Der FC Basel ist nach dem 0:3 bei YB das neue Liga-Schlusslicht. Die Berner treffen nach der Nati-Pause auf Leader FC Zürich. Willkommen beim Fussball-Talk.
Fussball-Talk
Jean-Pierre Nsame (links) bezwingt mit YB den FC Basel mit 3:0. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der FCZ gewinnt mit 3:2 gegen Winterthur und bleibt ungeschlagener Leader.
  • Nach der Nati-Pause wartet der Spitzenkampf in Bern.
  • YB schiesst den FC Basel am Sonntag mit 3:0 ans Tabellenende.
Ad

Nau.ch: Ihr wart am Sonntag beim 3:0-Sieg von YB gegen den FC Basel im Stadion. Wie habt ihr das Spiel gesehen?

Mischi Wettstein: Rein spielerisch war der FCB aus meiner Sicht nicht drei Tore schlechter als YB. Aber wenn man vorne so harmlos ist und hinten so einfache Tore kassiert, muss man sich nicht wundern, wenn man trotz mehr Spielanteilen mit leeren Händen heimfährt.

Christoph Böhlen: Der FCB hatte vor allem in der ersten Halbzeit viel Ballbesitz, wusste damit aber kaum etwas anzufangen. Ich verstehe auch nicht, warum die Bebbi mit drei Innenverteidigern und Veiga davor aufgelaufen sind? In der Spielauslösung standen sich Fabian Frei und der Portugiese auf den Füssen rum, spielerisch passierte da nicht viel. Und in der Offensive fehlten die zündenden Ideen komplett. Einen so verunsicherten FC Basel habe ich noch nie gesehen!

FC Basel Fussball-Talk
Tabellenschlusslicht FC Basel ist ein Thema im Fussball-Talk. - keystone

Mischi Wettstein: Logisch! Wann, wenn nicht nach einem 0:3 gegen Ouchy, soll man sonst verunsichert sein?

Nau.ch: Der FCB verbringt die Nati-Pause jetzt also als Tabellenschlusslicht. Erwartet ihr in den nächsten zwei Wochen weitere personelle Konsequenzen?

Mischi Wettstein: Ich erwarte gar nichts. Vielleicht muss man die Erwartungen in der aktuellen Situation in Basel einfach mal grundsätzlich runterschrauben. Jetzt muss man Heiko Vogel in Ruhe arbeiten lassen. Man hat gestern gesehen, dass da einige Spieler auf dem Platz stehen, die kicken können. Sie müssen aber jetzt noch als Team zusammenfinden.

Man darf aber auch nicht erwarten, dass man in zehn Tagen Servette einfach aus dem Joggeli fegt. Die Genfer sind besser als ihre Platzierung und sie brauchen Punkte. Das wird nicht einfach.

FC Basel
Auch Heiko Vogel hat den FC Basel noch nicht in die Spur geführt. - keystone

Christoph Böhlen: Da muss ich Dir widersprechen. Natürlich sind die Erwartungen in Basel hoch – und das zurecht! Gegen YB standen acht Neuzugänge in der Startelf, für die man rund 15 Millionen hingeblättert hat.

Mit Dubasin wurde ein weiterer Millionen-Transfer eingewechselt. Gauto (knapp vier Millionen) schmorte auf der Bank, Barry (rund drei Millionen) war nicht mal im Aufgebot. Der FCB hat unglaublich viel Geld in die Hand genommen – das schürt logischerweise Erwartungen.

Mischi Wettstein: Ich glaube, dass Heiko Vogel den FC Basel in die Spur führen muss und auch wird! Die meisten Spieler glauben an ihn und mögen ihn. Das ist der Unterschied zu Timo Schultz: Den mochten einige Spieler auch. Aber sie haben gemerkt, dass er offenbar nicht alle nötigen «Tools» in seinem Rucksack mitführt, die beim FCB nötig wären – dann reicht es eben nicht.

Weil Timo Schultz der Wunschtrainer von Sportchef Vogel war, darf er seinen Fehlgriff jetzt auch ausbaden und selbst als Trainer korrigieren. Die nötigen Tools dazu hat Heiko definitiv!

Christoph Böhlen: Auch da halte ich dagegen. Mag sein, dass die Spieler an Heiko glauben und dass der Einzug in den Conference-League-Halbfinal dieses Vertrauen gestärkt hat. Aber in der Super League war das schon in der Rückrunde schwere Kost. Mit 1,56 hatte Vogel einen schwachen Punkteschnitt – und das trotz Diouf, Amdouni oder Ndoye. Wenn Du mich fragst, muss der FCB einen neuen Trainer suchen. Und zwar so schnell wie möglich.

