Seit Wochen sticht Uri schweizweit als Hotspot des Coronavirus heraus. Trotzdem zeigt sich der Gesundheitschef gelassen. Und sieht keinen Handlungsbedarf.
Uri Coronavirus
Der Urner Gesundheitsdirektor Christian Arnold sieht die Lage im Kanton als stabil an. - Keystone, ur.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Uri verzeichnet seit mehreren Wochen die höchsten Fallzahlen pro 100'000 Einwohner.
  • Die Lage im einzigen Urner Spital ist volatil.
  • Der Urner Gesundheitsdirektor Christian Arnold spricht dennoch von einer Stabilisierung.

Über Monate war es im vergangenen Sommer und Herbst die Romandie. Die Westschweizer Kantone verzeichneten Woche für Woche die höchsten Fallzahlen mit dem Coronavirus. Nun ist es der Kanton Uri, der über Wochen als Schweizer Corona-Hotspot gilt.

Zum dritten Mal in Folge sticht Uri diese Woche als jener Kanton mit den meisten Neuinfektionen pro 100'000 Einwohner heraus.

Die 7-Tage-Inzidenz ist mit 578 über dreimal so hoch wie der Schweizer Durchschnitt.

Coronavirus Kantonszahlen
Die 7-Tage-Inzidenz in den einzelnen Kantonen (Stand: 27. April 2021). - BAG/Nau.ch

Natürlich gilt es zu beachten, dass ein Fallzahlenanstieg in Kantonen mit vergleichsweise wenigen Einwohnern schneller ins Gewicht fällt. Uri zählt rund 36'400 Einwohner.

Trotzdem lässt das Beispiel aufhorchen. So verschärfte die Urner Regierung am 12. April die Massnahmen. Einerseits wurden die Massentests auf das Coronavirus an Schulen ausgeweitet, andererseits das Contact-Tracing intensiviert.

Von strikteren Personenlimiten oder Schliessungen sahen die Urner aber ab. Muss der Kanton bald noch härter durchgreifen? Nicht, wenn es nach Gesundheitsdirektor Christian Arnold geht.

Jüngere Patienten mit Coronavirus in Urner Spitälern

Wie der SVP-Regierungsrat zu Nau.ch sagt, hätten sich die Fallzahlen «seit der letzten Woche stabilisiert». Die Lage im Kantonsspital habe sich etwas entspannt, bleibe aber «immer noch sehr volatil».

Auch das Kantonsspital in Altdorf zeigt sich auf Anfrage hin beruhigt. Aktuell müssten keine Patienten in ausserkantonale Spitäler verlegt werden. «Ganz allgemein ist die Situation weniger angespannt als während der zweiten Welle», so Spitaldirektor Fortunat von Planta. Er stütze die Massnahmen des Kantons.

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Der Urner Gesundheitsdirektor und Regierungsrat Christian Arnold an einer Medienkonferenz zum Coronavirus. - Keystone

Das Durchschnittsalter der Patienten mit Coronavirus sei jedoch tiefer als noch zum Jahreswechsel. Ein Trend, den das Bundesamt für Gesundheit BAG schweizweit beobachtet.

Woher also die Ruhe? Arnold betont, die beschlossenen Massnahmen würden Wirkung zeigen. Insbesondere die Ausweitung der Testungen bei Schulen und in Betrieben.

Urner jubeln über ihr Contact-Tracing

«Unter den positiven Fällen sehen wir täglich eine Zunahme der asymptomatischen Personen durch die seriellen Tests.» Daher wurde die Massnahme bis Ende Mai verlängert. Weitere Massnahmen stünden zurzeit nicht zur Diskussion.

Die Zahlen sprechen für sich: Waren es Anfang März jeweils unter 100 Tests am Tag, fliessen nun täglich mehrere Hundert Abstriche in die Statistik.

Coronavirus Uri
Seit Mitte März führen die Urner deutlich mehr Tests auf das Coronavirus durch. Hellblau markiert die gemeldeten Tests, die dunkelblaue Kurve zeigt den 7-Tage-Schnitt. - BAG

Doch nicht nur die seriellen Tests wertet der Gesundheitsdirektor als Erfolg. Auch das intensivierte Contact-Tracing: Neu müssen infizierte Personen ihre engen Kontakte der letzten 72 Stunden angeben. Zuvor galten die letzten 48 Stunden als Wert.

«Wir stellen fest, dass wir bei den positiven Fällen aus der Quarantäne bei einer Erfolgsquote von 40 bis 60 Prozent liegen.»

Nichtsdestotrotz mache sich auch bei den Urnern die Corona-Müdigkeit breit. Umso mehr freut sich Arnold auf das baldige Impfen der breiten Bevölkerung. In den nächsten zwei Wochen sollen auch Urner ab 16 Jahren ihren Pieks erhalten.

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