Weiterer wichtiger Schritt beim internationalen Truppenabzug aus Afghanistan: Der Befehlshaber der US- und Nato-Truppen in dem Land, General Austin Scott Miller, hat sein Kommando am Montag abgegeben.
Die US-Generäle Austin Scott Miller (r.) und Kenneth McKenzie (l.)
Die US-Generäle Austin Scott Miller (r.) und Kenneth McKenzie (l.) - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Wichtiger Schritt hin zum Ende der internationalen Militärmission.

Miller war der höchstrangige Nato-Militär, der in Afghanistan stationiert war.

Bei einer Zeremonie in Kabul übergab Miller seine Aufgaben an General Kenneth McKenzie, den Chef des Zentralkommandos der US-Armee (Centcom) mit Sitz im US-Bundesstaat Florida. Die letzten verbliebenen US-Operationen in Afghanistan werden nun also nicht vor Ort, sondern von den USA aus gesteuert. Centcom koordiniert die militärischen Aktivitäten der USA in 20 Ländern im Nahen Osten sowie in Zentral- und Südasien.

Miller hatte die Koalitionstruppen in Afghanistan seit September 2018 befehligt. Diese Aufgabe nannte er nun den «Höhepunkt meiner militärischen Karriere». Das afghanische Volk werde für den Rest seines Lebens «in meinem Herzen und in meinen Gedanken sein», sagte Miller, nachdem er in einem symbolischen Akt die Fahne der Koalitionstruppen an McKenzie überreicht hatte.

Miller hatte 2018 einen Anschlag der radikalislamischen Taliban überlebt. Bei dem Angriff wurde ein hochrangiges Mitglied der afghanischen Regierung getötet, mit dem sich der US-General getroffen hatte.

McKenzie versicherte, dass das US-Militär auch nach seinem Abzug die afghanische Regierung entschlossen unterstützen werde. Dies werde künftig «von Stützpunkten ausserhalb Afghanistans aus» geschehen. In Afghanistan selbst sollen künftig nur noch rund 650 US-Soldaten stationiert sein, welche für den Schutz der diplomatischen Einrichtungen der Vereinigten Staaten zuständig sind.

Die Übergabezeremonie zwischen den US-Generälen fand innerhalb der schwer bewachten «Grünen Zone» der afghanischen Hauptstadt statt. An ihr nahmen hochrangige afghanische Regierungsvertreter und Militärs teil.

Parallel zum Rückzug der ausländischen Truppen haben die Taliban zuletzt immer mehr Gebiete in Afghanistan erobert. Die Aufständischen nahmen in den vergangenen Wochen zahlreiche Provinzen und wichtige Grenzübergänge ein.

Nach eigenen Angaben haben die Taliban seit dem Beginn des Abzugs aller Nato-Truppen Ende April bereits 85 Prozent des Landes erobert. Sie kontrollieren demnach rund 250 der knapp 400 Bezirke in Afghanistan - eine Darstellung, die allerdings nicht unabhängig überprüft werden kann und von der Regierung in Kabul zurückgewiesen wird.

Die US-Armee hatte ihren Hauptstützpunkt Bagram Anfang Juli an die afghanischen Streitkräfte übergeben. Bis Ende August soll der vollständige Abzug der US-Soldaten aus Afghanistan vollzogen sein. Die Bundeswehr ist bereits seit Ende Juni nicht mehr in Afghanistan präsent.

Trotz des Vormarsches der Taliban hatte US-Präsident Joe Biden in der vergangenen Woche seine Entscheidung für den raschen Truppenabzug aus Afghanistan verteidigt. Die USA hätten seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ihre Ziele im Anti-Terror-Kampf am Hindukusch «erfüllt», sagte er.

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