Todesfalle: Bewohner sollen Kippfenster wegen Katzen schliessen
Kippfenster können für Katzen zur Todesfalle werden. Die Gefahr besteht gerade auch, wenn es sich um ein fremdes Tier handelt.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Katze in Dübendorf ZH war kürzlich in einem Kippfenster eingeklemmt und hatte Glück.
- Solche Situationen können aber auch tödlich enden.
- Die Stiftung Tierrettungsdienst denkt bei der Prävention an Haushalte ohne Katzen.
Der Ausflug in die fremde Wohnung hätte ein tragisches Ende nehmen können. Kürzlich rückt die Feuerwehr Dübendorf-Wangen-Brüttisellen ZH zu einer Siedlung aus.
Im ersten Stock einer Wohnung mit Balkon befindet sich eine Katze in einer misslichen Lage. Das Tier ist in einem Kippfenster eingeklemmt – und niemand ist zu Hause.
«Bei meinem Eintreffen war die Katze noch eingeklemmt, konnte sich jedoch selbst befreien, bevor wir auf dem Balkon waren.» Dies sagt Benjamin Wachter, Oberleutnant und Kommunikationsverantwortlicher bei der Feuerwehr, zu Nau.ch.
Tödliche Verletzungen möglich
Kippfenster können für Katzen zur Todesfalle werden. Der keilförmige Fensterspalt eines Kippfensters schnürt den Körper zwischen Brustkorb und Becken ein.
Versucht sich die Katze zu befreien, rutscht sie häufig noch tiefer in den Spalt hinein. Es kann zu einer Einengung der Aorta und zu Problemen mit der arteriellen Blutversorgung der hinteren Organe kommen.
Die Tierambulanz Schweiz warnte Mitte August auf Facebook. Im Post ist eine Katze zu sehen, die sich die Vorderpfoten im Spalt eines Kippfensters eingeklemmt hat.

«Dieser Notfall-Einsatz von heute zeigt, dass alle Kippfenster eine Gefahr darstellen», schreibt die Tierambulanz. Dies gelte auch, wenn diese nur einen kleinen Spalt offen seien. Die Katze habe sich schwere Verletzungen zugezogen. Eine Anfrage der Redaktion rund um Notfälle mit Katzen in Kippfenstern lässt die Tierambulanz unbeantwortet.
Die Stiftung Tierrettungsdienst registrierte 2025 zwei Rettungsfahrten wegen Katzen, die in Kippfenstern eingeklemmt waren. «2026 sind es bisher vier Notfälle, die unsere Einsatzzentrale durch Beratung und oder Anleitung der Katzenhaltenden erfolgreich abschliessen konnte.» Dies sagt Mediensprecherin Martina Monti auf Anfrage.
Laut der veterinärmedizinischen Gruppe Vet Trust stirbt rund ein Drittel aller Katzen, die in einem Kippfenster eingeklemmt waren.
Wie viele Katzen überleben, erfährt die Stiftung Tierrettungsdienst nicht. Martina Monti: «Denn nach der Befreiung aus der Notlage müssen die Katzen zwingend für eine Untersuchung in einer tierärztlichen Praxis vorgestellt werden.»
Etwas sei aber klar: «Je länger ein Tier im Spalt gefangen war, desto grösser das Risiko lebensbedrohlicher innerer Verletzungen.»
«Es würde auf jeden Fall helfen»
Im Fall der eingeklemmten Katze in Dübendorf ZH stellte sich heraus, dass das Tier nicht der Wohnungseigentümerin gehörte. Dies ist keine Ausnahme. Die Stiftung Tierrettungsdienst schätzt, dass fremde Katzen die Hälfte der Kippfenster-Notfälle auslösen.
«Es würde auf jeden Fall helfen, wenn auch Haushalte ohne Katzen die Fenster im Erdgeschoss nicht gekippt halten.» Dies sagt Martina Monti. Dies sei eine einfache Vorsichtsmassnahme, die helfe, Notfälle und Tierleid zu verhindern.
Nico Kipfer, Tierarzt der Dr. N. Kipfer Kleintierchirurgie in Egg ZH, hält dies auch für wichtig.
Halter sollten Menschen aus der Nachbarschaft, auch wenn diese keine eigenen Katzen hätten, auf das Problem aufmerksam machen. Dies sagt Er in einem Video der Tierschutzorganisation Netap.
Katzen schützen trotz Kippfenster
Katzenhalterinnen und -halter können sich sogar strafbar machen, steckt ihr Tier in einem Kippfenster fest. Martina Monti begründet dies mit der Sorgfaltspflicht, die Tier- und Katzenhalter haben.
Laut der Tierschutzverordnung müssen sie das Befinden der Tiere und den Zustand der Einrichtungen so oft wie nötig überprüfen. Sie müssen Mängel an Einrichtungen, die das Befinden der Tiere beeinträchtigen, unverzüglich beheben oder geeignete Massnahmen zum Schutz der Tiere treffen.
Trotzdem muss sich niemand mit stickigen Räumen zum Schutze der Katzen abfinden. Nico Kipfer empfiehlt, ein zusammengerolltes Frotteetuch in den Spalt des Kippfensters zu klemmen. «Damit die Katze nicht hinunterrutschen kann.»
Wer nicht ohne geöffnete Kippfenster auskommt, kann auch einen Katzenklotz installieren. Der Holzklotz wird dabei in den Spalt des gekippten Fensters gesetzt.
Beim Anbieter «Katzenkloetze» kostet die Vorrichtung pro Stück knapp 30 Franken. Der Online-Händler Galaxus bietet verschiedene Schutzgitter für rund 20 Franken an.


















