Die Regenbogen-Binde von DFB-Kapitän Manuel Neuer ist ein gesellschaftlich viel beachteter Aspekt der laufenden Fussball-EM. Der Torwart erklärt, wie sich der Umgang der Nationalmannschaft mit relevanten Themen verändert hat.
Torhüter Manuel Neuer trägt bei der EM eine regenbogenfarbene Kapitänsbinde. Foto: Christian Charisius/dpa
Torhüter Manuel Neuer trägt bei der EM eine regenbogenfarbene Kapitänsbinde. Foto: Christian Charisius/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Kapitän Manuel Neuer sieht bei der Nationalmannschaft einen veränderten Umgang mit gesellschaftlich relevanten Themen und freut sich über die positiven Reaktionen auf seine Regenbogen-Binde.

«Es war in der Vergangenheit oft so, dass wir uns politisch nicht so positioniert haben und stattdessen den Richtlinien, wie es immer gewesen ist, gefolgt sind. Jetzt hat - auch dank der sozialen Medien - jeder Einzelne mehr Einfluss, etwas zu bewegen», sagte Neuer in einem Interview des «Kicker».

«Wir möchten der Nationalmannschaft ein Gesicht geben und den Menschen zeigen, dass es ausserhalb des Fussballs wichtige Dinge gibt, auf die wir hinweisen und hinter denen wir stehen», sagte Neuer. «Wir sind für viele Kinder und Jugendliche Vorbilder, und ich denke, dass wir da gerade ein positives Bild abgeben.»

«Dafür sehr dankbar»

Seine Regenbogen-Binde will der Torwart bei dieser Fussball-EM weiter tragen und er freut sich über die Resonanz. «Ich finde es gut. Daran sieht man, wo wir stehen in unserer Gesellschaft, und dass wir 2021 in Mitteleuropa so weit sind, dass wir als offene, tolerante Gesellschaft eine solche Aktion als sehr positiv empfinden», sagte der 35-Jährige. «Eigentlich habe ich von unserer Bevölkerung nichts Anderes erwartet, und wir als Mannschaft können nur sagen, dass wir dafür sehr dankbar sind.»

Neuer kündigte an, auch im Achtelfinale (18.00 Uhr/ARD und MagentaTV) gegen England am Dienstag im Londoner Wembley-Stadion mit der Regenbogen-Binde auflaufen zu wollen. Der Keeper des FC Bayern München war dafür zuletzt gelobt worden. «Eigentlich hatte er nicht viel dabei zu gewinnen, ausser den Sympathien der Community. Er hatte auch einiges zu verlieren», schrieb Aktivist und Autor Johannes Kram («Queerkram») in seinem «Nollendorfblog». Neuer habe gezeigt, «was mit Haltung alles möglich ist».

Neuer zeigte sich zudem angetan vom Kniefall der englischen Nationalspieler, mit dem diese gegen Rassismus demonstrieren. «Grundsätzlich finden wir das sehr gut von der englischen Nationalmannschaft und von den Teams, die das in der Premier League auch machen. Wir kennen das in dieser Form aus der Bundesliga und aus unseren Länderspielen bisher so noch nicht», sagte er. «Wir sprechen in der Mannschaft darüber.» Wie sich das DFB-Team verhalten will, sagte Neuer in dem Interview nicht.

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