Die Isländer haben am Samstag ein neues Parlament gewählt, können aber nicht mit einer schnellen Regierungsbildung rechnen.
Regierungschefin Katrin Jakobsdottir
Regierungschefin Katrin Jakobsdottir - AFP/Archiv
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Das Wichtigste in Kürze

  • Neun Parteien könnten ins Parlament in Reykjavik einziehen.

Die Parteienlandschaft des Inselstaats im Nordatlantik ist stark zersplittert. Laut Umfragen könnten neun der zehn kandidierenden Parteien ins Parlament einziehen - ein Rekord. Dies dürfte die Koalitionsverhandlungen erschweren.

Regierungschefin Katrin Jakobsdottir von den Linksgrünen hoffte bei dem Urnengang am Samstag auf ein Mandat für eine zweite Amtszeit. Allerdings könnte die regierende Links-Rechts-Koalition ihre Mehrheit im isländischen Parlament Althing Umfragen zufolge verlieren. «Das war ein guter Wahlkampf», sagte Jakobsdottir bei ihrer Stimmabgabe. «Die Wahlabsichten waren für meine Partei nicht gut, aber sie scheinen anzusteigen.»

Die derzeitige Koalition aus Linksgrünen, konservativer Unabhängigkeitspartei und der Fortschrittspartei, die Mitte-Rechts-Positionen vertritt, hält 33 der 63 Sitze im Parlament. Jakobsdottirs Partei kam in den Umfragen zuletzt aber nur noch auf zehn bis zwölf Prozent.

Dabei ist die Ministerpräsidentin selbst sehr beliebt. Während ihrer vierjährigen Amtszeit führte sie ein fortschrittliches Einkommensteuersystem ein, erhöhte das Budget für den sozialen Wohnungsbau und verlängerte die Elternzeit. Auch ihr Umgang mit der Corona-Krise wurde gelobt: In dem Inselstaat mit seinen 370.000 Einwohnern starben nur 33 Menschen an den Folgen einer Infektion.

Jakobsdottirs Regierung ist erst die zweite seit 2008, die bis zum Ende der vierjährigen Amtszeit durchhielt. Zwischen 2007 und 2017 wurden infolge mehrerer Skandale insgesamt fünf Wahlen abgehalten.

Stärkste Kraft könnte laut den letzten Umfragen die Unabhängigkeitspartei werden, die auf Werte zwischen 20 und 24 Prozent kam. Parteichef Bjarni Benediktsson, Finanzminister der bisherigen Regierung und ehemaliger Ministerpräsident, hofft, Jakobsdottir im Amt abzulösen.

Benediktsson war in mehrere politische Skandale verwickelt, unter anderem in die dubiosen Steuerpraktiken, die durch die «Panama Papers» offengelegt wurden. «Wenn es unser Schicksal ist, der neuen Regierung als notwendige Opposition gegenüber zu treten, werden wir das natürlich tun», sagte Benediktsson nach seiner Stimmabgabe. «Aber wir sind bei weitem die grösste Partei und ich bin optimistisch.»

Koalitionsprognosen sind angesichts der Zersplitterung der Parteienlandschaft kaum möglich. Fünf Parteien liegen in den Umfragen zuletzt bei jeweils zehn bis 15 Prozent: die Linksgrünen, die Fortschrittspartei, die sozialdemokratische Allianz, die Piratenpartei und die Reformpartei.

Die Wahllokale sind bis 22.00 Uhr (Ortszeit; 0.00 MESZ) geöffnet, danach sollen erste Ergebnisse veröffentlicht werden. Ein klares Bild dürfte sich jedoch erst am Sonntag abzeichnen.

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