Vorsorge Oberland: So können Sie nachhaltig investieren
Wer vorsorgt, entscheidet mit, wohin Kapital fliesst. Doch nicht jede grüne Anlage ist tatsächlich nachhaltig. Darauf kommt es beim nachhaltigen Investieren an.

Das Wichtigste in Kürze
- Zwei Drittel, die in die 3a-Säule einzahlen, wollen ihr Geld nachhaltig anlegen.
- Doch viele Vorsorgeprodukte halten nicht das, was sie versprechen.
- Geduld und eine Strategie zahlen sich aus.
Wer Geld für das Alter zurücklegt, entscheidet damit indirekt über die Richtung ganzer Branchen. Vorsorgekapital fliesst in Aktien, Obligationen und Immobilien und es finanziert damit reale Geschäftsmodelle.
Ob am Ende Kohlekraftwerke oder Solarparks davon profitieren, hängt von der Produktwahl ab. Immer mehr Sparerinnen und Sparer wollen nachhaltig investieren.
Was Nachhaltigkeit im Anlagegeschäft überhaupt bedeutet
Der Begriff ist rechtlich nicht geschützt und Anbieter verwenden ihn für sehr unterschiedliche Ansätze. Am häufigsten kommen Ausschlusskriterien zum Einsatz, bei denen Branchen wie Rüstung, Tabak oder Kohle aus dem Portfolio fallen.

Eine zweite Variante ist die ESG-Integration. Umwelt-, Sozial- und Governance-Daten fliessen hier zusätzlich in die Bewertung eines Unternehmens ein. Davon zu unterscheiden sind Wirkungsanlagen, die frisches Kapital gezielt in Projekte mit messbarem Nutzen lenken.
Nur diese dritte Gruppe verändert die Realwirtschaft unmittelbar, alles andere wirkt indirekt über Signale und Stimmrechte.
Die Säule 3a
Für die meisten Haushalte beginnt das Thema bei der gebundenen Vorsorge. Rund ein Drittel der Steuerpflichtigen zahlt jährlich in die Säule 3a ein, und dort entscheiden die Sparenden selbst über die Strategie. Anders als bei der Pensionskasse gibt niemand eine Anlagepolitik von oben vor.
Wie die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in einer Studie von 2024 zeigt, möchten zwei Drittel dieser Einzahlenden nachhaltig investieren. Das Interesse ist damit breit abgestützt und längst keine Nischenerscheinung mehr.

Dieselbe Untersuchung entstand im Auftrag des Bundesamts für Umwelt und prüfte rund 150 registrierte 3a-Produkte. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus, denn die meisten Angebote werden dem Anspruch auf eine echte Nachhaltigkeitswirkung nicht gerecht.
Reine ESG-Produkte schneiden besonders schwach ab, weil sie primär Risiken für die Anlegenden bewerten. Über die Wirkung eines Unternehmens auf Klima oder Gesellschaft sagen solche Kennzahlen wenig aus. Ein grünes Etikett auf dem Factsheet ersetzt die eigene Prüfung also nicht.
Vorsorge Oberland: Der Finanzmarkt bewegt sich, aber ungleichmässig
Wie das Bundesamt für Umwelt im PACTA Klimatest 2024 festhält, haben über 60 Prozent der getesteten Finanzinstitute das Netto-Null-Ziel strategisch verankert.
Zwei Jahre zuvor war es noch weniger als ein Drittel. Freiwillig teilgenommen haben 146 Banken, Pensionskassen, Versicherungen und Vermögensverwalter.
Worauf Sie bei der Produktwahl achten sollten
Fragen Sie zuerst, welchen Ansatz das Produkt verfolgt. Ein seriöser Anbieter kann klar sagen, ob er bestimmte Firmen ausschliesst, Nachhaltigkeitskriterien einbezieht oder gezielt etwas bewirken will. Schauen Sie danach auf die Kosten, denn hohe Gebühren fressen über die Jahre jeden Renditevorteil weg.

Ein Blick auf die grössten Positionen lohnt sich ebenfalls. Stehen dort dieselben Konzerne wie im gewöhnlichen Weltaktienindex, unterscheidet sich der Fonds kaum vom Standard.
Die Swiss Climate Scores des Bundes liefern zusätzlich eine standardisierte Vergleichsgrundlage für Klimadaten. Sie zeigen zum Beispiel, wie stark ein Portfolio von fossilen Energien abhängt.
Streuung und Geduld sind wichtig
Nachhaltig investieren ersetzt keine solide Anlagelehre, sondern ergänzt sie. Ein enges Themenportfolio aus Wasserstoff oder Solartechnik schwankt stark und kann jahrelang hinter dem Gesamtmarkt zurückbleiben.
Breite Streuung über Regionen, Währungen und Branchen bleibt die Grundlage einer Anlagenstrategie. Ebenso zentral ist der Anlagehorizont, der bei Aktienlösungen mindestens zehn Jahre betragen sollte.

Wer kurz vor der Pensionierung steht, reduziert den Aktienanteil besser schrittweise. Kursverluste im falschen Moment lassen sich sonst nicht mehr aussitzen. Nachhaltige Fonds sind davon genauso betroffen wie klassische Indexlösungen.
Kleine Schritte statt grosser Umbau
Ein Wechsel muss nicht auf einen Schlag erfolgen. Viele Anbieter erlauben Teilübertragungen, und mehrere 3a-Konten nebeneinander sind ohnehin aus steuerlichen Gründen sinnvoll. Auch freies Vermögen lässt sich über mehrere Jahre hinweg schrittweise umschichten.

Wichtig ist die klare Dokumentation der eigenen Präferenzen gegenüber der Bank. Die Selbstregulierung der Branche verlangt, dass diese Präferenzen erhoben und mit dem gewählten Produkt abgeglichen werden.
Und wer sein Depot einmal jährlich überprüft, merkt rechtzeitig, wenn ein Fonds seine Ausrichtung ändert.













