Westliche Länder organisieren Ausreise von Botschaftspersonal aus Afghanistan

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    Angesichts des raschen Taliban-Vormarschs in Afghanistan arbeiten Deutschland und andere westliche Staaten unter Hochdruck daran, Botschaftsmitarbeiter und Ortskräfte in Sicherheit zu bringen.

    Taliban-Kämpfer in Kandahar
    Taliban-Kämpfer in Kandahar - AFP

    Neben Deutschland kündigten am Freitag andere europäische Länder wie Grossbritannien und Spanien die Ausreise von Botschaftspersonal an. Die USA sagten das Ausfliegen tausender Menschen täglich zu und veranlassten die Zerstörung sensiblen Materials in ihrer Botschaft in Kabul.

    Seit Beginn des vollständigen Abzugs der Nato-Truppen aus Afghanistan haben die Taliban weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. In den vergangenen acht Tagen nahmen die Islamisten rund die Hälfte der 34 afghanischen Provinzhauptstädte ein, darunter zuletzt auch die zweitgrösste Stadt Kandahar. Am Freitag standen sie nach Eroberung der Provinzhauptstadt Pul-i-Alam nur noch 50 Kilometer vor Kabul, wie ein Regionalabgeordneter der Provinz Logar mitteilte.

    In einem Vermerk an die Mitarbeiter der US-Botschaft in Kabul verwies ein Gebäudetechniker auf die bestehenden Möglichkeiten zur Verbrennung oder Entsorgung von Dokumenten und Gerätschaften. Zerstört werden soll demnach alles, was von den Taliban für ihre Propaganda «missbraucht werden» könnte, wie etwa Gegenstände mit dem Botschaftslogo und US-Flaggen. Derweil trafen die ersten der 3000 US-Soldaten ein, die bei der Evakuierung helfen sollen.

    Staaten wie Deutschland, Grossbritannien, die Niederlande und Spanien entschlossen sich zur Reduzierung ihres Botschaftspersonals in Kabul. Bundesaussenminister Heiko Maas (SPD) erklärte, die deutsche Botschaft solle «arbeitsfähig» bleiben, das Personal werde aber «auf das operativ notwendige absolute Minimum» reduziert. Dänemark und Norwegen kündigten die vorläufige Schliessung ihrer diplomatischen Vertretungen in Kabul an.

    Die «ohnehin für diesen Monat vorgesehenen Charterflüge» für das diplomatische Personal werden laut Maas vorgezogen. Sie sollen auch afghanische Ortskräfte nach Deutschland bringen. Grünen-Co-Chef Robert Habeck forderte in der «Süddeutschen Zeitung» (Samstagsausgabe) «eine Luftbrücke, um diese Menschen aus Lebensgefahr zu bringen». Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte zuvor eine erleichterte Einreise für die afghanischen Ortskräfte zugesagt.

    Der CDU-Aussenpolitiker Norbert Röttgen forderte ein Einschreiten des Westens und der Bundeswehr gegen die in Afghanistan vorrückende Taliban. «Man darf nicht dabei zuschauen, wie Menschen, die uns lange verbunden waren, von den Taliban abgeschlachtet werden, wie Mädchen und Frauen alle hart erkämpften Rechte wieder verlieren», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

    Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth (SPD), warnte vor einem starken Anstieg der Zahl afghanischer Flüchtlinge, mit dem auch Deutschland konfrontiert sein werde. Er sei «sicher, dass der Migrationsdruck auf die EU und Deutschland» zunehmen werde, sagte er der «Rheinischen Post».

    Die kanadische Regierung kündigte bereits an, bis zu 20.000 Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen. Das Angebot richtet sich insbesondere an Frauen in Führungspositionen, Regierungsmitarbeiter, Menschenrechtsaktivisten, Journalisten und Angehörige verfolgter Minderheiten.

    Laut UN-Generalsekretär António Guterres begehen die Taliban in den von ihnen kontrollierten Gebieten «entsetzliche» Menschenrechtsverbrechen. Es sei «herzzerreissend, Berichte zu sehen, wonach afghanischen Frauen und Mädchen ihre hart erkämpften Rechte entrissen werden», sagte Guterres vor Journalisten.

    In Kabul litten die Menschen derweil unter der Unsicherheit. "Wir wissen nicht, was passiert, sagte etwa der Hauptstadtbewohner Chairddin Logari der Nachrichtenagentur AFP.

    Westliche Staaten sorgen sich auch, dass Afghanistan nach dem 20-jährigen internationalen Militäreinsatz wieder zur Brutstätte von Terrorismus werden könnte. «Die einzige Bedingung, die die USA an ihren Abzug gestellt haben, war, dass die Taliban ihre Verbindungen mit dem Terror-Netzwerk Al-Kaida abbrechen», sagte der Grünen-Aussenpolitiker Omid Nouripour der «Passauer Neuen Presse» (Samstagsausgabe). «Das ist aber nicht passiert.»

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