Arbeit: Mit Niederlagen umgehen
Ein kleiner Rückschlag bei der Arbeit ist meist schwerer zu verdauen als eine Niederlage im Sport. Ein Arbeitspsychologe erklärt, warum dem so ist.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Arbeit ist für viele Menschen mit dem eigenen Selbstwert verbunden, darum wirken schon kleinere Rückschläge stark.
- Das Vertuschen von Fehlern ist ein möglicher Schutzmechanismus.
- Psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz ist eine wesentliche Voraussetzung, dass Angestellte einen Rückschlag als Lernchance sehen.
Eine Projektidee wird abgelehnt, eine Entscheidung hinterfragt. Eine harmlose Niederlage im Berufsalltag als Chance sehen? Das gelingt nur den wenigsten. «Die Arbeit ist für viele Menschen mit dem eigenen Selbstwert und der eigenen Identität verbunden. Deshalb können bereits kleinere Rückschläge emotional überraschend stark wirken.» Dies sagt Prof. Jan Schmutz vom Psychologischen Institut der Universität Zürich.
Kritisches Feedback als Bedrohung des eigenen Selbstwerts

Der Arbeitspsychologe beobachtet häufig eine Art Alles-oder-Nichts-Denken. Dies bedeutet, dass sich Menschen als erfolgreich oder erfolglos sehen. «Wenn dann eine Idee abgelehnt wird oder kritisches Feedback erfolgt, wird dies schnell als Bedrohung des eigenen Selbstwerts erlebt, auch wenn eine einzelne Niederlage wenig darüber aussagt, ob jemand grundsätzlich kompetent oder erfolgreich ist. »
Tipps im Umgang mit Niederlagen und Fehlern
1. Emotionen zulassen, aber nicht dramatisieren Enttäuschung oder Frust sind normal. Wichtig ist, daraus nicht sofort grundsätzliche Aussagen über die eigene Person abzuleiten.
2. Fehler nicht mit der eigenen Identität verwechseln Ein Fehler bedeutet nicht, dass man unfähig ist. Menschen lernen besser, wenn sie Verhalten reflektieren, statt ihren Selbstwert infrage zu stellen.
3. Offen kommunizieren statt vertuschen Transparenz schafft langfristig mehr Vertrauen und Lernmöglichkeiten als Schweigen oder Verteidigung.
4. Psychologische Sicherheit im Team fördern Teams sollten Räume schaffen, in denen auch Unsicherheiten und Fehler offen angesprochen werden können.
5. Kleine Erfolge bewusst wahrnehmen Die Forschung zeigt, dass tägliche kleine Erfolgserlebnisse Motivation und Resilienz stärken.
Das Vertuschen von Fehlern – ein Schutzmechanismus
Viele Menschen sind selbst ihre strengsten Kritiker. Zudem nimmt der Leistungsdruck am Arbeitsplatz tendenziell zu. So verstärkt sich die negative Dynamik, die ein Rückschlag im Job hervorrufen kann. Erhöhter Stress und emotionale Erschöpfung sind die Folgen. Ein möglicher Schutzmechanismus von Angestellten: Das Vertuschen von Fehlern.
Eine offene Kommunikation hilft beiden Seiten
Prof. Jan Schmutz rät zu voller Transparenz im Umgang mit Fehlern. «Menschen reagieren oft positiver auf Fehler, wenn jemand reflektiert und lernbereit damit umgeht, statt defensiv oder ausweichend zu reagieren.» In Teams und Organisationen entstehen grössere Schwierigkeiten meist, wenn Fehler zu spät angesprochen werden und nicht wegen eines ursprünglichen Fehlers.
So werden Niederlagen nicht zum persönlichen Drama
Ob Niederlagen oder Fehler als persönliches Drama empfunden werden, hängt darum meist vom Teamklima ab. Traue ich mich Fragen zu stellen, Vorschläge einzubringen oder Fehler zuzugeben? Psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz ist eine wesentliche Voraussetzung, dass Angestellte einen Rückschlag als gemeinsame Lernchance sehen und nicht als persönliches Versagen.
Feedback einholen hilft bei der Weiterentwicklung
Der Arbeitspsychologe empfiehlt, aktiv Feedback einzuholen und den Blick auf Dinge zu richten, die man selbst beeinflussen kann. «Die Forschung zeigt, dass Menschen, die aktiv nach konkretem Feedback suchen, häufig besser lernen und sich langfristig erfolgreicher weiterentwickeln.» Aus einem Misserfolg wird dann nicht nur eine Enttäuschung, sondern auch eine wichtige Informationsquelle für die eigene Entwicklung.











