Bei der spanischen Exklave Ceuta stürmten in letzter Zeit 8000 Flüchtlinge über die Grenze. Nachdem 6000 nach Marokko abgeschoben wurden, kehrt nun Ruhe ein.
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Marokkaner warten an der spanischen Grenze darauf, freiwillig in ihr Heimatland zurückzukehren. Einige der Marokkaner hatten sich bereits vor der Krise in der spanischen Stadt aufgehalten. + - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Vor drei Tagen stürmten tausende Migranten auf die spanische Exklave Ceuta.
  • Nun wurden 6000 Flüchtlinge nach Marokko abgeschoben.
  • Inzwischen ist wieder Ruhe eingekehrt in der Exklave.

Drei Tage nach dem Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta ist an der Grenze zur EU wieder Ruhe eingekehrt. Nach einer turbulenten Nacht waren die Strassen im marokkanischen Fnideq am Donnerstag wie leergefegt.

Zahlreiche junge Menschen seien mit Bussen weggebracht worden, berichtete ein AFP-Korrespondent. Die spanische Verteidigungsministerin Margarita Robles warf Marokko unterdessen «Erpressung» und Verstösse gegen internationales Recht vor.

Viele Migranten über die Grenze bei Ceuta

Die Weigerung der marokkanischen Sicherheitskräfte, die Migranten vom Grenzübertritt nach Ceuta abzuhalten, komme einem Angriff auf die Grenze Spaniens gleich.

Das sagte Robles am Donnerstag im spanischen Radio. Marokko habe Minderjährige als Druckmittel gegen Madrid eingesetzt. Die Grenzpolizei habe «Kinder im Alter von sieben oder acht Jahren» passieren lassen.

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Ein Migrant schreibt seinen Namen auf einen Wellenbrecher bei Ceuta. - dpa

«Sie haben sie benutzt, unter Missachtung des Völkerrechts», sagte Robles. Es sei «inakzeptabel», das Leben von Kindern und anderen Menschen für politische Zwecke aufs Spiel zu setzen.

Spanien werde diese Art der «Erpressung» nicht hinnehmen und lasse sich nicht unter Druck setzen, betonte die Verteidigungsministerin.

«2000 unbegleitete Kinder»

Seit Montag war eine Rekordzahl von 8000 Migranten in Ceuta angekommen. Mindestens ein Mensch ertrank bei dem Versuch, schwimmend in die EU zu gelangen.

Rund 6000 Migranten wurden inzwischen wieder nach Marokko abgeschoben, unter ihnen auch zahlreiche Minderjährige. Das wurde von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert.

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Medizinisches Personal und Mitglieder der spanischen Guardia Civil untersuchen die Leiche eines jungen Mannes, der aus dem Wasser nahe der Grenze zwischen Marokko und Spaniens nordafrikanischer Exklave Ceuta geborgen wurde. - dpa

Laut Amnesty International kamen seit Montag «rund 2000 unbegleitete Kinder» nach Ceuta. Die spanischen Behörden sprachen von rund 1500 Minderjährigen, rund 800 seien noch vor Ort. Viele seien «freiwillig» nach Marokko zurückgekehrt.

Ceuta und die andere spanische Exklave Melilla haben die einzige Landgrenze der Europäischen Union mit Afrika. Die Gebiete sind deshalb regelmässig Ziel von Menschen, die sich ein besseres Leben in Europa erhoffen.

Konfliktgrund ist Coronavirus

Die marokkanischen Sicherheitskräfte hatten die Migranten in Ceuta am Montag passieren lassen und erst am Dienstag den Grenzschutz verstärkt. Hintergrund ist der Streit zwischen Marokko und Spanien um den Konflikt in der Westsahara.

Der marokkanische Minister für Menschenrechte, Mustapha Ramid, erhob am Mittwoch schwere Vorwürfe gegen Madrid: Spanien habe sich in dem Streit auf die Seite der Widerstandsbewegung Frente Polisario und ihres Verbündeten Algerien geschlagen.

Spanien müsse einen hohen Preis dafür zahlen, wenn es Marokko «diskreditiere», schrieb Ramid im Onlinedienst Facebook.

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Ein Migrant schläft in einem öffentlichen Park in der spanischen Enklave von Ceuta. - dpa

Auslöser der diplomatischen Krise war das Coronavirus: Die Entscheidung der Regierung in Madrid, dem erkrankten Anführer der Frente Polisario eine medizinische Behandlung in Spanien zu ermöglichen.

Die Frente Polisario kämpft für die Unabhängigkeit der Westsahara, während Marokko die Region an der Atlantikküste für sich beansprucht.

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