Stars und Streitstoff beim Filmfestival in Venedig
Robert Pattinson und andere Hollywood-Stars, Oasis und Werner Herzog: Die Internationalen Filmfestspiele von Venedig bieten grosse Namen – und brisante Themen. Ein Überblick über die wichtigsten Filme und Gäste.

Robert Pattinson als zwielichtiger Fernsehjournalist, Penélope Cruz und Javier Bardem als Ehepaar auch auf der Leinwand, dazu der heiss erwartete neue Spielfilm von Werner Herzog: Die 83. Filmfestspiele von Venedig versprechen wieder eine hochkarätige Gästeliste. Vom 2. bis 12. September werden auf dem Lido neue Filme internationaler Regiegrössen gezeigt.
Auffallend dabei: Wie in Cannes laufen auch in Venedig keine grossen Blockbuster-Hollywood-Produktionen. Kurz vor dem Festivalstart wurde nachträglich ein Film über den Gaza-Krieg in den Wettbewerb aufgenommen.
Einer der meist erwarteten Wettbewerbsfilme ist «Primetime» von Lance Oppenheim. Robert Pattinson spielt darin den US-Fernsehjournalisten Chris Hansen, der mit einer umstrittenen Sendung bekannt wurde: Für «To Catch a Predator» wurden mutmassliche Sexualstraftäter mit versteckter Kamera überführt und anschliessend öffentlich blossgestellt.
Der Hype um den Film ist bereits gross. Pattinson, der dieses Jahr in einer ganzen Reihe neuer Kinofilme zu sehen ist, dürfte mit dieser ambitionierten Rolle nicht nur auf dem roten Teppich, sondern auch im Gespräch über mögliche Festival- und Filmpreise eine zentrale Rolle spielen.
Oppenheim ist 1996 geboren, «Primetime» ist sein erster Spielfilm. Er tritt gegen 20 andere Werke im Wettbewerb um den Goldenen Löwen an. Vergangenes Jahr gewann Jim Jarmusch mit «Father Mother Sister Brother» den Hauptpreis des Festivals.
Ein Promipaar aus der realen Welt spielt auch im Film ein Ehepaar: Penélope Cruz und Javier Bardem kommen mit «Bunker» von Florian Zeller nach Italien. Bardem spielt einen Architekten, der den Auftrag eines Tech-Milliardärs annimmt, einen unterirdischen Schutzraum zu bauen. Für seine Frau, verkörpert von Cruz, wird das Projekt zum Anlass, die gemeinsamen Werte und schliesslich die Ehe infrage zu stellen.
Auch «Bunker» läuft im Wettbewerb. Zeller landete mit «The Father» 2021 bereits einen Oscar-Erfolg.
Die grösste Aufmerksamkeit fernab des Wettbewerbs dürften die Oasis-Brüder auf sich ziehen. Ausser Konkurrenz läuft eine Dokumentation über Liam und Noel Gallagher. Im Mittelpunkt steht die Wiederannäherung der zwischendurch zerstrittenen Brüder und ihre gemeinsame Reunion-Tour. Festivaldirektor Alberto Barbera kündigte an, dass die Musiker nach Venedig kommen wollen.
Die Gallaghers stehen für unberechenbare öffentliche Auftritte, das könnte also spannend werden. «Oasis: Don’t Look Back In Anger» feiert in Venedig am 5. September Premiere.
Für den deutschen Film ist Werner Herzog im Hauptwettbewerb vertreten. Sein neuer Film «Bucking Fastard» erzählt von Zwillingsschwestern, die ein ungewöhnlich enges Leben führen. Sie sind sich so nah, dass sie mit einer Stimme sprechen, denselben Mann lieben und dieselben Träume haben, wie es in der Filmbeschreibung heisst. «Bucking Fastard» ist laut Berichten von einem echten Fall inspiriert.
