Arbeit: Bringen Teamevents Spass oder extra Arbeit?
Kanutour, Raclette oder doch lieber der Kinobesuch? Schweizer Firmen stecken viel Geld in Teamevents. Was diese wirklich bringen, entscheidet sich anderswo.

Das Wichtigste in Kürze
- Teamevents wirken nur, wenn im Alltag bereits tragfähige Beziehungen bestehen.
- Freiwilligkeit und bezahlte Zeit entscheiden, ob ein Anlass entlastet oder belastet.
- Teamevents können das bestehende Team noch mehr stärken.
Grillabend, Kanutour, Escape Room: Kaum ein Betrieb kommt heute ohne Teamanlass durch das Jahr. Die einen freuen sich darauf, andere tragen den Termin widerwillig in den Kalender ein. Die wichtigste Frage, die sich meist stellt: Nützen solche Anlässe dem Team wirklich etwas?
Warum Betriebe überhaupt investieren
Die Begründung klingt fast überall gleich. Man wolle den Zusammenhalt stärken, Abteilungsgrenzen aufweichen und die Stimmung heben. Wer sich kennt, fragt eher nach, wenn etwas unklar bleibt. Und wer nachfragt, produziert weniger Fehler.
Die Datenlage stützt diesen Gedanken zumindest im Kern. Die Universität Luzern, die Universität Zürich und die ETH Zürich liefern dazu Zahlen.

Wie das Schweizer HR-Barometer 2024 zeigt, ist die soziale Eingebundenheit 60 Prozent der Befragten wichtig. Damit liegt dieses Motiv noch vor der finanziellen Absicherung, die 54 Prozent nennen.
Menschen kommen also nicht nur wegen des Lohns ins Büro. Sie kommen auch wegen den Kolleginnen und Kollegen.
Beziehungen zählen, Anlässe nicht automatisch
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Beziehung und Event. Dieselbe Untersuchung weist gute Austauschbeziehungen zu Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten als zentralen Faktor aus. Sie senken Entfremdung und Langeweile und lassen Beschäftigte in ihrer Tätigkeit aufgehen.

Ein Anlass kann Beziehungen anstossen, ersetzen kann er sie nicht. Wer sich am Montag im Grossraumbüro ignoriert, wird durch ein Raclette im Dezember nicht zum Team. Der Nutzen entsteht erst, wenn im Alltag etwas nachfolgt.
Wenn der Termin zur Belastung wird
Doch so ein «Pflichttermin» kann auch schnell zur schlechten Laune werden. Der Anlass liegt am Freitagabend, die Teilnahme gilt als selbstverständlich. Für Eltern, Pendlerinnen oder Teilzeitangestellte ist das keine Auszeit. Es ist eine zusätzliche Schicht.

Dazu kommt der Aufwand für die Organisation, der meist an ein oder zwei Personen hängen bleibt. Wer ohnehin ausgelastet ist, empfindet diese Zusatzaufgabe kaum als Geschenk. Aus dem gut gemeinten Anlass wird dann tatsächlich extra Arbeit.
Ein Team an dieser Grenze braucht keinen Teamgeist auf Kommando. Es braucht Entlastung, klare Prioritäten und genügend Personal.
Arbeit: Keine Pflicht bringt mehr Spass
Anlässe während der bezahlten Zeit werden deutlich besser aufgenommen als solche am Wochenende. Wer nicht mitmachen möchte, sollte absagen können, ohne sich zu erklären. Sobald Anwesenheit informell zur Loyalitätsprobe wird, entsteht Druck statt Nähe.
Auch die Form spielt eine Rolle. Nicht alle mögen Wettkampf, Alkohol oder körperliche Herausforderungen. Ein gemeinsames Mittagessen erreicht oft mehr als der Sprung von einer Seilbrücke.
Drei Punkte tauchen in der Praxis immer wieder auf: Erstens ein klarer Zweck, der offen benannt und nicht hinter Spassrhetorik versteckt wird.
Zweitens ein Rahmen, der niemanden ausschliesst – weder körperlich noch finanziell. Drittens eine Verbindung zum Alltag, etwa ein Thema, das anschliessend weiterverfolgt wird. Wer lediglich ein Budget verteilt und auf Stimmung hofft, verschenkt Geld.
Kein Wundermittel, aber teambindend
Teamevents sind weder Wundermittel noch reine Zeitverschwendung. Sie wirken dort, wo die Zusammenarbeit ohnehin einigermassen funktioniert. Wo es klemmt, verstärken sie den vorhandenen Frust eher, als ihn zu lösen.

Der Wert entscheidet sich deshalb nicht am Anlass selbst. Er entscheidet sich in den Wochen davor und danach im ganz normalen Umgang miteinander. Wer diesen Umgang verbessert, kann sich den Escape Room beinahe sparen. Wer ihn vernachlässigt, repariert ihn auch mit dem teuersten Programm nicht.
Ein gemeinsamer Abend darf trotzdem einfach Freude machen. Nur sollte niemand mehr davon erwarten, als ein einziger Abend leisten kann.













