In rund einem Monat wird in Deutschland gewählt. Bei einem Ergebnis wie im ZDF-«Politbarometer» vom Freitag wären verschiedene Dreier-Koalitionen möglich.
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Wahlplakate in Berlin. - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Die FDP steht einer Koalition mit SPD und Grünen skeptisch gegenüber.
  • Die SPD hat sich in den Umfragen zuletzt deutlich verbessert.
  • Der SPD-Vorsitzende führt dies auf Person des Kanzlerkandidaten Olaf Scholz zurück.

Rund einen Monat vor der Bundestagswahl in Deutschland stellt sich auch angesichts des jüngsten Umfragehöhenflugs der Sozialdemokraten verstärkt die Frage, welche Koalitionen es künftig geben könnte.

In den Reihen der FDP herrscht dabei unverändert Skepsis über eine mögliche Ampelkoalition mit SPD und Grünen. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans schliesst unterdessen ein gemeinsames Bündnis mit Grünen und Linkspartei nicht aus – auch aus strategischen Gründen.

Verschiedene Dreier-Koalitionen möglich

In den Umfragen hatte sich die SPD zuletzt deutlich verbessert. Auch im am Freitag veröffentlichten ZDF-«Politbarometer» zog die Partei in der Wählergunst mit der Union gleich. Bei einem solchen Ergebnis wären theoretisch verschiedene Dreier-Koalitionen möglich: eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP, eine sogenannte Deutschland-Koalition aus Union, SPD und FDP, ein Ampel-Bündnis aus SPD, Grünen und FDP oder auch ein rot-grün-rotes Bündnis.

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SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. - dpa

Wie die «Süddeutsche Zeitung» am Samstag berichtete, stösst eine mögliche Ampel-Koalition bei der FDP allerdings auf ein verhaltenes Echo. Es sei «schön», wenn SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz «kleine Schritte in eine vernünftigere und pragmatischere Richtung» gehen wolle, sagte Vize-Parteichef Wolfang Kubicki der Zeitung. Dennoch sei ein Bündnis mit SPD und Grünen «extrem unwahrscheinlich».

«Die Person Olaf Scholz» wäre keine «unüberbrückbare Koalitionshürde» für die Freien Demokraten, sagte Kubicki weiter. Doch gingen die Vorstellungen «vor allem in der Steuerpolitik» sehr weit auseinander. Entscheidend sei, «was tatsächlich in einem Koalitionsvertrag steht».

SPD-Vorsitzender schliesst Rot-Grün-Rot nicht aus

Scholz hatte der FDP in einem «SZ»-Interview zuvor einen fairen Umgang versprochen. Die Jamaika-Verhandlungen 2017 seien auch daran gescheitert, «dass sich Union und Grüne zuvor nicht sehr viel Mühe gegeben hatten, ein echtes Dreierbündnis zustande zu bringen», sagte der SPD-Kanzlerkandidat. Sie hätten «letztlich untereinander verhandelt und der FDP nur eine Nebenrolle zugedacht».

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SPD-Chef Walter-Borjans. - POOL/AFP/Archiv

Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans hob in der «Augsburger Allgemeinen» vom Samstag unterdessen hervor, dass er auch Rot-Grün-Rot nicht ausschliesse. «Im Vorfeld festzulegen, mit wem man nicht redet, schwächt letztlich die eigene Position», sagte der Parteichef zur Begründung.

Es gebe in jeder anderen Partei «Maximalpositionen, die für uns nicht akzeptabel sind», sagte Walter-Borjans. «Forderungen, die die innere und äussere Sicherheit und die Partnerschaft in Europa und der Nato gefährden würden, gingen mit uns nicht», betonte der Sozialdemokrat.

Walter-Borjans: Stimmungsaufschwung wegen Olaf Scholz

«Aber auch die neoliberale Ideologie, dass man nur genügend Kuchen auf den Tisch der Vermögendsten stellen muss, damit auch mehr für die unter dem Tisch runterfällt, hätte keine Aussicht auf Zustimmung unsererseits», fügte er hinzu. Für die SPD stehe das Gemeinwohl im Mittelpunkt. «Wir bleiben dabei, wir müssen selbst so stark wie möglich werden», sagte Walter-Borjans. «Hinterher geht es daran, wie gross die Schnittmengen und wie stark die Unzumutbarkeiten mit den jeweils möglichen Partnern sind.»

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Olaf Scholz im Bundestag. (Archivbild) - AFP/Archiv

Der SPD-Vorsitzende sieht den Stimmungsaufschwung seiner Partei in den Umfragen in der Person des Kanzlerkandidaten Olaf Scholz begründet. «Weil Angela Merkel nicht wieder antreten wird, waren wir immer davon überzeugt, dass nur Olaf Scholz die Gewähr für einen klaren Kurs bietet», sagte Walter-Borjans.

«Die meisten Bürger haben gar nicht die Zeit, sich jeden Tag im Detail zu informieren, was die in Berlin da eigentlich beschliessen. Deswegen wollen sie eine Vertrauensperson.»

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