Natur

    Gallizzi: «Solarausbau antreiben – aber nicht auf Kosten der Natur»

    Katharina Gallizzi
    Katharina Gallizzi

    Bern,

    Katharina Gallizzi (GB) sitzt im Berner Stadtrat. Im Gastbeitrag äussert sie sich zum Projekt «BelpmoosSolar» auf dem Areal des Flughafens Bern-Belp.

    Katharina Gallizzi
    Katharina Gallizzi, Stadträtin Grünes Bündnis Bern. - zVg

    Die Energiewende innerhalb der nächsten zehn Jahre zu schaffen, das ist eine der grössten Herausforderungen der Schweiz. Dieses Ziel wollen wir vorantreiben, aber nicht auf Kosten des Naturschutzes.

    Solaranlagen sollen zuerst auf Dächern und Fassaden gebaut werden. Hier hat der Kanton Bern ein riesiges Potenzial.

    Auf dem Areal des Flughafens Belp bei Bern soll eine Freiflächen-Solaranlage entstehen. Ungefähr 800 Haushalte sollen mit Solar aus der Solaranlage BelpmoosSolar versorgt werden. Ursprünglich hätten es weit mehr sein sollen.

    Solaranlage Bern Belp Flughafen
    Sicht auf das Flughafengelände des Flugplatzes Bern-Belp. Hier soll eine grosse Freiflächen-Solaranlage entstehen. - keystone

    Der ursprüngliche Plan wird nun redimensioniert, weil ein Teil des Areals eine Trockenwiese ist und im vergangenen Herbst ins Inventar Trockenwiesen und -weiden (TWW) von nationaler Bedeutung aufgenommen worden.

    Damit gilt die Fläche als Schutzgebiet und darf nicht überbaut werden.

    Hast du Solarzellen auf dem Dach deines Hauses?

    Trockenwiesen sind selten gewordene Ökosysteme mit hoher Biodiversität. Trockenwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in Europa, auf ihnen wachsen eine Vielzahl von Gräsern und Kräutern, Enziane oder wilde Orchideen, in ihnen leben Wildbienen Hummeln, Bläulinge, Heuschrecken oder Eidechsen.

    Solche Ökosysteme dürfen nicht zerstört werden.

    Flughafen darf nicht quersubventioniert werden

    Natürlich bin ich froh um diese Verkleinerung des Projekts. Ich habe trotzdem Bedenken gegenüber BelpmoosSolar: Wie verhindern wir, dass die Solaranlage den klimaschädigenden Flughafenbetrieb quersubventioniert?

    Die Situation, dass eine Solaranlage das Fliegen mitbezahlt, fände ich schlimm: Klimaschutz muss ganzheitlich gedacht werden; es darf nicht sein, dass ein Projekt zur Energiewende gleichzeitig indirekt die Mobilität fördert, welche einer der grössten Klimatreiber ist: den Privatflugverkehr.

    Solaranlagen
    Katharina Gallizzi: Solaranlagen sollen zuerst auf Dächern und Fassaden gebaut werden. (Symbolbild) - depositphotos

    Deshalb fordere ich Transparenz über die Finanzierung des Projekts.

    Weiter fordere ich, dass Solarpanels auf den Landebahnen gebaut werden. Warum müssen wir Solaranlagen auf Wiesen bauen, wenn es doch Flächen gibt, die sowieso schon verbaut sind?

    Solaranlagen zuerst auf Gebäuden und verbauten Flächen

    Dies führt mich zu meinem grundsätzlichsten Bedenken: Warum bauen wir die Solaranlagen nicht auf bestehenden Infrastrukturen und versiegelten Flächen? Auf Industriehallen und Einkaufszentren, Schulen und Wohnhäusern, auf den Dächern und an den Fassaden?

    Auf Lärmschutzwänden entlang von Autobahnen und Bahnlinien oder Böschungen an Strassenrändern? Auf Industriebrachen oder Schotterflächen? Auf überdachten Parkplätzen?

    Begrüsst du den Bau grossflächiger Solaranlagen?

    Die Energiewende ist zu schaffen, ohne dass es zu Flächenkonflikten mit Landwirtschaft und Natur kommt. Wenn wir auch nur die gut nutzbaren Dachflächen im Kanton Bern nutzen, können wir 9000 GWh Strom produzieren.

    Wir decken damit mehr als den ganzen Strombedarf im Kanton Bern. Fassaden, Lärmschutzwände oder Industriebrachen sind hier noch nicht mitgerechnet.

    Die Energiewende schaffen, das Klima schützen und gleichzeitig Naturräume erhalten: Dafür setzte ich mich im Berner Stadtrat ein.

    Zur Autorin

    Katharina Gallizzi ist Stadträtin Grünes Bündnis Bern.

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    Kommentare

    User #3304 (nicht angemeldet)

    Bin auch für neue AKWs, aber nicht vor meiner Haustür!

    User #2986 (nicht angemeldet)

    DE ist der Schweiz 10 Jahre voraus Wollte Solar auf das Dach Wurde von Heimatschutz ???? verboten 3 Häuser weiter weg war es erlaubt Vetternwirtschaft Schweiz

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