Medien zufolge lehnte Herzog einen Slot beim Filmfestival in Cannes ab, weil der Film dort nicht im Hauptwettbewerb laufen sollte. Laut «Variety» wünschte er sich durch einen Platz im Wettbewerb mehr Aufmerksamkeit für seine Besetzung: Die beiden Schwestern Kate Mara und Rooney Mara spielen das Zwillingspaar. An ihrer Seite treten Orlando Bloom und Domhnall Gleeson auf.
Politisch brisant dürfte es mit «Naza» werden. Der Film über den Gaza-Krieg stammt von Yuval Abraham und Rachel Szor. Die beiden gehörten zum vierköpfigen Regieteam des 2025 mit einem Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilms «No Other Land», der bei der Berlinale-Gala 2024 eine politische Kontroverse auslöste.
Auch vergangenes Jahr war der Gaza-Krieg in Venedig Thema, vor allem wegen des Films «The Voice of Hind Rajab» über ein getötetes palästinensisches Mädchen. Die Regisseurin Kaouther Ben Hania gewann damit den zweitwichtigsten Preis des Festivals, dieses Jahr sitzt sie in der Wettbewerbsjury.
Ein Venedig-Wiederkehrer ist auch Oscar-Preisträger Martin McDonagh. Er hat in Venedig bereits mit «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri» und «The Banshees of Inisherin» für Begeisterung gesorgt. Dieses Jahr ist er mit «Wild Horse Nine» im Wettbewerb vertreten.
John Malkovich, Sam Rockwell, Steve Buscemi und Tom Waits gehören zum Ensemble der schwarzen Komödie. Der Film führt CIA-Agenten auf eine Mission nach Easter Island und spielt vor dem Hintergrund der politischen Umbrüche in Chile im Jahr 1973.
Auch ausserhalb des Wettbewerbs gibt es mehrere prominente Namen. In «Place to Be» von Kornél Mundruczó spielen Pamela Anderson und Taika Waititi neben Ellen Burstyn. Die 93-jährige Schauspielerin will nach Angaben des Festivals ebenfalls nach Venedig kommen.
Burstyn ist dort gleich mehrfach präsent. In Maggie Gyllenhaals Kurzfilm «Flesh Impact» ist sie neben Dakota Johnson und Peter Sarsgaard zu sehen. Gyllenhaal ist auch Präsidentin der Wettbewerbsjury. Burstyn soll mit einem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk geehrt werden. Einen Ehrenpreis erhält auch George Clooney.
Zum Auftakt wird «Ink» von Danny Boyle gezeigt, hier geht es wie in «Primetime» um den Medienbetrieb. Der «Trainspotting»-Regisseur erzählt in «Ink» aus der Welt des britischen Boulevardjournalismus. Jack O'Connell spielt einen kompromisslosen Zeitungsredakteur.
Abgesehen von Herzog spielen deutsche Filmschaffende in Nebensektionen eine Rolle. Wim Wenders zeigt ausser Konkurrenz seinen neuen Film «From Inside Out – The Architecture of Peter Zumthor» über das Werk des Schweizer Architekten.
In der Nebenreihe «Orizzonti» sind gleich drei Schauspielende aus der Schweiz im italiensich-deutschen Film «La ragazza con la Leica» zu sehen: Luna Wedler, Joel Basman und Lia von Blarer. Und Ella Rumpf spielt im französischen Polizeithriller «Jupiter» von Alexandre Smia an der Seite von französischen Stars wie Denis Ménochet, Reda Ketab oder Cédric Kahn mit. Der Film läuft ausserhalb des Wettbewerbs.
Die Schweiz ist dieses Jahr im Fokus der «Venice Production Bridge», dem Filmmarkt des Festivals. Hier trifft sich die Filmbranche, und die Schweiz kann sich als Koproduktionspartnerin international präsentieren, schreibt die Promotionsagentur Swiss Films in einer Mitteilung. Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider wird zu diesem Anlass nach Venedig reisen und sich mit den Filmschaffenden austauschen.










