Katholische Einrichtung in Indien von Hindu-Nationalisten bedroht
Eine katholische Einrichtung im indischen Bundesstaat Westbengalen ist nach Angaben christlicher Organisationen von einer hindu-nationalistischen Gruppe bedroht worden. Ein Anführer der Gruppe soll dem zuständigen Priester ein Ultimatum von sieben Tagen gestellt und ihn aufgefordert haben, die Region zu verlassen.

Andernfalls seien «schwerwiegende Konsequenzen» angedroht worden, meldete die österreichische Kathpress mit Verweis auf Vatican News und UCA News.
Betroffen ist die Mission «Claret Premaloy» der Claretiner in Nazat. Nach Angaben christlicher Organisationen drang die hindu-nationalistische Gruppe in die Räumlichkeiten der Claretiner ein und erhob Vorwürfe wegen angeblicher «Zwangsbekehrungen» sowie ausländischer Finanzierung. Die christliche Organisation «Bangiya Christiya Pariseba» (BCP) erstattete Anzeige und forderte von der Polizei umgehend Schutz für die Missionare und die örtliche christliche Gemeinde.
Die Ordensgemeinschaft der Claretiner ist seit den 1970er-Jahren in Indien aktiv; sie sind vor allem in den Bereichen der pastoralen Arbeit, Bildung, Sozial- und Entwicklungsprojekte aktiv und setzen sich u. a. für die Rechte armer Landgemeinden, Dalits und indigener Volksgruppen ein.
Der Bischof von Baruipur, Shyamal Bose, verurteilte den Vorfall. Die Missionare dienten Menschen unabhängig von Religion, Kaste und Herkunft insbesondere in den Bereichen Bildung und Gesundheitsversorgung. Statt Einschüchterung verdienten sie Anerkennung, erklärte der Bischof. Er forderte die Behörden auf, gegen die Verantwortlichen vorzugehen und die Sicherheit aller Bürger zu gewährleisten.
Der frühere Vorsitzende der «All India Catholic Union», Eugene Gonsalves, betonte, dass Angriffe auf religiöse Einrichtungen und unbegründete Anschuldigungen gegen christliche Helfer nicht nur ein Angriff auf eine einzelne Gemeinschaft seien, sondern auch auf die verfassungsmässig garantierte Religionsfreiheit in Indien. Er forderte eine umfassende Untersuchung wegen Hausfriedensbruchs, Einschüchterung und Bedrohung sowie einen wirksamen Schutz für die Mitarbeiter christlicher Einrichtungen sowie die lokale christliche Bevölkerung.
Der Vorfall reiht sich in mehrere Angriffe und Drohungen gegen Christen in Westbengalen ein. Mitte Juli gerieten hindu-nationalistischen Angaben zufolge bereits die Salesianerinnen ins Visier. Am 31. Juli bedrohte eine von einem selbsternannten Mönch angeführte Gruppe mit Verbindungen zu einer hinduistischen Organisation einen Pastor der «Grace Community Church» in Sandeshkhali.
Christliche Organisationen fordern von den staatlichen Stellen, die Religionsfreiheit zu verteidigen und sicherzustellen, dass keine Gruppe das Recht beansprucht, eigene Regeln über die Verfassung und das Gesetz zu stellen.










