EU-Sondergipfel: Europa will sich unabhängiger von USA machen
Nach Trumps Grönland-Drohungen beschliesst die EU beim Sondergipfel entschlossen mehr Unabhängigkeit von Washington und weitere Arktis-Investitionen.

Die Europäische Union will nach der Grönland-Krise deutlich unabhängiger von den USA werden. Daher sei es jetzt höchste Zeit, einen Gang höher zu schalten und mehr zu investieren.
Beim EU-Sondergipfel in Brüssel am Donnerstagabend zeigten sich die Staats- und Regierungschefs zwar erleichtert über Trumps Rückzug. Doch ein «Weiter so» könne es nicht geben, betonten mehrere Spitzenpolitiker laut «ZDF» nach viereinhalbstündigen Beratungen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen räumte nach dem Gipfel europäische Versäumnisse ein. «Wir haben gemeinsam zu wenig in die Arktis und die Sicherheit der Arktis investiert», sagte sie gemäss der «DPA».
EU stärkt Grönland-Investitionen und zeigt Trump geeinte Einheit
Die Kommission plane ein umfangreiches Investitionspaket für Grönland, kündigte von der Leyen an. Im nächsten EU-Haushalt ab 2028 soll die finanzielle Unterstützung laut «Antenne Bayern» für die Arktisinsel verdoppelt werden.

Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron führten Trumps Kurswechsel auf europäische Einheit zurück.
«Wenn Europa geeint reagiert, kann es sich Respekt verschaffen», sagte Macron laut der «Deutschen Presse-Agentur». Genau das sei diese Woche geschehen, fügte der französische Präsident hinzu.
Merz fordert EU-Stärke gegen Trumps 93-Milliarden-Zölle
Merz betonte, dass Geschlossenheit und Entschlossenheit auf europäischer Seite durchaus etwas bewirken könnten. Trotz des guten Ergebnisses müsse die Widerstandsfähigkeit der Europäischen Union gestärkt werden, forderte der Kanzler.
Die Europäer müssten nun Konsequenzen ziehen und ihre Verteidigungsfähigkeit sowie wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit stärken. Die EU hatte sich auf harte Gegenmassnahmen vorbereitet, wie das «ZDF» berichtete.
Hätte Trump seine Zollankündigungen zum 1. Februar umgesetzt, wären ab dem 7. Februar Sonderzölle auf US-Waren erhoben worden. Der Wert: 93 Milliarden Euro, wie mehrere Medien übereinstimmend meldeten.
EU erwägt Gegenmassnahmen gegen USA und betont Nato-Bindung
Zudem war die Nutzung eines neuen EU-Instruments gegen wirtschaftliche Zwangsmassnahmen im Gespräch gewesen. Dieses hätte US-Unternehmen von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausschliessen können, berichtete «Handelsblatt».
Trotz der Spannungen betonten mehrere Regierungschefs die Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft. Die Nato sei das erfolgreichste politische Bündnis zwischen Europa und Amerika, das man nicht einfach aufgeben könne, sagte Merz.
EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas warnte jedoch vor dauerhaften Schäden in den transatlantischen Beziehungen. Die vergangenen Wochen hätten einen schweren Schlag bedeutet, sagte sie gemäss dem österreichischen «ORF».
Stärkere Nato-Präsenz in der Arktis nach Trumps Zoll-Rückzug
Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen forderte eine stärkere Nato-Präsenz in der Arktis. Es brauche eine ständige Präsenz der Nato auch um Grönland herum, sagte sie vor dem Gipfel.

Trump hatte am Mittwochabend seine Strafzolldrohungen zurückgenommen. Dies geschah, nachdem er mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte gesprochen hatte.
Dabei sei ein Rahmen für eine Vereinbarung über Grönland und die Arktisregion entstanden, berichtete «ZDF». Details blieben zunächst unklar, doch gemäss Nato-Kreisen sollen die USA ihre Militärpräsenz auf Grönland ausweiten dürfen.















