St. Gallen: Waffenboom klettert weiter in die Höhe!
Nach der schweren Tat in Aarau wird auch im Raum St. Gallen über Waffenbesitz diskutiert. Die Zahl der Waffenerwerbsscheine hat im Kanton zugenommen.

Das Wichtigste in Kürze
- Fragen rund um den Waffenbesitz werden auch im Raum St. Gallen diskutiert.
- Fest steht: Die Zahl der abgegebenen Waffenerwerbsscheine im Kanton hat stark zugenommen.
Während 2023 durch das Waffenbüro der Kantonspolizei St. Gallen gemäss Mitteilung der Sprecherin Martina Brassel 1774 Erwerbsscheine abgegeben wurden, waren es 2023 1774, 2024 1981 und 2025 2205. Im laufenden Jahr sind es bis Ende August 1489.
Die Zahl der Ausnahmebewilligungen, zum Beispiel für Sportschützen und Sammler, belief sich 2023 auf 705, 2024 auf 763 und 2025 auf 1344, in diesem Jahr bis Ende August auf 725.
Die Zahl für 2025 ist nach Brassel deutlich höher, weil im Februar 2025 Schalldämpfer für die Jagd legalisiert wurden. In allen Fällen wird das stark detaillierte kantonale Recht angewendet.
Unsicherheitsgefühl erhöht
Wegen des herrschenden Kriegsgeschehens sind offensichtlich viele verunsichert und fühlen sich mit dem Erwerb einer Waffe sicherer, wie Experten und Behörden festhalten. Darunter leidet aber die öffentliche Sicherheit, indem allgemein mehr Waffen vorhanden sind.

Im St. Galler Waffenregister sind total über 20‘000 Waffenbesitzer und über 80‘000 Waffen verzeichnet. Eine weit grössere Gefahr geht von den illegalen Waffen aus, die durch die Diebstähle in letzter Zeit noch zahlreicher im Umlauf sind, aber nicht beziffert werden können.
Bei den Tötungsdelikten stehen diese Waffen jedenfalls deutlich im Vordergrund. Die Schweiz ist denn auch bezüglich Waffendichte Weltspitze. Es sind über zwei Millionen Waffen in Privatbesitz.
Demgegenüber sind dramatische Ereignisse mit Waffengebrauch wie jüngst in Aarau und 2001 beim Amoklauf im Kantonsrat Zug verhältnismässig selten.
Informationsstopp
Gegenwärtig äussert sich die Kantonspolizei St. Gallen in Absprache mit anderen Schweizer Polizeikorps nicht weiter zum Thema Waffen, Waffenerwerb oder Sicherheitsgefühl.
Aus früheren Verlautbarungen ist indessen bekannt, dass die Zahl der Sicherstellung von Waffen durch die Polizei zugenommen hat, die Zahl der unter dem Einsatz von Schusswaffen begangenen Tötungsdelikte im Vergleich zur Gesamtkriminalität gering ist.
Über 90 Prozent aller eingereichten Waffengesuche in St. Gallen werden nach strenger Prüfung der Leumunds- und Strafregisterdaten regulär bewilligt.
Restriktive Kontrollpraxis
Das Waffenbüro zeichnete sich immer wieder durch eine restriktive und proaktive Kontrollpraxis aus. Personen werden bei Erwerb einer rein meldepflichtigen Waffe (wie gewissen Jagdgewehren) zu einer polizeilichen Einvernahme vorgeladen, was auch schon zu Kritiken geführt hat.
Sammler müssen zwingend beim Ersterwerb ein detailliertes schriftliches Sicherheitskonzept zur Aufbewahrung vorlegen und ein aktualisiertes Waffenverzeichnis führen.

Konsequent ist St. Gallen auch bei verwaltungsrechtlichen Verfahren, bei welchen beispielsweise von psychisch beeinträchtigten oder vorbestraften Personen Waffen beschlagnahmt werden müssen.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.








