Schweizer Nati

    Kospo, Rakitic & Co: Sie alle gaben der Schweizer Nati einen Korb

    Andrea Schüpbach
    Andrea Schüpbach

    Suhr,

    Eman Kospo entscheidet sich gegen die Schweizer Nati. Der Neo-Bosnier reiht sich damit in eine lange Liste ein.

    Schweizer nati eman kospo
    Eman Kospo läuft ab sofort für Bosnien statt für die Schweiz auf. - Instagram @emankospo / keystone / Nau.ch

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der Nationenwechsel von Eman Kospo sorgt für Wirbel.
    • Kein Einzelfall: Petric, Rakitic, Di Matteo oder Bajrami – hier kommt die lange Liste.

    Sie sind alle Schweizer – und entschieden sich für einen fussballerischen Nationenwechsel. Die Liste ist lang. Der neuste Fall heisst Eman Kospo.

    Eman Kospo spielt ab sofort für Bosnien

    Eman Kospo durchläuft sämtliche Nachwuchs-Stufen der Schweizer U-Nationalteams (30 Einsätze), entscheidet sich nun aber gegen die Schweizer Nati.

    eman kospo
    Eman Kospo gibt seinen Nationen-Wechsel bekannt. Statt für die Schweizer Nati will er für Bosnien spielen. - Instagram

    Beim SFV gibt man sich überrascht. Der 18-jährige Verteidiger sagt hingegen, dass er bereits vor einem Jahr meldete, dass sich Bosnien um ihn bemühe. Von Nati-Chef Pierluigi Tami habe er «nie etwas gehört».

    Auch diese Schweizer spiel(t)en für Bosnien

    Haris Tabakovic (25 Einsätze für Schweizer U-Nationalteams): Kein Schweizer Spieler erzielt im Kalenderjahr 2023 mehr Tore als Tabakovic. Für die Nati reicht es ihm nie – Bosnien nutzt die Gunst der Stunde.

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    Haris Tabakovic schaffte es nie in den Kader der Schweizer Nati und wechselte zu Bosnien. - keystone

    Izet Hajrovic (1 Einsatz für die Schweizer Nati): Im Februar 2013 debütiert Hajrovic für die Schweizer A-Nati in einem Freundschaftsspiel gegen Tunesien.

    Unter anderem bei Bosniens Stürmer-Star Edin Dzeko kommt dies überhaupt nicht gut an. Das Tuch scheint zerschnitten. Im Juni 2013 gibt es aber neue Gespräche mit Bosnien. Und ab September läuft er für das Heimatland seiner Eltern auf.

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    Der Nationen-Kampf um Izet Hajrovic bewegte die Schweiz und Bosnien. - keystone

    Schmerzhaft: Petric und Rakitic entscheiden sich für Kroatien

    Mladen Petric (2 Einsätze für Schweizer U-Nationalteams): Das tat richtig weh. Mit 21 Jahren entscheidet sich Mladen Petric gegen die Schweizer Nati. Er läuft fortan für Kroatien auf, erzielt dort in 44 Einsätzen zwölf Tore.

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    Ivan Rakitic (l.) und Mladen Petric entschieden sich gegen die Schweiz. - keystone

    Ivan Rakitic (42 Einsätze für Schweizer U-Nationalteams): Noch bitterer aus Schweizer Sicht ist der Entscheid von Rakitic ein paar Jahre später. Er schliesst sich Petric an.

    Rakitic ist gar im aargauischen Möhlin geboren, durchläuft danach sämtliche Nachwuchs-Stufen der Schweizer Nati. Mit den Kroaten schafft er es 2018 in den WM-Final.

    Roberto Di Matteo interessiert sich nur für Italien

    Roberto Di Matteo kommt 1970 in Schaffhausen zur Welt, seine Eltern sind aus Pescara eingewandert. Die Schweizer Nati interessiert ihn nie. Schon als 17-Jähriger sagte er zu einem Lokal-Reporter: «Die Squadra Azzurra ist mein Ziel.»

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    Roberto Di Matteo wollte lieber für Italien als für die Schweiz spielen. Das gelingt ihm. - keystone

    Gesagt, getan: 1994 debütiert er für Italien, kommt insgesamt auf 34 Länderspiele. Auf Club-Ebene gewinnt er mit Chelsea zweimal den FA-Cup und einmal den Uefa-Cup.

    Später macht er sich auch als Trainer einen Namen, gewinnt 2012 mit den «Blues» die Champions League.

    Kerim Frei wählt die Türkei – und scheitert

    Kerim Frei hat die Wahl zwischen der Schweiz und der Türkei. 2012 entscheidet er sich nach 28 Einsätzen für Schweizer U-Nationalmannschaften, fortan für die Türkei aufzulaufen.

    Kurz zuvor versicherte er dem damaligen U21-Trainer der Schweiz, Pierluigi Tami, er wolle für die Schweiz spielen.

