Hitzewelle entfacht Debatte über Schulbeginn im Oktober in Italien
Für ihre 13 Wochen Sommerferien werden Schüler und Lehrer in Italien in ganz Europa beneidet. Im Europa-Vergleich liegen sie auf der Spitzenposition. Wegen der anhaltend hohen Temperaturen ist in Italien jetzt eine Debatte über einen späteren Beginn des neuen Schuljahres entbrannt.

Eine Lehrerin an einer Oberschule im süditalienischen Agropoli hat eine Petition gestartet, in der sie fordert, den für Mitte September vorgesehenen Schulbeginn auf den 1. Oktober zu verschieben.
Die Lehrerin begründet ihre Forderung mit den hohen Temperaturen in zahlreichen Regionen und fehlenden Klimaanlagen in den Schulen. Temperaturen von mehr als 30 Grad und schlecht belüftete Klassenräume könnten das Wohlbefinden von Schülern und Lehrkräften beeinträchtigen und angemessene Bedingungen für den Unterricht erschweren, heisst es in der Petition. Sie fordert zugleich langfristige Investitionen in Kühlsysteme für Schulen.
Nach Angaben des italienischen Bildungsministeriums benötigt mehr als die Hälfte der Schulen Massnahmen zur Kühlung ihrer Räume. Bildungsminister Giuseppe Valditara kündigte dafür staatliche Mittel in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro an. «Wir erwarten nun, dass die Kommunen und Regionen ihren Teil beitragen», sagte er.
Vertreter der Schulleitungen stehen einer Verschiebung des Schulbeginns nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, sehen darin aber lediglich eine kurzfristige Lösung. Eine Änderung des Schulkalenders müsse strukturell angegangen werden und auch die Auswirkungen auf Millionen von Familien berücksichtigen, sagte Attilio Fratta, Vorsitzender des Verbands der Schuldirektoren DirigentiScuola.
Auch die Gewerkschaften sehen einen späteren Schulbeginn allenfalls als Übergangslösung. Ivana Barbacci, Chefin einer Gewerkschaft von Schulpersonal, verwies darauf, dass die Schulkalender von den Regionen festgelegt werden. Regionen in Mittel- und Süditalien könnten den Unterricht demnach auch nach dem 15. September beginnen lassen, müssten aber die vorgeschriebene Mindestzahl von 200 Unterrichtstagen gewährleisten. Dadurch könne sich das Ende des Schuljahres über den 15. Juni hinaus verschieben.









