Weiterbildung: Impostor-Syndrom und Selbstzweifel bekämpfen
Wer Lob hört und trotzdem an sich zweifelt, ist damit nicht allein. Was hinter dem Impostor-Syndrom steckt und welche Schritte im Alltag wirklich helfen.

Das Wichtigste in Kürze
- Selbstzweifel im Job verändern Verhalten, Entscheidungen und ganze Laufbahnen.
- Belege, offenes Feedback und eine Weiterbildung korrigieren das schiefe Selbstbild.
Es gibt Menschen, die für ihre Arbeit gelobt werden und trotzdem eine leise Gegenstimme im Kopf hören, die den Erfolg kleinredet. Diese Stimme behauptet, das gute Resultat beruhe auf Glück, auf gutem Timing oder auf der Nachlässigkeit der anderen. Fachleute sprechen dann vom Impostor-Syndrom.
Betroffene ordnen gute Resultate den äusseren Umständen zu, während sie Misserfolge konsequent auf die eigene Person zurückführen.
Eine anerkannte Krankheit ist das Phänomen nicht, sondern eher ein Persönlichkeitsmerkmal, das sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Problematisch kann es da werden, wo Entscheidungen schnell wichtig werden, wie beispielsweise im Job.
Selbstzweifel verändern das Verhalten am Arbeitsplatz
Wer sich als «Blender» fühlt, arbeitet häufig länger als nötig und kontrolliert die eigenen Ergebnisse deutlich öfter als die Kolleginnen und Kollegen. Typisch sind zudem Perfektionismus, das Aufschieben unangenehmer Aufgaben.

Der erste Schritt aus dem Kreislauf ist unspektakulär und trotzdem wirksam, denn er verlangt, die eigenen Leistungen schriftlich festzuhalten. Ein einfaches Dokument mit abgeschlossenen Projekten, erhaltenen Rückmeldungen und gelösten Problemen wirkt dem ständigen An-sich-selbst-Kritisieren entgegen.
Wer nämlich nur die Fehler abspeichert, verfügt über ein verzerrtes Bild von sich und urteilt entsprechend hart über die eigene Person. Betroffene erleben es als Entlastung, wenn sie ihre Zweifel im Team einmal offen ansprechen, statt sie zu verbergen.
Häufig zeigt sich dann, dass ähnliche Gedanken auch bei erfahrenen Fachpersonen zum Alltag gehören.
Weiterbildung als Realitätscheck
Eine Weiterbildung wirkt in dieser Lage wie ein nüchterner Realitätscheck, weil sie das Können unabhängig von Stimmungen überprüft.
Prüfungen, Übungsaufgaben und Fallstudien liefern eine Rückmeldung, die weder von Sympathie noch von der Tagesform der Vorgesetzten abhängt. Wer besteht, hält einen Beleg in der Hand, der sich schwerer wegdiskutieren lässt.

Ebenso wichtig ist der Austausch mit den anderen Teilnehmenden, weil er den Blick auf das eigene Können realistisch justiert. Motivierend wirkt daneben die Erfahrung, dass sich Wissen gezielt aufbauen lässt und Kompetenz damit nichts Angeborenes ist.
Lernen im Erwachsenenalter
Der Blick auf die Statistik zeigt, dass Lernen im Erwachsenenalter in der Schweiz fest verankert ist und breit genutzt wird. Wie das Bundesamt für Statistik für das Jahr 2023 ausweist, besuchten 26 Prozent der Erwerbstätigen zwischen 25 und 74 Jahren eine Weiterbildung.
Eine Weiterbildung entfaltet ihren Nutzen allerdings nur dann, wenn die Erwartungen an die eigene Leistung realistisch bleiben.

Wer jede Prüfung mit der Bestnote bestehen will, verlagert den alten Perfektionsanspruch direkt wieder in die Weiterbildung. Sinnvoller ist ein klares Lernziel, das sich innerhalb weniger Monate überprüfen lässt. Wichtig ist, dass der Alltag nicht zu sehr belastet wird.
Wer zudem den ersten Kurs selber auswählt und finanziert, erlebt Kontrolle über die eigene Laufbahn statt blosser Zuteilung von oben.
Wann fachliche Unterstützung benötigt wird
Selbstzweifel gehören zum Berufsleben und verschwinden auch nach einem erfolgreichen Abschluss selten ganz. Bedenklich wird die Lage aber dann, wenn Schlafprobleme, anhaltende Erschöpfung oder Angst vor dem Arbeitsalltag dazukommen.

Dann ist ein Gespräch mit einer Fachperson angesagt, etwa in einer psychologischen Beratungsstelle oder in der Hausarztpraxis.
Der Unterschied zwischen gesundem Zweifel und lähmender Angst liegt letztlich in der Frage, ob eine Person noch handlungsfähig bleibt. Wer diese Grenze für sich kennt, kann die eigene Unsicherheit als Antrieb nutzen, statt sich von ihr bremsen zu lassen.