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    Kerim Frei sorgte in der Premier League für Furore – heute spielt er in der Türkei. - keystone

    In den Ferien entscheidet er sich um. In der Schweiz wird der Abgang erst als Hiobsbotschaft aufgenommen. Heute weiss man: Freis Karriere danach verläuft enttäuschend. Nur fünf Mal läuft er für die Türkei auf.

    Diese Schweizer hätten Nati-Chance gehabt – und gingen

    Nedim Bajrami (51 Einsätze für Schweizer U-Nationalteams): Bajrami erzielt 2024 für Albanien gegen Italien das schnellste EM-Tor der Geschichte.

    Es hätte anders kommen können. Der ehemalige GC-Profi durchlief sämtliche Schweizer Nachwuchs-Stufen. 2021 entscheidet er sich dennoch – kurz vor Beginn der U21-EM – für sein Mutterland Albanien.

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    Nedim Bajrami erzielt das schnellste Tor der EM-Geschichte für Albanien. - SRF

    Florent Hadergjonaj (1 Einsatz für die A-Nati): Hadergjonaj kommt im Emmental zur Welt und läuft sogar einmal für die Schweizer A-Nati auf. Weil es aber nur ein Testspiel ist, darf der Berner noch wechseln: 2019 teilt er der Nati mit, dass er sich für den Kosovo entschieden hat.

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    Florent Hadergjonaj läuft für den Kosovo auf. - keystone

    Schweiz hätte Deutschlands Neuville bekommen – aber man meldete sich nicht

    Nicht immer sind die Spieler schuld: Deutschland-Legende Oliver Neuville ist im Tessin geboren. Er hätte gerne für die Schweiz gespielt. Weil sich aber nach ersten Gesprächen mit dem Verband niemand mehr meldet, läuft er für Deutschland auf.

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    Oliver Neuville jubelt nach seinem 1:0-Tor an der WM 2006 in Deutschland gegen Polen. - keystone

    Legendär: Die Teilnahme am WM-Final 2002. Und sein Tor an der «Sommermärchen»-WM in der Gruppenphase gegen Polen. In insgesamt 69 Länderspielen erzielt er zehn Tore.

    Auch Ex-YB-Spieler Guerino Gottardo hätte gerne für die Schweiz gespielt. Doch der Italiener wurde nie eingebürgert.

    Welchen Spieler hättest du besonders gerne im Nati-Trikot gesehen?

    Albert Bunjaku ist ein Spezialfall

    Albert Bunjaku spielte sowohl für die Schweiz (sechs Einsätze) als auch für den Kosovo (3). Möglich wurde der Nationenwechsel, als der Kosovo im Mai 2016 als 55. Mitgliedstaat von der Uefa aufgenommen wurde.

    Viele Schweizer in der Kosovo-Nati

    Zuletzt entschied sich Lugano-Hüter Amir Saipi (18 Einsätze für Schweizer U-Nationalteams) für einen Nationenwechsel. Die Schweiz ist auf der Goalie-Position zu gut besetzt. Beim Kosovo sieht er bessere Chancen.

    Ähnlich wie ihm ergeht es auch anderen aktuellen und ehemaligen Spielern, die sich gegen die Schweiz entschieden:

    - Joël Mall – Zypern (5 Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    - Bledian Krasniqi – Kosovo (38 Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    - Toni Domgjoni – Kosovo (25 Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    - Benjamin Kololli – Kosovo (keine Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    - Betim Fazliji – Kosovo (zwei Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    - Mirlind Kryeziu – Kosovo (23 Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    - Amir Abrashi – Albanien (43 Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    - Taulant Xhaka – Albanien (44 Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    - Frédéric Veseli – Albanien (57 Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    - Shkelzen Gashi – Albanien (46 Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    - Berat Djimsiti – Albanien (20 Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    - Milos Veljkovic – Serbien (1 Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    - Aleksandar Prijovic – Serbien (4 Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    - Joël Kiassumbua – DR Kongo (14 Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    - Saidy Janko – Gambia (20 Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    - Charyl Chappuis – Thailand (50 Einsätze im Schweizer Nachwuchs)

    Kommentare

    User #3021 (nicht angemeldet)

    Bei solchen Nationen wechseln geht es oft auch um Aufgebote für A Nationalteams. Bei der Schweiz geht es oft um perspektivische Perspektiven für irgendwann und Aufgebote für U A Nationalteams. Das mag gut und recht sein und grundsätzlich nicht falsch, vielleicht reicht das (irgendwann) nicht mehr. Im Frühjahr war ein Bild von Leon Avdullahu mit dem Verbandspräsident des Kosovo in der Zeitung. Ein Bild mit einen Schweizer Vertreter habe ich nicht bemerkt.

    User #3875 (nicht angemeldet)

    Ich glaube nach der Ära Shaqiri/Behrami/Xhaka/Embolo/Akanji etc. werden sich viele wieder der Schweizer Nationalmannschaft zuwenden.

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