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Arbeit: Melanie ist wütend – saubere Fassade, dreckige Toiletten?

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Olten,

Melanie, Ingenieurin, arbeitet mit Menschen, die höchst präzise sind. Sie fragt sich, weshalb diese Ansprüche nicht für die Bürotoilette gelten.

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Bürotoiletten sind ein Tabuthema. - zVg

Das Wichtigste in Kürze

  • Bürotoiletten sind ein Tabuthema: geärgert wird sich, gesprochen wird nicht darüber.
  • Wie ein Raum hinterlassen wird, zeigt, wie ernst gegenseitiger Respekt genommen wird.
  • Unternehmenskultur zeigt sich nicht im Leitbild, sondern dort, wo niemand zuschaut.

Auf der Bürotoilette scheint plötzlich alles erlaubt zu sein: Leere Seifenspender, Papier auf dem Boden, Wasserspritzer auf dem Lavabo. Die Toilettenbürste? Offenbar für viele ein Dekorationsobjekt und über den Geruch spricht ohnehin niemand, obwohl ihn alle wahrnehmen.

Melanie kennt das Ritual inzwischen auswendig. Erst vorsichtig die Tür öffnen, kurz innehalten und hoffen, dass es diesmal besser aussieht als gestern. Meistens wird sie enttäuscht. Das Ärgerliche daran ist nicht einmal die Toilette selbst. Es ist die Gedankenlosigkeit dahinter.

Sind saubere Toiletten für dich auch ein Zeichen der Unternehmenskultur?

Widersprüchliches Verhalten

Wie kann es sein, dass Menschen stundenlang über Qualitätssicherung diskutieren, jede Excel-Tabelle bis auf die dritte Nachkommastelle kontrollieren und jedes Detail eines Projekts hinterfragen, aber nicht in der Lage sind, eine Toilette so zu verlassen, wie sie sie selbst gerne vorfinden würden?

Natürlich könnte man sagen: «Ist doch nur eine Toilette.» Genau das ist sie eben nicht.

Sie ist einer der wenigen Orte im Büro, den praktisch alle benutzen. Und genau dort zeigt sich, wie ernst gegenseitiger Respekt tatsächlich genommen wird. Unternehmenskultur hängt nicht nur an Leitbildern, Workshops oder Team-Events. Sie zeigt sich oft dort, wo niemand zuschaut.

Die Toilette am Arbeitsplatz – ein Tabuthema

Melanie fällt auf, dass kaum jemand das Thema anspricht. Stattdessen werden Blicke ausgetauscht, die Stirn gerunzelt oder leise Witze gemacht. Manche wechseln demonstrativ die Etage. Andere halten durch, bis sie zu Hause sind. Und alle tun so, als wäre das völlig normal. Das ist es aber nicht.

Denn solche Kleinigkeiten summieren sich, jeden Tag ein kleiner Moment des Ärgers, jeden Tag der Gedanke: «Muss das wirklich sein?» Es kostet Zeit, Nerven und hinterlässt das Gefühl, dass Rücksicht für manche offenbar nur bis zur Toilettentür gilt.

Dabei wäre die Lösung erstaunlich einfach. Jeder hinterlässt den Raum so, wie er ihn selbst antreffen möchte, keine grossen Investitionen, keine Projektgruppe, kein Strategiepapier. Einfach ein Minimum an Anstand.

Wofür die Toiletten eigentlich stehen

Melanie ist überzeugt: Dreckige Toiletten sind selten das eigentliche Problem. Sie sind vielmehr ein Symptom für Gleichgültigkeit, für fehlende Eigenverantwortung. Und manchmal auch für eine Unternehmenskultur, die auf Hochglanz präsentiert wird, im Alltag aber erstaunlich schnell an Glanz verliert.

Vielleicht lohnt es sich deshalb, beim nächsten Gang zur Bürotoilette nicht nur auf den Boden zu schauen, sondern auch auf das eigene Verhalten. Denn Respekt beginnt nicht erst im Sitzungszimmer, manchmal beginnt er mit einer Toilettenbürste.

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