Regierung

St. Galler Regierung will keine härteren Auflagen für Ölheizungen

Im Kanton St. Gallen ist der Wechsel zu Heizungen mit Wärmepumpen ins Stocken geraten. Die St. Galler Regierung lehnt aber Zwangsmassnahmen weiterhin ab und will «verhaltensökonomische Ansätze» intensivieren. Ein Beispiel dafür ist das Projekt «100in100».

Wie kann die Verbreitung von Wärmepumpen im Katon St. Gallen erhöht werden? Die St. Galler Regierung setzt auf «verhaltensökonomische Ansätze». (Archivbild)
Wie kann die Verbreitung von Wärmepumpen im Katon St. Gallen erhöht werden? Die St. Galler Regierung setzt auf «verhaltensökonomische Ansätze». (Archivbild) - KEYSTONE/DPA/DANIEL REINHARDT

Als 2020 im St. Galler Kantonsrat die Massnahmen des Energiegesetzes beraten wurden, wollten Regierung und bürgerliche Mehrheit die Wahlfreiheit der Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer möglichst nicht beschränken. Deshalb können weiterhin neue Öl- oder Gasfeuerungen installiert werden. Es gibt dafür zwar Auflagen – aber keine Verbote.

Das Erreichen der Energieziele sei deshalb «stark vom Verhalten und von individuellen Entscheidungen der Einzelnen abhängig», erklärte die Regierung kürzlich in der Antwort auf einen Vorstoss. Sie setze deshalb auch auf «Instrumente aus der Verhaltensökonomie».

Konkret will sie das Verhalten der Bevölkerung etwa mit einem Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit beeinflussen. Als eines mehrerer Beispiele nannte die Regierung einen Blog auf der Plattform energie2030.ch, der die Leserinnen und Leser ermutige, einen eigenen Beitrag zur Erreichung der Ziele zu leisten.

Funktioniert dieser Ansatz? 2021 wurden im Kanton St. Gallen 954 neue Wärmepumpen gezählt. 2023 stieg die Zahl auf 1964 neue Anlagen. 2024 sank die Nachfrage allerdings wieder auf 1306 Wärmepumpen. Die Regierung bilanziert: «Der Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme ist noch kein Selbstläufer».

In einem Vorstoss stellten die beiden Kantonsrätinnen der Grünen, Anita Wyss und Tanja Zschokke, fest, zentrale Ziele des Energiekonzepts wie die Senkung der CO2-Emissionen und die Stabilisierung des Strombedarfs würden nicht erreicht. Sie wollten wissen: «Plant die Regierung, künftig stärker auf verbindliche oder strukturverändernde Massnahmen zu setzen?»

Dazu hat nun die Regierung Stellung genommen. Grundlegende Änderungen lehnt sie ab. Sie wolle den eingeschlagenen Weg «intensivieren und konsequent weiterverfolgen». Gleichzeitig räumte sie ein, dass verhaltensökonomische Ansätze nicht «gegen starke oder insgesamt diffuse Preissignale» gewinnen könnten.

Sie belegt dies mit der Entwicklung beim Heizungsersatz. Die grosse Zahl neuer Wärmepumpen von 2023 sei vor allem eine Folge der hohen Gaspreise gewesen. Der Rückgang der Nachfrage werde von sinkenden Gas- und steigenden Strompreisen begleitet.

Zur gleichen Einschätzung kommt das externe Zürcher Büro Econcept AG, das im Auftrag der Regierung die Umsetzung des Energiekonzepts überprüft. Niedrige Öl- und Gaspreise sowie hohe Stromkosten hätten die Attraktivität von Wärmepumpen verringert, heisst es in einem Bericht.

Zwar werden im Kanton 2025 und 2026 vorübergehend 30 Prozent höhere Subventionen für Wärmepumpen ausgerichtet. Dies gilt aber nur für grosse Anlagen – nicht für den Heizungsersatz in Einfamilienhäusern. Dort bleibt es bei 2800 Franken für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe sowie 6000 Franken für eine Wärmepumpe mit Erdsonde. Die Investitionen liegen aber bei Beträgen in der Grössenordnung von 40'000 Franken.

Wie also können die Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer mit alten Öl- oder Gasheizungen trotzdem zum Umstieg veranlasst werden? Die Regierung setzt auf neue Ansätze innerhalb der bisherigen Strategie. Als Beispiel nennt sie das Projekt «100in100», das bereits in Uzwil, und ab Februar auch in Diepoldsau umgesetzt wird.

Das Konzept funktioniert wie eine Wette: Gelingt es innerhalb von 100 Tagen, 100 Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer zum Ersatz ihrer Öl- und Gasheizungen zu bewegen? Hinter Idee und Durchführung steht die gemeinnützige Genossenschaft 42hacks.ch mit Sitz in Trogen AR.

Das Projekt startet mit der Information der Eigentümerinnen und Eigentümer in der Gemeinde – etwa durch Beratungsgespräche am Tisch bei Hausbesuchen. Das zentrale Angebot ist aber die Übernahme der ganzen Bürokratie, die beim Ersatz einer Heizung anfallen.

Die Genossenschaft arbeitet eng mit dem lokalen Gewerbe zusammen und koordiniert die Arbeiten. Angekündigt werden bis zu 20 Prozent tiefere Preise. Günstiger werde es einerseits mit dem Mengenrabatt, weil eine grössere Anzahl an Wärmepumpen bestellt werden könne, erklärte Hermann Arnold von 42hacks auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Weil die Installateure viel weniger administrativen Aufwand hätten, müssten sie dafür weniger berechnen. Statt ein bis zwei Arbeitstage seien es noch ungefähr drei Stunden.

Die Zahl der neuen Wärmepumpen habe sich in Uzwil mit 100in100 vervierfacht, während sie schweizweit gesunken sei, so Arnold. Der nächste Kunde ist die Stadt St. Gallen. Im ganzen Kanton will 42hacks 2026 drei bis fünf neue Projekte starten.

Kommentare

User #4317 (nicht angemeldet)

Ölheizungen gehören verboten! Punkt.

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