Serbien: Studentenliste gewinnt Wahl – Vucic gesteht Niederlage ein
Nach 14 Jahren an der Macht räumt Aleksandar Vucic (56) die Niederlage bei der Parlamentswahl in Serbien ein. Gewonnen hat eine Bewegung von Studierenden.

Das Wichtigste in Kürze
- Serbiens Präsident Vučić hat laut «Il Messaggero» die Parlamentswahl verloren gegeben.
- Laut Hochrechnung holt die Studentenliste 130 von 250 Sitzen, Vučićs Liste rund 100.
- Die Wahlbeteiligung lag kurz vor Schluss bei 68 Prozent – die höchste seit 30 Jahren.
In Serbien geht eine Ära zu Ende. Aleksandar Vucic, der das Land seit 2012 in wechselnden Funktionen prägt, hat die Niederlage seiner Liste bei der Parlamentswahl eingestanden. «Wir haben die Wahlen verloren», sagte er gegenüber dem Fernsehsender «RTS».
Gewinnerin ist die Liste «Die Studenten siegen». Die Bewegung ging aus den Protesten der vergangenen zwei Jahre hervor. Laut «Il Messaggero» kommt sie auf 130 der 250 Sitze im Parlament und hätte damit die absolute Mehrheit. Vucics Liste liegt demnach bei 100 bis 105 Sitzen. Offizielle Ergebnisse stehen noch aus.
Vucic hatte schon am Wahltag Gelassenheit gezeigt. Nach der Stimmabgabe sagte er laut «Rio Times»: «Man kann Wahlen gewinnen oder verlieren.»
Historischer Einschnitt
Der Wahlausgang in Serbien gilt als historischer Einschnitt. Der Erfolg der Studierenden könnte den politischen Kurs Serbiens und die Beziehungen zur EU neu prägen.
Der 56-jährige Vucic hat die Macht teils autoritär ausgeübt. Kritiker werfen ihm Korruption und Verbindungen zur organisierten Kriminalität vor. Ende September trat er als Staatspräsident zurück. Er wollte bei einem Wahlsieg seiner Partei Regierungschef werden.
Rund 6,4 Millionen Menschen waren offiziellen Angaben zufolge aufgerufen, die 250 Abgeordneten zu wählen. Die Wahlbeteiligung war hoch: Eine Stunde vor Schliessung der Wahllokale lag sie laut dem Institut CeSID/Ipsos bei 67,7 Prozent. Das ist der höchste Wert seit mindestens 30 Jahren.
Auf den Strassen soll es nach Vucics Statement Jubelszenen gegeben haben, schreibt «Il Messaggero».
Vorwürfe zu Stimmenkauf
Die Wahl fand in angespannter Stimmung statt. Die unabhängige Wahlbeobachtergruppe CRTA sprach laut Berichten von zahlreichen Hinweisen auf Stimmenkauf und Einschüchterung von Wählern. In einem Viertel aller Wahllokale in Serbien und in der Hälfte der Lokale in Belgrad seien Stimmzettel fotografiert worden.
Studierende berichten laut «Il Messaggero», die Regierungspartei SNS wolle ihre Anhänger zu einer Kundgebung aufrufen. Die Absperrungen im Pionirski-Park zwischen Parlament und Präsidentenpalast seien entfernt worden. Die Studenten betonten, sie würden auf Provokationen nicht reagieren.




















