Arbeit: So nehmen Sie Feedback richtig an und setzen dieses um
Eine kritische Bemerkung genügt und sofort schiesst die Abwehr hoch. Hier entscheidet sich, wer Feedback bei der Arbeit verträgt und wer sich triggern lässt.

Das Wichtigste in Kürze
- Wer Feedback erhält, muss erst ganz genau hinhören, bevor eine voreilige Antwort kommt.
- Nicht jedes Feedback ist auch gerechtfertigt.
- Fragen Sie aktiv nach Feedback, wenn Sie keins erhalten.
Rückmeldungen gehören zur Arbeit, doch viele Menschen reagieren auf Feedback mit Anspannung. Eine kritische Bemerkung der vorgesetzten Person löst rasch Abwehr aus. Dabei ist Feedback wichtig. Wer es annehmen und umsetzen kann, lernt schneller und gewinnt an Sicherheit im Beruf.
In der Schweiz erhalten Beschäftigte seltener strukturierte Rückmeldungen, als viele vermuten. Das zeigt das Schweizer HR-Barometer 2024. Hinter dieser Studie stehen die ETH Zürich, die Universität Luzern und die Universität Zürich.
Demnach bekommt nur 44 Prozent der Beschäftigten eine regelmässige Beurteilung der eigenen Arbeit. Mehr als die Hälfte bleibt somit ohne klare Rückmeldung. Umso wichtiger ist es, jedes Gespräch bewusst zu nutzen. Und wenn kein Feedback erfolgt, auch selbst nachzuhaken.
Zuerst zuhören, nicht rechtfertigen
Die erste Reaktion auf Kritik ist oft eine Erklärung. Genau das sollten Sie vermeiden. Hören Sie bis zum Ende zu, bevor Sie antworten, und unterbrechen Sie nicht. Bitten Sie um ein konkretes Beispiel.

Ein Satz wie «Können Sie mir eine Situation nennen?» macht abstrakte Aussagen greifbar. Wer das Gehörte wiederholt, zeigt Interesse. So entsteht ein Dialog statt einer Verteidigung.
Emotionen zulassen, aber nicht steuern lassen
Kritik kann verletzen, das ist normal. Trotzdem lohnt sich eine kurze Pause, bevor Sie reagieren. Wer im ersten Ärger antwortet, sagt häufig Dinge, die er später bereut.

Ein einfacher Satz wie «Danke, ich überlege mir das» schafft Zeit. Diese Zeit hilft, die Botschaft ruhig und sachlich einzuordnen. Manchmal lohnt es sich, ein Gespräch zu verschieben, wenn der Moment ungünstig ist.
Zwischen Person und Sache trennen
Gutes Feedback sagt etwas über ein bestimmtes Verhalten oder ein konkretes Ergebnis aus. Es sagt aber nichts über Ihren Wert als Mensch.
Deshalb hilft es, eine Rückmeldung nicht sofort persönlich zu nehmen. Wenn jemand einen Bericht kritisiert, bedeutet das nicht, dass Ihre ganze Arbeit schlecht war. Es geht nur um einen Punkt, den Sie verbessern können.
Nicht jede Rückmeldung trifft zu
Annehmen heisst nicht, alles ungeprüft zu übernehmen. Wägen Sie ab, ob eine Kritik berechtigt ist und zu Ihren Zielen passt. Holen Sie bei Unsicherheit eine zweite Meinung ein, etwa bei einer Person Ihres Vertrauens.

Widersprechen Sie ruhig und sachlich, wenn Sie eine Rückmeldung für unzutreffend halten. Entscheidend ist, dass Sie jede Aussage zunächst ernsthaft prüfen.
Aus Worten konkrete Schritte machen
Feedback nützt erst dann, wenn daraus Handlung wird. Wählen Sie nach einem Gespräch ein oder zwei Punkte aus, die Sie zuerst angehen. Zu viele Vorsätze auf einmal führen meist dazu, dass keiner gelingt. Es bringt nichts, die ganze andere Arbeit liegen zu lassen.
Notieren Sie die Punkte schriftlich und machen Sie sich am besten einen Plan. Kehren Sie nach einigen Wochen zur vorgesetzten Person zurück und fragen Sie nach dem Fortschritt. Dieses Nachfassen zeigt, dass Sie die Rückmeldung ernst genommen haben. Es zeigt, Sie haben Interesse, sich zu verbessern.
Auch Lob bewusst annehmen
Nicht jede Rückmeldung ist Kritik. Viele Menschen wehren Lob jedoch ab oder spielen es herunter. Dabei steckt auch in Anerkennung wertvolle Informationen.

Fragen Sie nach, was genau gut funktioniert hat, und wiederholen Sie es bewusst. So bauen Sie auf Stärken auf, statt nur Schwächen zu beheben. Ein ehrliches «Danke» genügt zudem völlig, um Lob anzunehmen.
Arbeit: Feedback selbst einholen
Warten Sie nicht auf das jährliche Gespräch. Bitten Sie Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzte regelmässig um eine kurze Einschätzung. Wer Feedback selbst sucht, behält die Kontrolle über die eigene Entwicklung. Und er signalisiert, dass ihm gute Arbeit wichtig ist.
Feedback ist kein Urteil, sondern ein Werkzeug. Richtig genutzt macht es die tägliche Arbeit leichter und das Ergebnis besser.













