Brunch, Bratwurst und Appelle prägen den Berner 1. August
Der Kanton Bern hat dieses Jahr einen – zumindest pyrotechnisch gesehen – ruhigen 1. August gefeiert. Auf Feuerwerk wurde mehrheitlich verzichtet, nicht aber auf Brunch, Grilliertes oder prominente Rednerinnen und Redner.

Da Feuerwerke aufgrund der anhaltenden Trockenheit im ganzen Kanton verboten waren, setzten Organisatorinnen und Organisatoren vielerorts auf kreative Lösungen. In Interlaken und Grindelwald etwa wurden kurzerhand Drohnenshows als Alternative zum traditionellen Feuerwerk aufgegleist.
Auf dem Bundesplatz ging das Geburtstagsfest wie gewohnt über die Bühne, denn in der Berner Altstadt gilt ohnehin ein ganzjähriges Feuerwerksverbot. Allerdings wurde der Gemeinschaftsgrill aufgrund der Brandgefahr mit Gas statt mit Kohle betrieben und fiel um einiges kleiner aus als in den Vorjahren. Daneben liess es sich basteln, anstossen und dem Musikprogramm – darunter die Rapperin Soukey – lauschen.
Am Rande des Bundesplatzes stand zudem ein Piano bereit, das rege genutzt wurde. Wem dieser Klang zu experimentell oder die Sonne trotz des angenehmen Windes zu drückend war, der oder die konnte auf das Jodelkonzert im Münster ausweichen. Beliebt waren auch die Führungen durch das Bundeshaus, bereits am Vormittag bildete sich eine lange Schlange um das Gebäude.
Das Fest eröffnet hatte die höchste Bernerin, Jelena Filipovic. In ihrer Ansprache plädierte sie für das Konzept einer «Caring City», in der niemand zurückgelassen wird – «weder an der Grenze noch im Quartier». Fürsorge sei keine private Angelegenheit, sondern eine gemeinsame Aufgabe und eine Grundinfrastruktur, sagte die Stadtratspräsidentin vom Grünen Bündnis.
Sie verwies dabei auf ihre eigene Biografie: Filipovic wurde in einer südserbischen Kleinstadt geboren und kam einen Tag vor ihrer Einschulung ohne Deutschkenntnisse in die Schweiz. Ihr Werdegang zeige, was möglich werde, «wenn eine Gesellschaft Türen offen hält, statt sie zu bewachen».
Filipovic erinnerte zudem an die humanitäre Tradition der Schweiz. Angesichts aktueller Flüchtlingskrisen und der Klimaerhitzung müsse diese Tradition immer wieder neu eingefordert werden. Es gelte, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Klimagerechtigkeit bedeute auch, jene Menschen zu unterstützen, die am meisten unter der Hitze litten, sagte die höchste Bernerin.
Hoher Besuch hatte auch Biembach im Emmental, ein Ortsteil der Gemeinde Hasle bei Burgdorf. Bundesrat Beat Jans stiess zum örtlichen Bauernbrunch. Dort rief der Basler dazu auf, Sorge zum Miteinander, zur politischen Kultur und zur Demokratie zu tragen. Denn die Schweizer Vielfalt verpflichte, «Rücksicht zu nehmen, Kompromisse einzugehen und unterschiedliche Meinungen als Chance zu sehen», sagte der SP-Justizminister laut Redetext.
Bei gleich zwei Berner SVP-Magistraten stand zudem ein Heimspiel auf der Agenda. Bundesrat Albert Rösti kehrte zum Abschluss seines regelrechten Redenmarathons in seine Wohngemeinde Uetendorf zurück. Mit einer etwas beklemmenden Botschaft: Die ruhigen und stabilen Jahre lägen hinter uns. Historisch gesehen seien diese aber ohnehin die glückliche Ausnahme gewesen. «Was wir erleben, ist daher eine Rückkehr zur Normalität», sagte er.
Doch trotz aller Bedrohungen gebe es die Schweiz nach wie vor. Als bewährte Rezepte nannte er Wirtschaftsfreiheit, Eigenverantwortung, direkte Demokratie, Föderalismus und bewaffnete Neutralität. Diese gelte es, in Erinnerung zu rufen, «wenn am Horizont des Zeitgeschehens dunkle Wolken auftauchen».
Regierungspräsident Pierre Alain Schnegg hielt Festreden in seiner Wohngemeinde Champoz und in Valbrise, wo er aufgewachsen ist. Auch er betonte die Bedeutung des Föderalismus und der direkten Demokratie, wie aus den Manuskripten hervorging. «Die Macht muss nahe bei den Bürgerinnen und Bürgern bleiben», sagte er und lobte die Rolle kleiner Gemeinden, wo das Gemeinschaftsleben intakt sei.
Schliesslich sprach der Gesundheitsdirektor Herausforderungen wie die alternde Bevölkerung, den Fachkräftemangel und wirtschaftliche Spannungen an. Doch mit dem bewährten Schweizer Modell, das auf Entscheide vor Ort basiere, «werden wir die Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte meistern», so Schnegg.
Etwas südlich des Berner Juras, beim Nidauer Strandbad, wurde wie inzwischen üblich die offizielle 1.-August-Feier der Stadt Biel auf dem Areal des Lakelive-Festivals ausgetragen. Auf der Bühne stand ein Blechbläser-Quintett des Theaters Orchesters Biel Solothurn, die Rede hielt Stadtpräsidentin Glenda Gonzalez Bassi.
Die Stadt Thun wiederum lud Menschen aus der Bevölkerung ein, anlässlich des Nationalfeiertages eine persönliche Rede vorzutragen. Auf dem Programm der Feier auf der Lindenmatte standen zudem eine Einführung von Kabarettistin Jovana Nikic und ein Dankwort der neuen Stadtpräsidentin Eveline Salzmann.
Das 1.-August-Feuer wurde wegen der Trockenheit abgesagt. Dafür standen die Zeichen für die beiden professionellen Feuerwerke über dem Thunersee gut: Das zuständige Regierungsstatthalteramt hatte entsprechende Ausnahmebewilligungen erteilt, zumal der Abstand zum Ufer gross genug sei.










