Serbien nach Wahlsieg der Studenten vor grossen Aufgaben
In Serbien gewinnt die Studentenliste die absolute Mehrheit. Aleksandar Vucic räumt nach 14 Jahren an der Macht seine Niederlage ein.

Die Studentenliste hat am Sonntag die Parlamentswahl in Serbien gewonnen und damit die absolute Mehrheit erreicht, wie der «ORF» berichtet. Aleksandar Vucic gestand am Sonntagabend überraschend seine Niederlage ein, noch bevor die ersten offiziellen Ergebnisse vorlagen.
Die Wahlforschungsgruppe CRTA beziffert den Stimmenanteil der Studentenliste auf 51,5 Prozent, wie «T-Online» am Montag berichtet. Die regierende SNS von Vucic erreichte nach dieser Projektion hingegen 40,4 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Keine weitere Partei schaffte laut CRTA-Direktor Rasa Nedeljkov den Einzug ins Parlament. Die erwarteten Mandate entsprechen der absoluten Mehrheit, die für eine Regierungsbildung ohne Koalitionspartner erforderlich ist.
Korruption als Wahlthema in Serbien
Für die meisten Menschen in Serbien ist der Wahltag eine grosse Erleichterung, analysiert «SRF»-Auslandredaktor Janis Fahrländer. Der Unmut über die Regierung habe sich laut Fahrländer über viele Jahre aufgestaut, vor allem wegen der offenen Korruption.
Als Symbol dafür nennt das «SRF» das Unglück von Novi Sad, bei dem 16 Menschen starben. Das Bahnhofsvordach stürzte kurz nach der Einweihung des sanierten Bahnhofs ein, obwohl das Prestigeprojekt ein rekordhohes Budget erhalten hatte.
Nach dem Unglück formierte sich ein Protest, der zur Massenbewegung anwuchs und in eine eigene Wahlliste mündete. Die Proteste dauerten fast zwei Jahre und liessen nach Einschätzung Fahrländers eine Wechselstimmung im Land entstehen.
Der Gegenentwurf der Studenten
Der Wahlsieg ist laut Fahrländer eine Absage an die zunehmend autoritäre Politik von Vucic in Serbien. Der bisherige Machthaber habe in 14 Jahren grosse Teile der Medien kontrolliert, in denen Gegner diffamiert worden seien.

Die Studenten setzten laut dem «SRF» mit ihrer bunten Kampagne auf unabhängige Institutionen, Pressefreiheit und ein Land ohne Korruption. Im neuen Parlament sitzen viele Abgeordnete aus der Zivilgesellschaft ohne politische Erfahrung, darunter Ärzte, Professorinnen und Bauern.
Die Bewegung trat bislang geeint auf, weil sie politisch heikle Themen bewusst ausklammerte, erklärt Fahrländer im «SRF». Ob die Einigkeit in der Regierungsverantwortung hält, muss sich laut Fahrländer zeigen, zumal die Erwartungen hoch seien.
















