Panik und Angst-Attacken: Das löst «Hate Speech» bei den Opfern aus!
Hassmails können bei den Betroffenen viel Negatives auslösen. Das zeigt das Beispiel von DJane Barbara Butch. Eine Kolumne von Verena Brunschweiger.

Das Wichtigste in Kürze
- Dr. Verena E. Brunschweiger schreibt auf Nau.ch regelmässig Kolumnen.
- Heute schreibt Brunschweiger über DJane Barbara Butch und «Hate Speech».
- Butch erhält nach dem Olympia-Auftritt Drohungen. Die Folgen sind Panikattacken.
Wir alle erinnern uns noch gut an die spektakuläre Eröffnung der Olympischen Spiele in Paris 2024. Eine Showeinlage sollte an das «Letzte Abendmahl» von Leonardo da Vinci erinnern. Die Apostel werden dabei allerdings von Drag-Queens und der französischen DJane Barbara Butch (als Aphrodite) verkörpert.

Vergewaltigungs- und Morddrohungen
War dies, wie rechtskonservative und kirchliche Akteure behaupteten, wirklich eine verspottende Darstellung des «Letzten Abendmahls»? Barbara Butch erhielt daraufhin jedenfalls eine Flut an Hass-Mails inklusive Vergewaltigungs- und Morddrohungen.
So weit, so katastrophal. Im Fall von Barbara Butch, die im September 2025 ihre Freundin heiratete, vereinen sich mal wieder mehrere Diskriminierungsformen.
Neben der klassischen Frauenfeindlichkeit bot es sich für manche offenbar an, sie mit Hass zu übergiessen. Da sie lesbisch, jüdisch – und auch noch mehrgewichtig ist.
Nur zwei Männer entschuldigen sich
Das französische Gericht spricht aus meiner Sicht viel zu lasche Strafen aus: Die Täter erhielten Freiheitsstrafen zwischen vier Monaten (auf Bewährung) und zehn Monaten Haft. Ein fünfter Angeklagter wurde freigesprochen.
Die Beschuldigten, unter anderem ein Student und ein Vater, gestehen zwar, die Nachrichten verschickt zu haben, stritten jedoch «Cybermobbing» ab. Was soll es sonst gewesen sein?
Und nur zwei Männer entschuldigen sich bei Butch! Die anderen finden es offenbar immer noch völlig in Ordnung, jemanden so krass zu beleidigen. In Anbetracht solcher Ungeheuerlichkeiten wären härtere Strafen durchaus wünschenswert, da die Täter erwachsen und uneinsichtig waren.

Panikattacken und Platzangst als Folgen
Was derartige Hassmails mit den Betroffenen macht, erzählt Barbara Butch im Zeugenstand. Sie bekam ihre Periode nicht mehr, stattdessen aber Panikattacken, Platzangst und Schuppenflechte. Zudem musste sie Antidepressiva nehmen.
Aber juckt das die Angeklagten? Keinesfalls! Solche Leute feiern das als Teilerfolg und hoffen, dass sich die Frauen dadurch einschüchtern liessen. Und von weiterem Aktivismus absehen werden.
Nur: Bei Barbara Butch geraten sie an die Falsche! Sie verkündet, sich niemals zum Schweigen bringen zu lassen. Genau wie sie sich ihr ganzes Leben schon geweigert hat, in die Opferrolle gedrängt zu werden.
Öffentliche Verunglimpfungen sind strafbar
Nun haben leider nicht alle den Mut und die Kraft einer Barbara Butch. Wie viele wunderbare Stimmen wurden von Hatern dieser Art schon erfolgreich daran gehindert, sich weiterhin zu äussern?
Allein deswegen bedarf es einer «Zero-Tolerance-Policy» für jeglichen «Hate Speech». Und dazu eine vermehrte staatliche Unterstützung von Einrichtungen und Projekten, die in der Schweiz gegen Online-Hass aktiv sind.
Öffentliche Verunglimpfungen der oben genannten Art sind strafbar. Und zwar in Frankreich, Deutschland und auch bei uns in der Schweiz. Aber reicht das Strafmass?
Es gab in den letzten Jahren immens viel Aufklärung. Niemand kann mehr behaupten, er wüsste nicht, was Online-Mobbing mit den Betroffenen machen kann.
Lächerliche Ausreden
Einer der Hater von Butch drückt besonders auf die Tränendrüse. Indem er angibt, sozial nicht besonders integriert zu sein. Alle möglichen Ausreden werden bemüht. Von Alkohol bis zur eigenen Bisexualität, mit der er hadern würde. Für all diese Probleme gibt es Anlaufstellen, wo professionelle Hilfe angeboten wird.
Was sie aber niemals entschuldigen oder rechtfertigen können, sind rechtswidrige Taten, die eine bewundernswerte Aktivistin physisch und psychisch massiv beeinträchtigen. Und sie nebenbei auch noch Zeit, Nerven und Geld kosten.
Zeit, in der sie die Dinge machen könnte, die sie zu dem beeindruckenden Menschen machen, der sie ist.
Butch will die Welt positiv gestalten
Butch ist eine Künstlerin und Aktivistin, die sich nicht nur für andere jüdische, lesbische oder mehrgewichtige Personen einsetzt.
Sondern sie kämpft auch gegen jede Art von Hass. Im Gegensatz zu ihren Hatern will sie diese Welt positiv gestalten.
Zur Autorin
Dr. Verena E. Brunschweiger, Autorin, Aktivistin und Feministin, studierte Deutsch, Englisch und Philosophie/Ethik an der Universität Regensburg. 2019 schlug ihr Manifest «Kinderfrei statt kinderlos» ein und errang internationale Beachtung.
Sie will nicht nur abgehoben glitzernd durchs Leben schillern, sondern versucht, Minderheiten zu stärken. Damit sich endlich niemand mehr dafür schämen muss, wer man ist.
















