Vegan von englischem Gericht als philosophischer Glaube eingestuft
Ein Gericht in England hat ethisch motivierten Veganismus als philosophischen Glauben eingestuft. Das schützt vegan lebende Menschen vor Diskriminierung.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Gericht hat ethisch motivierten Veganismus als philosophischen Glauben eingestuft.
- Veganismus erhält damit den Status einer Weltanschauung.
- Dies geschah, weil ein Engländer gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber geklagt hat.
- Er behauptet, dass er aufgrund seiner veganen Überzeugung entlassen worden sei.
Jordi Casamitjana hat in Norwich, England, gegen seinen Ex-Arbeitgeber geklagt. Er behauptet, dass dieser ihn aufgrund seiner veganen Lebensweise entlassen hat.
«Ich bin ein ethischer Veganer. Das beinhaltet viel mehr, als keine Lebensmittel mit tierischen Inhaltsstoffen zu essen. Es ist eine Philosophie und eine Weltanschauung, die die meisten Aspekte meines Lebens umfasst», sagte Jordi Casamitjana seiner Anwälte zufolge.

Das Gericht nahm diese Argumentation auf und stufte den Veganismus als philosophischen Glauben ein. Wer vegan lebt ist dadurch durch das britische Gleichstellungsgesetz geschützt. Dieses will Personen vor Diskriminierung aufgrund von Religion oder anderer tief verwurzelter Weltanschauungen bewahren.
Um die Qualifizierung als philosophischen Glauben zu erreichen, muss er sich auf einen «gewichtigen Aspekt des menschlichen Lebens» beziehen. Ausserdem muss die Überzeugung «in einer demokratischen Gesellschaft Respekt verdienen.» Das Gericht entschied, dass das bei ethisch motiviertem Veganismus der Fall sei.
Vegan in allen Lebensbereichen
Entscheidend ist, dass sich die Person nicht nur vegan ernährt, sondern auch in anderen Lebensbereichen auf tierische Produkte verzichtet. Dazu zählen zum Beispiel Bekleidung, Reinigungsmittel und Kosmetik, aber auch die Einstellung gegenüber Unternehmen, die nicht vegan sind. Und genau dies hat Casamitjana zufolge zu seiner Kündigung geführt.
Denn er hatte die Pensionskasse des Arbeitgebers kritisiert. Die Kasse investiere angeblich in Unternehmen, die in Tierversuche involviert sein sollen. Sein ehemaliger Arbeitgeber «League Against Cruel Sports», der sich für Tierschutz im Sport einsetzt, bestreitet das zwar nicht ausdrücklich. Doch die Kritik sei nicht der Kündigungsgrund gewesen.
Vielmehr sei es zu grobem Fehlverhalten gekommen, was schliesslich zur Entlassung geführt habe. Das Urteil zu diesem Sachverhalt steht noch aus.

Casamitjana zeigte sich überaus erfreut über den Grundsatzentscheid des Gerichts. «Besserer Schutz bedeutet, dass mehr Veganer offener sein können hinsichtlich ihrer Überzeugungen.»
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«Nau Vegan»
Im Rahmen dieser Serie schreibt die Expertin Mirjam Walser regelmässig Beiträge zum Thema Veganismus.