Olympia 2026: Wer beerbt den «Jesus of Hockey» als Schweizer Held?
Paul DiPietro (55) machte sich 2006 in Turin unsterblich. Jetzt sucht die Hockey-Nati an Olympia 2026 den nächsten Tausendsassa.

Das Wichtigste in Kürze
- Paul DiPietro ist gebürtiger Kanadier, spielte aber einst für die Schweizer Hockey-Nati.
- Bei Olympia 2006 in Turin machte er sich mit zwei Toren gegen Kanada unsterblich.
- Hier kommt die «Overtime» von Hockey-Experte Nicola Berger.
Die Eishockey-Nationalmannschaft sucht an Olympia 2026 neue Helden. Bei den Spielen vor 20 Jahren in Turin war es Paul DiPietro, der sich verewigte. Ein gebürtiger Kanadier von fast unerreichtem Unterhaltungsfaktor, der einst seinen Grossvater in jenem Trikot begrub, mit dem er 1993 den Stanley-Cup gewann.
Er hielt einst Wayne Gretzky in Schach
Bevor Paul DiPietro seine famose Karriere im Frühjahr 2014 im Oltner Kleinholz beendete, war er der einzige noch aktive Spieler der Meistermannschaft der Montreal Canadiens von 1993, dem bis dato letzten kanadischen Stanley-Cup-Champion der Geschichte.
Zwei Wochen lang habe er mit seinen Kollegen durchgefeiert, sagt DiPietro, danach sei ein Monat Erholung vonnöten gewesen.

DiPietro war ein Schlüsselspieler jener Equipe, im Final gegen die Los Angeles Kings wurde er oft aufs Eis geschickt, um Wayne Gretzky in Schach zu halten. Im fünften und letzten Spiel erzielte DiPietro zwei Treffer. Kurz danach zogen euphorisierte Fans marodierend durch Montreal, es entstand Sachschaden in Millionenhöhe.
Für das im Spiel getragene Trikot wurde DiPietro später viel Geld geboten, 30‘000 Dollar – Sport-Memorabilia bedeutet in Nordamerika Big Business – aber das Leben hatte andere Pläne.
Als sein Grossvater verstarb, entschied DiPietro, ihn als letzte Hommage in der einstigen Arbeitskleidung zu begraben. Er war eine wichtige Bezugsperson gewesen und hatte kaum ein Spiel verpasst. «Er fieberte schon mit, als ich als Kind Baseball spielte», sagt DiPietro.
Ein Doppelpack macht DiPietro unsterblich
Das rauschhafte Frühjahr war von 1993 die Sternstunde von DiPietros Karriere. Fünf Jahre später wechselte er nach Europa, erst nach Kassel, dann zu Ambri-Piotta und 1999 nach Zug, wo er mehr als ein Jahrzehnt blieb und als «Jesus of Hockey» verehrt wurde.
DiPietro hatte Kult-Status wegen seiner Spielübersicht, den brillanten Pässen und dem pausbäckigen Gesicht, auf dem fast immer ein Grinsen zu sehen war, weil er Eishockey als das begriff, was es ist: Ein Spiel.
Im Februar 2005 wurde er via Heirat eingebürgert. Und bestritt im gleichen Jahr seine erste WM, mit 34. Unsterblich machte er sich neun Monate später: Beim sensationellen 2:0-Sieg in Turin über Kanada erzielte er beide Treffer.

Es ist bis heute der wohl erstaunlichste Schweizer Hockey-Triumph der Neuzeit: Kanada in Bestbesetzung niederzuringen; ein Team, das mit Chris Pronger, Joe Sakic, Joe Thornton und Dany Heatley bestückt war.
Die Liste lässt sich lange fortsetzen, Gretzky wirkte als General Manager. Und die Schweiz spielte mit Patric Della Rossa, Romano Lemm und dem 35-Jährigen DiPietro. Es war das Opus magnum des Trainers Ralph Krueger.
Als Skills-Coach bei Swiss Ice Hockey
DiPietro ist niemand, der sich in wohliger Nostalgie suhlt. Er sagt, er sei gegen Kanada so geschickt freigespielt worden, dass er das Tor gar nicht habe verfehlen können. Es sei ein Erfolg der Mannschaft gewesen, und wenn man schon einen Matchwinner hervorheben wolle, dann sei das Martin Gerber. Der unverwüstliche Torhüter, der 49 Schüsse parierte.

DiPietro sagt, er habe das Turnier in guter Erinnerung, das schon, aber übertreiben müsse man nicht. Als kleiner Junge habe er nicht von Olympia geträumt, sondern vom Stanley Cup. NHL-Spieler nahmen erst 1998 in Nagano erstmals teil.
DiPietro lebt noch immer in der Schweiz, er ist mit Cyndy Kenyon verheiratet, der Assistenztrainerin des Frauennationalteams. Auch er selbst hilft bei Swiss Ice Hockey immer mal wieder aus als Skills-Coach, davor war er bis im Herbst 2022 Assistent von Chris McSorley im HC Lugano.

Der Hauptdarsteller des Epos von 2006 wartet auf eine neue Herausforderung und die Hockey-Schweiz auf neue Olympia-Helden. Da trifft es sich ganz gut, dass das Nationalteam am Freitag erneut auf Kanada trifft – nur 130 Kilometer Luftlinie von Turin entfernt.
