Mischi Wettstein
Mischi Wettstein ist Fussball-Chefreporter bei Nau.ch. - Nau.ch

Nau.ch: Wie schätzt ihr die Leistung des Meisters ein? So richtig gefordert wurde YB gestern ja nicht?

Mischi Wettstein: Bei einem 3:0 ist es schwierig, Kritik anzusetzen. Aber sich nach dem Spiel gegen einen so harmlosen FCB auf die Schultern zu klopfen, wäre falsch. Im Berner Spiel gab es vor allem im Mittelfeld noch viel Luft nach oben. Ich freue mich auf den Samstag nach der Nati-Pause. Dann wird YB gefordert, wenn mein FCZ im Wankdorf spielt. Die Leistung von gestern wird gegen den noch ungeschlagenen Leader nicht reichen.

Christoph Böhlen: Wie heisst es? «Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss»! YB hat gestern nur ab und zu in den zweiten Gang schalten müssen und das hat trotzdem gereicht. Aber natürlich hast Du recht: Das wird gegen den FCZ nicht reichen. Ich bin aber überzeugt, dass YB in zwei Wochen ein anderes Gesicht zeigt. Vor allem die vielen Ballverluste, die man sich gestern erlaubt hat, würden gegen den Leader wohl bestraft werden!

YB
Cedric Itten trifft erneut gegen seinen Jugendclub FCB. - keystone

Nau.ch: A propos FCZ: Die Zürcher sind auch nach zehn Spielen unbesiegt und thronen weiter auf Platz 1.

Mischi Wettstein: Das Wort «Märchen» wird man von mir nicht hören. Ich glaube ja auch nicht an den Osterhasen. Aber jedes Spiel ohne Niederlage sorgt beim FCZ natürlich für eine breite Brust – und so wird das Team auch nach Bern reisen.

Christoph Böhlen: Was ich mich frage: Warum wehrt sich Trainer Bo Henriksen dermassen gegen ein neues Arbeitspapier. Offenbar will er auch in der Nati-Pause nicht mit Neo-Sportchef Milos Malenovic über eine Verlängerung reden. Kannst Du Dir das erklären, Mischi?

Mischi Wettstein: Der momentane Erfolg des FCZ überdeckt halt auch das Ende der letzten Saison. Da war längst nicht alles Gold, was glänzte! Ich würde kein Geld auf eine Vertragsverlängerung von Bo Henriksen setzen. Aus meiner Sicht ist die Zukunft komplett offen, trotz des aktuellen Tabellenstands. Klar ist: Bo macht mit den aktuellen Resultaten auch Werbung in eigener Sache, nicht nur punkto Vertragsverlängerung beim FCZ.

FC Zürich
Bo Henriksen führt die Tabelle mit dem FC Zürich weiter ungeschlagen an. - keystone

Nau.ch: Was ist euch sonst noch aufgefallen?

Mischi Wettstein: Ich habe den GC-Sieg schon in unserem Tippspiel vorausgesagt. Aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Der nächste Prüfstein kommt bestimmt, zum Beispiel das Spiel gegen Lugano nach der Nati-Pause. Sollte man das auch gewinnen, sehe ich eine klare Aufwärtstendenz.

Und: Der FC Aarau ärgert mich! Welche Seuche steckt beim FCA drin? Die Niederlage gegen Bellinzona war bereits die fünfte Saisonpleite – und das nach zwei Siegen in Folge. Und hat mich merkwürdigerweise nicht mal überrascht. Wohlgemerkt: Für die Tessiner war es erst der zweite Saisonsieg überhaupt…

Alex Frei hat viel zu tun und ich bin gespannt, ob er dem Club diese Seuche austreiben kann. Die Mannschaft lässt das Sieger-Gen vermissen, das Trainer Alex Frei als Spieler Woche für Woche auf den Platz brachte. Aber Trainer Frei kann auch nur mit den Zutaten kochen, die ihm zur Verfügung stehen. Da müsste man mal über die Bücher.

Christoph Böhlen: Eigentlich müssten wir uns heute ja auch über die Schweizer Nati unterhalten. Aber die Angriffe auf Israel und das damit verschobene Qualispiel überschatten das Thema derzeit. Stand jetzt geht es für das Team von Murat Yakin am Sonntag in St.Gallen gegen Belarus weiter.

Christoph Böhlen
Christoph Böhlen ist Sportchef bei Nau.ch. - Nau.ch
Ad
Ad

Mehr zum Thema:

Schweizer NatiSuper LeagueMurat YakinFabian FreiFC ZürichAlex FreiServetteFC AarauTrainerStadionLigaGCBSC Young BoysFussball-TalkFC Basel