Berner Lehrer werben mit KI-Plakaten für Bildungsqualität
Ausgerechnet das Ja-Komitee für die Berner Bildungsinitiative wirbt mit KI-generierten Menschen auf Flyern und Plakaten. Ein Widerspruch?

Das Wichtigste in Kürze
- Linke und Lehrer wollen die Bildungsqualität in der Berner Kantonsverfassung verankern.
- Dafür wirbt das Komitee mit KI-generierten Zukunftsvisionen.
- Das sorgt für Irritationen.
Ende September stimmen die Bernerinnen und Berner über die sogenannte Bildungsinitiative ab. Die Initiative will eine hohe Qualität der Bildung in der Kantonsverfassung verankern.
Kanton und Gemeinden sollen dafür ausreichend Geld bereitstellen. Zudem soll sichergestellt werden, dass es genügend qualifizierte Lehrkräfte gibt.
Neben Bildungsorganisationen, dem Lehrerverband Bildung Bern und Gewerkschaften unterstützen unter anderem die SP, die Grünen und die EVP die Initiative. Und dafür rührt das Ja-Komitee ordentlich die Werbetrommel.
Für ihre Plakate und Flyer nutzen die Befürwortenden Künstliche Intelligenz (KI). Angegeben wird das am Rand: «Diese Zukunftsvision wurde mit KI erstellt.»
Oben werden zwei Schulkinder abgebildet und der Slogan «Heute gute Bildung.» Unten sind die Kinder mittels KI in die Zukunft katapultiert – und sollen das Resultat guter Bildung zeigen.
Nau.ch hat mehrere Zuschriften zur Kampagne des Pro-Komitees für die Bildungsinitiative erhalten. Alle Rückmeldungen gehen in eine ähnliche Richtung.
Sie fragen sich: Wie passt eine angepriesene hohe Bildungsqualität zum exzessiven KI-Einsatz? Ist das nicht ein Widerspruch?
Pro-Komitee sieht keinen Widerspruch
Stefan Wittwer, Geschäftsführer von Bildung Bern und im Ja-Komitee, sagt dazu gegenüber Nau.ch: «KI für den Einsatz einer fiktiven Zukunftsvision zu verwenden, scheint uns legitim. Wir sehen keinen Widerspruch zur Forderung einer qualitativen Bildung.»
Mit der Initiative gehe es vor allem um einen wirkungsvollen Unterricht. Und dass «ausgebildete und gesunde Lehrpersonen» wieder mehr Zeit für ihre Kinder und ihren Unterricht haben sollen.
Sprich: Das Kerngeschäft.
Auf dem Weg dahin könne KI sogar helfen – etwa als «administrative Entlastung». Diese würde wiederum dem Lernerfolg zugute kommen, da sich die Lehrpersonen so wieder mehr auf die Kinder fokussieren können.
Die für die Kampagne verwendeten Kinderfotos sind Stockbilder – und nicht KI-generiert. Wegen Daten- und Persönlichkeitsschutz habe sich das Ja-Komitee bewusst gegen ein Fotoshooting mit Schulkindern entschieden.
«Die Kinder gibt es als Erwachsene heute noch nicht, logischerweise. Entsprechend haben die Grafikerinnen und Grafiker für die Zukunftsvision der heutigen Kinder KI eingesetzt», erklärt Wittwer.
Negative Rückmeldungen zur Kampagne habe es nur vereinzelt gegeben. «Nach der entsprechenden Klärung der Idee wurde unser Kampagnenkonzept inklusive des sehr beschränkten und begründeten KI-Einsatz jeweils verstanden.»
Auch Nein-Komitee setzt auf KI, aber anders …
Auch die Gegnerinnen und Gegner der Bildungsinitiative nutzen KI für ihre Kampagne. Das Sujet zeigt eine Schulklasse und einen Lehrer an der Wandtafel – allerdings als Illustration und nicht als Foto.

Und das ganz bewusst. «Wir haben diskutiert, wie realistisch die Szene sein soll. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, dass es im Karikaturbereich bleiben soll», sagt Christian Siegenthaler vom Nein-Komitee zu Nau.ch.
«Wenn Menschen abgebildet werden, sollten sie auch real fotografiert werden. Die Ja-Kampagne hat sich für einen anderen Weg entschieden», meint er diplomatisch.
Gegner glauben, Verfassungsartikel für Bildungsqualität nützt nichts
Siegenthaler will statt des KI-Einsatzes die inhaltliche Debatte in den Vordergrund rücken. «Die Probleme an den Schulen sind real. Ein allgemeiner Verfassungsartikel löst diese aber nicht», sagt er.
Die Initiative nenne keine konkreten Massnahmen und schaffe nicht unmittelbar zusätzliche Lehrpersonen. Zudem seien die finanziellen Folgen für Kanton und Gemeinden offen.
Konkrete Massnahmen und Mittel gehörten aus Sicht des Nein-Komitees ins Gesetz und Budget. Und nicht als allgemeines Versprechen in die Verfassung.
Gegen die Initiative sind die SVP, die FDP, die Mitte und die EDU. Zudem empfehlen Der Handels- und Industrieverein sowie der Berner Arbeitgeberverband ein Nein.











