Berner SVP-Grossrat Zbinden: Wie viel Wachstum verträgt die Schweiz?

Reto Zbinden
Reto Zbinden

Köniz,

Der Berner Grossrat Reto Zbinden (SVP) äussert sich in seinem Gastbeitrag zur Nachhaltigkeits-Initiative. Er sagt klar Ja.

SVP-Grossrat Reto Zbinden
SVP-Grossrat Reto Zbinden aus Mittelhäusern. - Screenshot svp-bern.ch

Morgens im Zug keinen Sitzplatz mehr, Stau auf dem Arbeitsweg und die Wohnungssuche wird zur Herausforderung. Gleichzeitig wird dichter gebaut, Grünflächen gehen zurück.

Die Schweiz wächst, wir spüren es täglich, unter anderem in überlasteten Schulen und bei längeren Wartezeiten im Gesundheitswesen. Trotzdem wird ein zentraler Punkt oft ausgeklammert: Das Bevölkerungswachstum. Genau hier setzt die Nachhaltigkeits-Initiative an.

Wachstum mit spürbaren Folgen im Alltag

Zwischen 2000 und 2025 ist die Bevölkerung um 1,97 Millionen Menschen gewachsen. Allein 2024 waren es über 87’000 zusätzliche Einwohner. Der Wohnungsbau wurde zwar stark ausgeweitet: 2001 entstanden rund 28’800 Wohnungen, 2020 bereits über 49’000.

Doch das reicht nicht aus. 100’000 zusätzliche Einwohner benötigen über 53’000 Wohnungen, der Bedarf liegt damit über dem, was neu gebaut werden kann. Die Folge ist offensichtlich: Steigende Mieten, wachsender Konkurrenzdruck und immer weniger verfügbarer Wohnraum.

Wohnungsinitative
Reto Zbinden: Der Wohnungsbau wurde stark ausgeweitet: 2001 entstanden rund 28’800 Wohnungen, 2020 bereits über 49’000. - keystone

Gleichzeitig steigt der Bedarf an Infrastruktur deutlich. Mehr Einwohner bedeuten mehr Verkehr, stärker ausgelastete Strassen und zusätzlichen Ausbau im öffentlichen Verkehr. Der Ausbau kommt mit diesem Tempo kaum mit.

Umwelt, Bildung und Gesundheit unter Druck

Auch die Auswirkungen auf Umwelt und Ressourcen sind konkret messbar. Pro Sekunde wird rund ein Quadratmeter Boden überbaut, Pro Stunde etwa 2000 Quadratmeter.

Mit der wachsenden Bevölkerung steigen Energieverbrauch, Verkehr und Abfallmengen deutlich. 100’000 zusätzliche Einwohner verursachen jährlich rund 67’000 Tonnen Abfall und benötigen täglich rund 14 Millionen Liter Trinkwasser.

Im Bildungsbereich bedeutet Wachstum zusätzliche Schulhäuser, Hunderte neuer Klassen und zahlreiche zusätzliche Lehrpersonen. Gleichzeitig steigt der Unterstützungsbedarf im Unterricht. Dennoch zeigen sich zunehmend Defizite bei grundlegenden Kompetenzen wie Lesen und Schreiben.

Keine 10-Millionen-Schweiz
Die Schweizer Stimmbevölkerung wird im Juni über die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» abstimmen. - keystone

Lehrpersonen berichten von grösseren Unterschieden innerhalb der Klassen und wachsendem Betreuungsaufwand, was die Unterrichtsqualität unter Druck setzt.

Auch im Gesundheitswesen wächst der Druck: Mehr Einwohner bedeuten mehr Patientinnen und Patienten, mehr Bedarf an Ärzten, Pflegepersonal und Spitalkapazitäten. Bereits heute zeigen sich Engpässe, etwa bei Terminen und Wartezeiten.

Umso erstaunlicher ist der Umgang mit dieser Initiative. Selbst aus ökologischen Kreisen kommt Ablehnung, obwohl Flächenverbrauch und Ressourcen zentrale Themen sind. Statt einer sachlichen Diskussion entsteht teilweise ein politischer Reflex. Man könnte fast meinen, der Absender spiele gelegentlich eine grössere Rolle als der Inhalt.

Unterstützt du die Nachhaltigkeits-Initiative der SVP?

Die zentrale Frage bleibt: Wie viel Wachstum verträgt die Schweiz? Genau hier setzt die Initiative an. Sie will das Wachstum steuern, damit Lebensqualität, Infrastruktur und Umwelt Schritt halten können. Darum braucht es jetzt eine klare Entscheidung.

Wer steigende Mieten bremsen, unsere Umwelt schützen und die Leistungsfähigkeit unseres Landes erhalten will, sagt Ja zur Nachhaltigkeits-Initiative am 14. Juni.

Zum Autor

Reto Zbinden (SVP) ist Berner Grossrat und Teil des Könizer Gemeindeparlaments.

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Kommentare

User #2791 (nicht angemeldet)

Warum soll man dem Bauern Marcel Dettling glauben, wenn er bar jeder Kompetenz einfach mal allen Spitalleitungen, Gesundheitspersonalverbänden und Apothekern widerspricht - es gebe überhaupt keine Probleme und keine höheren Kosten im Gesundheitswesen?

User #2791 (nicht angemeldet)

Die Grenzpolizei stellte hochoffiziell klar: Schengen betrifft primär Grenzkontrollen und Informationsaustausch; eine Vertragskrise führt verstärkten Kontrollen und zu Einschränkungen beim Informationsaustausch, was die Zusammenarbeit beträchtlich erschwert!

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