsplatz hilft dem Gehirn, ruhig und fokussiert zu bleiben. Kleine Veränderungen in der Umgebung wirken oft stärker als eiserner Wille.
Tipp vier: Perfektionismus bewusst loslassen, auch in der Weiterbildung
Viele schieben auf, weil sie ein unperfektes Ergebnis fürchten. Doch ein fertiger Entwurf ist immer wertvoller als die perfekte Idee im Kopf. Erlauben Sie sich ganz bewusst einen ersten, groben Versuch.

Verbessern lässt sich später alles, sobald überhaupt etwas Greifbares vorliegt. Gehen Sie zudem freundlich mit sich um, wenn ein Tag einmal misslingt.
Der ganze Stress bringt nichts, sondern fordert nur noch mehr Stress. Das gilt auch, wenn Sie beispielsweise eine Weiterbildung anstreben. Geben Sie Ihr Bestes, aber versuchen Sie nicht, zu verkrampft in die neuen Tätigkeiten reinzugehen.
Tipp fünf: Verbindlichkeit nach aussen schaffen
Ziele, die wir nur mit uns selbst ausmachen, geraten rasch in Vergessenheit. Verbindlichkeit gegenüber anderen erhöht die Chance, wirklich dranzubleiben. Erzählen Sie einer Kollegin von Ihrem Vorhaben oder verabreden Sie feste Lerntermine.
Ein fixer Termin im Kalender wirkt oft stärker als jeder gute Vorsatz. Wer sich verbindlich zu einer Weiterbildung anmeldet, schafft sich selbst einen klaren Rahmen.

Wie das Bundesamt für Statistik in seinen Bildungsindikatoren 2023 ausweist, nehmen Personen mit einem Tertiärabschluss rund viermal häufiger an einer Weiterbildung teil als Menschen ohne nachobligatorische Ausbildung.
Kleine Schritte mit grosser Wirkung
Prokrastination verschwindet nicht über Nacht, doch sie lässt sich Schritt für Schritt zurückdrängen. Probieren Sie nicht alle fünf Tipps auf einmal aus, sondern starten Sie mit einem einzigen. Ist dieser geschafft, kommt der nächste Tipp.

Schon eine gut geplante Lerneinheit oder eine begonnene Weiterbildung kann der erste Baustein sein. Entscheidend ist, überhaupt loszulegen und sich die kleinen Erfolge auch zu gönnen. Jeder erledigte Punkt ist ein kleiner Sieg über den inneren Schweinehund.
Bleiben Sie geduldig mit sich, denn neue Gewohnheiten brauchen ein wenig Zeit. Der Rest ergibt sich mit der Zeit oft fast von allein.















