Formel 1 – Piastri hadert mit neuem Reglement: «Ist echt scheisse»
In Spa-Francorchamps waren die Probleme mit dem neuen Reglement der Formel 1 so spürbar wie lange nicht mehr. Bei den Fahrern herrscht der Frust.

Das Wichtigste in Kürze
- In Spa-Francorchamps waren die Schwächen der neuen Formel 1 deutlich spürbar.
- Der belgische Traditionskurs plagte die Fahrer in Sachen Energie-Management.
- Oscar Piastri hadert: Der Computer entscheidet, den Fahrern sind die Hände gebunden.
Das neue Reglement der Formel 1 ist auch nach einem halben Jahr noch immer ein strittiges Thema. Bei den jüngsten Grands Prix in Silverstone und Spa-Francorchamps – zwei Kult-Strecken im Kalender – war das deutlich sichtbar: In den Highspeed-Abschnitten ging den diesjährigen Formel-1-Rennern spürbar die Leistung aus.
Grund dafür ist nach wie vor der höchst umstrittene neue Antriebsstrang: 50 Prozent der Leistung kommt aus dem Elektroantrieb, die Batterien können aber nicht genug Energie speichern. In langen Hochgeschwindigkeits-Passagen entleeren sich die Akkus – und die Autos büssen Tempo ein.
Und Spa-Francorchamps hat noch eine andere Schwäche der neuen Formel 1 entblösst: Die neuen Antriebs-Einheiten verfügen über selbst-lernende Management-Systeme. Seit dieser Saison sollen diese Systeme das Energie-Management aktiv steuern und anpassen. Der Fahrer hat also keine Kontrolle darüber, wann ihm wie viel Leistung zur Verfügung steht.

Das Problem dabei: Diese Systeme sind enorm sensibel, selbst minimale Variationen können grosse Auswirkungen haben. In Belgien wurde Oscar Piastri zum Opfer dieser Schwäche: Im Qualifying verlor der Australier im Vergleich zu Teamkollege Lando Norris trotz identischer Software-Einstellungen dramatisch an Leistung.
Oscar Piastri: «Es ist echt scheisse»
Entsprechend frustriert äusserte sich der McLaren-Pilot gegenüber «Motorsport.com» über die zunehmende Abhängigkeit der Fahrer von Computer-Systemen. «Es ist echt scheisse», fand der Australier in Spa-Francorchamps deutliche Worte. «Ich kann es leider wirklich nicht anders ausdrücken.»

«Ich bin auch sicher nicht der Einzige damit», so Piastri weiter. Auch Mercedes-Pilot George Russell hadere mit dem System, meint der Australier. «Ich weiss, dass George dieses Wochenende – und vielleicht auch zuletzt – grosse Probleme damit hatte. Und wenn ich mit einigen anderen spreche, dann ist es eine ähnliche Geschichte bei ihnen.»
Formel 1 wird zur Computer-Lotterie
Für die Fahrer sei es eine Lotterie, wie viel Leistung ihnen der Computer jeweils zur Verfügung stelle. «Die Startaufstellung wird davon bestimmt, ob sich ein Computer brav verhält oder danebenbenimmt», schimpft Piastri. «Und das ist eine ziemlich beschissene Art, Rennen zu fahren.»

In Spa-Francorchamps sei das Problem aufgrund der Streckencharakteristik «stark übertrieben» aufgetreten, gibt der Australier zu. «Aber wenn man nach dem Qualifying zurückkommt, schaut man sich alle Kurven an. Dann denkt man sich: Ich bin auf Augenhöhe mit dem Teamkollegen und verliere trotzdem zwei Zehntel – das ist kein schönes Gefühl.»
















