«Keine 10-Mio.-Schweiz»: Das sagt SP-Grossrätin Samira Martini
Die Berner SP-Grossrätin Samira Martini stellt sich gegen die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz». Ein Gastbeitrag.

Ich stelle mich zusammen mit vier Alt-Grossrätinnen aus der Region Oberaargau gegen die SVP-Initiative am 14. Juni 2026. Wir gehören verschiedenen Generationen an, haben unterschiedliche politische Biografien. Doch wir sind uns einig: Die SVP-Initiative ist keine Lösung, sondern ein Risiko.
Wohnraummangel, Druck auf die Infrastruktur oder Umweltprobleme belasten Mensch und Umwelt in der Schweiz. Die Initiative behauptet, diese komplexen Herausforderungen liessen sich durch eine starre Begrenzung der Bevölkerung lösen.
Das klingt einfach – zu einfach. Denn weder CO₂-Ausstoss noch Bodenverbrauch noch Arbeitsbedingungen verbessern sich, wenn wir Menschen gegeneinander ausspielen. Nachhaltige Raumplanung, klimafreundliche Mobilität, faire Löhne und Investitionen in den Service Public sind die echten Hebel. Alles andere ist Augenwischerei.

Christine Blum bringt es treffend auf den Punkt: «Diese Initiative ist nicht ehrlich.» Sie verschweigt, dass sie unsere Wirtschaft schwächt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet.
Auch Gertrud Hurni widerspricht der Logik der Initiative klar: «Es ist scheinheilig zu behaupten, weniger Menschen seien die Lösung für Umweltprobleme.» Entscheidend sei unser Verhalten und nicht ausschliesslich unsere Bevölkerungsanzahl.
Besonders schwer wiegt der Angriff auf die bilateralen Verträge. Die Initiative riskiert Arbeitsplätze, Lohnschutz und Stabilität. Dorette Balli warnt zu Recht vor den Folgen für KMU, die auf verlässliche Beziehungen zur EU angewiesen sind. Mehr Bürokratie, längere Wartezeiten, unsichere Rahmenbedingungen – das trifft die Wirtschaft ins Mark.
Und es trifft die Arbeitnehmenden. Maya Eigenmann sagt: «Diese Initiative öffnet Tür und Tor für Lohndruck.» Wenn der Lohnschutz geschwächt wird, verlieren jene, die täglich arbeiten und unseren Wohlstand tragen.
Die Sozialdemokratinnen setzen seit Jahren auf konkrete Verbesserungen: bezahlbare Kinderbetreuung, faire Löhne, nachhaltiges Bauen, starken öffentlichen Verkehr und konsequenten Klimaschutz. Sie wissen: Die Herausforderungen sind real. Aber sie lassen sich nicht mit Abschottung lösen.
Ich halte abschliessend fest, dass wir Investitionen, soziale Sicherheit und nachhaltige Entwicklung brauchen und nicht populistische Scheinlösungen. Die SVP-Initiative steht nicht für verantwortungsvolle Politik, sondern für eine gefährliche Vereinfachung, die unser Land schwächt.
Fünf Frauen, fünf Generationen, eine gemeinsame Haltung: Diese Initiative führt in die falsche Richtung. Darum sagen wir klar und überzeugt: 10 Millionen x Nein zur SVP-Initiative.
Zur Autorin
Samira Martini (*2000) ist Grossrätin (Herzogenbuchsee, SP) und Mitglied der Justizkommission.












