Jedes Jahr gehen etwa 150´000 Blitze in der Schweiz nieder. Doch was bedeutet es eigentlich, wenn jemand vom Blitz getroffen wird und wie lässt sich helfen?
Blitzschlag
Blitzschlag. - depositphotos

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Blitzschlag muss längst nicht immer tödlich verlaufen.
  • Viel häufiger sind langfristige Schäden durch Nervenverletzungen.
  • Erste Hilfe kann das Leben retten.

Statistiken zufolge werden jährlich etwa fünf bis sechs Menschen in der Schweiz tödlich vom Blitz getroffen. Besonders gross ist die Gefahr in den Bergen.

Dort gibt es weniger Schutzmöglichkeiten, während zugleich häufiger Gewitter auftreten. Wanderer, die morgens bei Sonnenschein losziehen, werden mittags kalt erwischt.

200´000 Ampere Strom im Körper

Ein einzelner Blitz erzeugt 200´000 Ampere Strom und erreicht dabei eine Hitze von 30´000 Grad Celsius. Dass Menschen diese Naturgewalt überhaupt überleben, liegt an der extrem kurzen Dauer des Einschlags von nur 0.02 Sekunden.

Allerdings kann der Blitz in dieser Zeit zu starken Verbrennungen führen.

Besonders gefährdet sind Menschen, die Metall am Körper tragen – von Ohrringen bis zum Hausschlüssel. Diese brennen sich dann regelrecht in die Haut ein.

Blitze
Blitze sind zwar meist nur kurz, können aber einen grossen Schaden anrichten. - depositphotos

Eine besondere Gefahr geht von unwillkürlichen Muskelkontraktionen durch den Stromschlag aus. Betroffene werden meterweit weg katapultiert oder stürzen in den Bergen sogar in den Abgrund.

Dies führt wiederum zu schweren Verletzungen oder sogar zum Tod.

Direkte Blitze sind meist tödlich

Kaum ein Mensch überlebt einen direkten Blitz, der durch den eigenen Körper fährt. Grösser sind die Überlebenschancen, wenn der Blitz nur aussen am Körper entlang fährt. Dies geschieht zum Beispiel beim Überschlagseffekt.

Suchen Sie Schutz unter einem Baum, und der Blitz schlägt in den Baum ein, wird der Strom an Sie weitergegeben. Gut zu wissen: Diese Weitergabe kann über bis zu 30 Meter erfolgen, also auch, wenn der Blitz in einen weiter entfernten Baum einschlägt.

Beim Kontakteffekt gelangt der Strom über einen Gegenstand zum Körper, zum Beispiel über einen Regenschirm oder Golfschläger.

Der Schritteffekt ist der Grund, warum Sie bei einem Gewitter nicht gehen oder laufen sollten. Bei gespreizten Beinen tritt der Strom über ein Bein in den Körper ein und über das andere wieder aus

Auch Elektro- und Telefonleitungen können den Blitz übertragen, zum Beispiel wenn Sie telefonieren oder gerade mit einem elektrischen Gerät arbeiten.

Herzmassage ist die wichtigste Erste Hilfe

Neben schweren Verbrennungen können Blitze noch viele weitere Verletzungen verursachen. Besonders häufig kommt es zu Herzrhythmusstörungen oder Herzstillstand.

Wurde in Ihrer Nähe jemand vom Blitz getroffen, kontrollieren Sie als erstes den Puls und die Atmung.

Herzmassage
Die Herzmassage kann bei einem Blitzeinschlag Leben retten. - depositphotos

Bei Bedarf geben Sie abwechselnd eine Herzdruckmassage (30x hintereinander) und beatmen Sie den Betroffenen (2x). Atmet die Person normal und hat einen regelmässigen Puls, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage.

Offensichtliche Verbrennungen decken Sie nach Möglichkeit ab. Achtung: Das ist keine medizinische Anleitung, sondern nur eine Empfehlung. Machen Sie idealerweise einen Erste-Hilfe-Kurs.

Langzeitschäden im Nervensystem

Weniger offensichtlich sind die Langzeitschäden, die der Blitzeinschlag verursachen kann. In vielen Fällen werden Nervenbahnen und Muskeln gestört.

Dies kann sich noch Monate später durch Lähmungserscheinungen, Seh- und Riechstörungen bemerkbar machen.

Manchen Menschen geht die Empfindlichkeit für Temperaturen verloren. Sie zucken bei zu heissem Wasser nicht mehr automatisch zurück und verbrühen sich immer wieder.

Blitzeinschlag
Nach einem Blitzeinschlag im Körper, können auch noch nach Jahren die Nervenbahnen beschädigt sein. - depositphotos

Nicht zuletzt kann es zu Persönlichkeitsveränderungen kommen. Selbst wenn das Opfer den Blitzeinschlag nicht bewusst erlebt hat, wird es fortan oft bei einem Knall oder anderen lauten Geräusch zusammenschrecken.

Einige leiden so sehr unter Konzentrationsstörungen, dass die Leistungsfähigkeit dauerhaft eingeschränkt ist.

Eichen sollst du weichen…

...Buchen sollst du suchen. Das rät der Volksmund, der in diesem Fall jedoch unrecht hat. Bäume sind beim Gewitter grundsätzlich kein guter Aufenthaltsort, da sich der Blitz stets den höchsten Punkt in der Umgebung sucht.

Viel besser ist es, sofort ins Haus zu gehen oder sich ins Auto zu setzen. Das Auto ist ein sogenannter Faradayscher Käfig, der eventuelle Stromschläge aussen in die Erde ableitet. Wichtig ist dabei, die Fenster geschlossen zu halten.

Eiche
Eine Eiche kann kräftig aussehen, aber auch schnell zur todlichen Falle werden beim Blitzeinschlag. - depositphotos

Haben Sie eine Schutzhütte gefunden, setzen Sie sich in die Mitte und machen Sie sich klein. Lehnen Sie sich niemals an die Wände, da diese am ehesten vom Blitz getroffen werden und der Strom auf Sie überspringt.

Werden Sie im offenen Gelände vom Gewitter überrascht, machen Sie sich möglichst klein. So bieten Sie die geringste Angriffsfläche. Legen Sie metallische Gegenstände ab, die schwere Verletzungen auslösen können. Halten Sie die Beine geschlossen, um die Gefahr des Schritteffekts zu minimieren.

Niemals ohne Warn-App in die Berge

Dank der modernen Wettervorhersage muss niemand mehr in den Bergen vom Gewitter überrascht werden. Prüfen Sie morgens den Wetterbericht und verzichten Sie ganz auf Wanderungen, wenn Gewitter angesagt sind.

Laden Sie eine Wetter-Warn-App aufs Smartphone, die Sie rechtzeitig vor lokal entstehenden Gewittern warnt.

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